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Konsumtagebuch, digitaler Coach und Push-Nachrichten. Wie funktioniert digitale Suchtprävention heute?

Im Forschungsprojekt IndiSuKI entwickeln wir eine KI zur personalisierten Cannabisprävention für junge Erwachsene. In einer umfangreichen Literaturrecherche haben wir uns angeschaut, welche Gestaltungsmöglichkeiten digitale Suchtprävention bereits nutzt und wo bestehende Angebote an ihre Grenzen stoßen. 

Was wirkt in der digitalen Suchtprävention?

Bestehende digitale Präventionsangebote stellen häufig Gesundheitsinformationen, sowie Strategien und Tipps zur Regulation des eigenen Konsums zur Verfügung und leiten bei Bedarf an professionelle Unterstützung weiter. Dabei beruhen sie auf Ansätzen wie der Psychoedukation, also der strukturierten Wissensvermittlung von Wirkung und Risiken, der kognitiven Verhaltenstherapie, bei der es darum geht, an Handlungs- und Denkmustern zu arbeiten und der motivierenden Gesprächsführung. Bei letzterem handelt es sich um ein nicht-konfrontatives Gespräch, in dem eigene Veränderungsmotive herausgearbeitet werden.

Ein etabliertes Vorgehen ist dabei, ein Ziel festzulegen und den Fortschritt zu verfolgen. Konsumtagebücher sind hier ein naheliegendes Instrument, um den eigenen Konsum zu beobachten. Ein schönes Beispiel hierfür ist das kostenlose Online-Beratungsprogramm "Quit the Shit" des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Das Programm verbindet ein Konsumtagebuch über vier Wochen, ein selbstgewähltes Ziel zwischen Reduktion und Ausstieg, wöchentliches Feedback durch eine Beratungsperson.

Der strukturelle Vorteil digitaler Interventionen: Sie können die jungen Erwachsenen dauerhaft begleiten und sind jederzeit niedrigschwellig, sowie auf Wunsch anonym erreichbar. Das adressiert reale Zugangsbarrieren, wie Wege, Kosten, den Aufwand, eine örtliche Beratungsstelle zu finden und Angst vor Stigmatisierung. Gleichzeitig können so potenziell auch besser Menschen erreicht werden, die noch keine Suchtproblematik entwickelt haben.

Zusätzlich ist Unterstützung besonders wirksam, wenn sie im richtigen Moment erfolgt. Push-Benachrichtigungen, situative Erinnerungen und die mobile Begleitung im Alltag können folglich sinnvoll sein. In der Forschung spricht man in diesem Kontext von Just-in-Time Adaptive Interventions. Damit sind Interventionen gemeint, die ihren Inhalt und Zeitpunkt an den aktuellen Zustand der Person statt an einen festen Zeitplan anpassen.

Ebenso wissen wir aus der Literatur, dass eine reine Risikokommunikation z.B. durch Informationsmaterialien ohne Reflexions- und Anwendungsanteil nur beschränkt wirksam ist. Diese sind oftmals zu allgemein und unpersönlich, denn Menschen unterscheiden sich hinsichtlich Konsummotiven, Risikowahrnehmung, Veränderungsbereitschaft, Unterstützungsbedarf und vielem mehr. Gerade deswegen ist eine “One size fits all” Intervention vielleicht nicht der richtige Ansatz, um junge Menschen abzuholen. 

 

Was wir mit IndiSuKI vorhaben:

Genau hier setzen wir mit IndiSuKI an: Wir möchten die oben genannten Gestaltungsmöglichkeiten (und noch viele mehr) zusammenführen und eine KI entwickeln, die persönlich auf die Bedürfnisse der Nutzenden zugeschnitten ist. Dabei setzen wir auf Personalisierungsmöglichkeiten, wo immer möglich, auf eine ansprechende Gestaltung und spielerische Elemente. 

Denn die Recherche hat uns gezeigt, dass es nicht an guten Einzelelementen fehlt. Die offene Frage ist, wie sie sich so zusammenführen lassen, dass junge Erwachsene sich tatsächlich angesprochen fühlen. Deshalb entwickeln wir die Anwendung nicht für, sondern mit der Zielgruppe.

Ansprechpartner

Foto von Tessa Schulenkorf

Dr. Tessa Schulenkorf

Projektmitarbeiterin