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Nachruf auf Prof. Dr. Richard Schlüter

Das Seminar für Katholische Theologie der Universität Siegen trauert um Prof. Dr. Richard Schlüter, der am 3. Oktober 2026 verstorben ist.

1943 geboren, studierte Schlüter Philosophie und Katholische Theologie in Frankfurt, Tübingen und Münster. 1985 wurde er Professor für Religionspädagogik an der Universität Siegen, wo er zwischen 1995 bis 1998 auch als Dekan des Fachbereichs I wirkte. Von 1994 bis 1998 war Schlüter außerdem Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Religionspädagogik und Katechetik. 2006 musste sich Richard Schlüter krankheitsbedingt von der Siegener Professur zurückziehen, verlor aber nie das Interesse an Wissenschaft, was sich etwa in seiner Gasthörerschaft in der Medizin in Münster niederschlug.

Richard Schlüters theologischer Schwerpunkt und Herzensanliegen war die ökumenische Bewegung. Von ihrem theologischen Anspruch abgesehen, könnte man sie innerhalb der Christenheit als eine Großübung im friedfertigen und friedensfördernden Umgang mit tiefgreifenden Überzeugungskonflikten begreifen, die in der Vergangenheit oft mit tödlicher Gewalt ausgetragen wurden. Es war einer der stärksten Antriebe Schlüters als katholischer Christ und Theologe, nach Kräften an diesem Projekt auf seinem Fachgebiet der Religionspädagogik mitzuwirken. Er wählte dabei den Schwerpunkt Religionsunterricht, den neu zu denken er sich in zahlreichen Veröffentlichungen bemüht hat. Das bedeutete zunächst die Notwendigkeit, sich kritisch mit den damals vorherrschenden Konzepten des Religionsunterrichts und vor allem mit dem Prinzip der Konfessionalität auseinandersetzen zu müssen. Hellsichtig sah er die Zukunft des Religionsunterrichts im gemeinsamen ökumenischen Lernen, was für ihn auch bedeutet, dass es eine konfessionelle Übereinstimmung der zu vermittelnden Lehrinhalte, des Lehrpersonals sowie der Schülerschaft braucht. Bedenkt man die aktuellen Dynamiken in der Gestaltung dieses Fachs, setzte Richard Schlüter bereits im letzten Jahrzehnt des letzten Jahrtausends die Themen, die die gegenwärtige Diskussion um die Gestalt des Religionsunterrichts prägen. 

Wie sehr Schlüter mit seinen Überlegungen seiner Zeit voraus war, zeigte sich anlässlich seines Rufs 1985 auf die Siegener Professur für Religionspädagogik. Die dafür nötige kirchliche Lehrerlaubnis zu erhalten, verstand sich wegen seiner Kritik an der amtskirchlichen Abwehr eines ökumenischen Religionsunterrichts keineswegs von selbst. Diese Abwehr geriet aus seiner Sicht in immer stärkeren Widerspruch zu den Ergebnissen des theologischen Dialogs zwischen den Kirchen, nicht zuletzt aber auch zu den Realitäten des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens. Mit ständigem Blick auf die Diskussionen in der evangelischen Religionspädagogik und im Rahmen des Weltrats der Kirchen in Genf über ökumenische Erziehung, Bildung und Ausbildung und besonders die Idee ökumenischen Lernens entwickelte Schlüter eine Konzeption der Religionspädagogik, die sich immer stärker an den Überlebenserfordernissen der Weltgesellschaft und dem möglichen Beitrag der Kirchen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung orientierte. Diese Neuausrichtung verändert unvermeidlich den Stellenwert der überkommenen theologischen Kontroversen, anhand derer sich die Konfessionsbildung im individuellen und gesellschaftlichen Bereich vollzog. Sie verlangte für Schlüter mehr als nur ökumenische Offenheit des konfessionellen Bewusstseins, sondern dessen Umformung, dank derer konfessionelle Uniformität konfessorischer Pluralität weicht. Ohne die Bereitschaft zu einem umfassenden, von Theologie und Spiritualität getragenen Identitätswandel, bleibe die christliche Ökumene beschränkt auf den Austausch von Freundlichkeiten und die ritualisierte Beschwörung von Gemeinschaftlichkeit statt gelebter Gemeinschaft. Schlüters Arbeit in Forschung und Lehre galt dem ökumenischen Ernstfall, der sich inmitten einer konfliktreichen, zerrissenen und bedrohten Welt ereignet. 

Wir verlieren mit Richard Schlüter einen Religionspädagogen, der sich in einer Zeit, in der ökumenische Theologie kirchenpolitisch noch mit einem großen persönlichen Risiko verbunden war, mutig und konsequent für seine Einsichten eingetreten ist. Dass er dennoch die kirchliche Lehrerlaubnis erhielt, spricht für das Maß und die Klugheit, mit der Schlüter seine Ideen vertrat. Wir werden ihn als weitsichtigen Theologen und stets loyalen Kollegen in Erinnerung behalten.

Heinz-Günter Stobbe & Ulrich Riegel

Christliches Kreuz vor blauem Himmel

Weiterführende Links

Seminar für Katholische Theologie