Vorträge
Daniel Koenig (Wuppertal)
Aus meinen Studien zur Bedeutung der Mathematik in Cassirers symboltheoretischem Ansatz hat sich gezeigt, dass dieser einerseits für die theoretische Deutung der Mathematik überaus fruchtbar ist, andererseits aber aus systematischen Gründen Leerstellen lässt. So ist die Frage nach der konkreten Arbeit des Mathematikers wenig behandelt, wie auch die Frage nach dem konkreten Erlernen mathematischer Inhalte bspw. von Schülern. Im Sinne einer wechselseitigen Ergänzung möchte ich im Vortrag eine Spurensuche unternehmen und ausloten, ob sich die Ansätze Poincarés, Deweys und Cassirers sinnvoll aufeinander beziehen lassen. Abschließend möchte ich eine erste Skizze für ein mögliches Forschungsprojekt vorstellen und diskutieren.
Rudolf Meer (Bochum)
Wissenschaftliche Philosophie ist ein Begriff, der sowohl eine bestimmte philosophische Haltung als auch eine konkrete philosophische Bewegung charakterisiert. Während Letztere ihren Höhepunkt Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte, hat die philosophische Haltung selbst Wurzeln, die weit ins 18. und 19. Jahrhundert zurückreichen. Nachdem das Forschungsprogramm einer wissenschaftlichen Philosophie in der Mitte des 20. Jahrhunderts stark an Glaubwürdigkeit verloren hatte, erlebte es zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine bemerkenswerte Renaissance. Im Vortrag greife ich all diese Dimensionen wissenschaftlicher Philosophie auf und frage nach ihrem Selbstverständnis im Spannungsfeld zwischen Philosophie und Wissenschaft.
Helmut Pulte (Bochum)
Kant wird durch Newtons Opticks, in der erstmals – in Analogie zu algebraischen Reihen – negative Kräfte in die Naturphilosophie eingeführt werden, zur Entwicklung einer Theorie der Negativität angeregt, die er der logischen Negation entgegensetzt und die er über die Naturphilosophie hinaus auch für andere Bereiche der Philosophie (wie etwa die Ethik) fruchtbar zu machen sucht. Der Arbeitsbericht stellt einige wichtige Grundgedanken dieser neuen Theorie der 'Realnegation' vor und wirft einen Blick auf die Spuren, die diese vorkritische Konzeption Kants in seiner späteren Transzendentalphilosophie hinterlassen hat.