Sicherheit beginnt, bevor etwas passiert
Drohungen, körperliche Übergriffe oder andere kritische Situationen gehören zu den Herausforderungen, mit denen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes konfrontiert werden können. Und zwar dort, wo Menschen arbeiten, lernen oder Hilfe suchen: in Rathäusern, Schulen, Hochschulen, Krankenhäusern oder einfach am helllichten Tag in der Fußgängerzone. Bei der Fachtagung #sicherimDienst#sicherinSiegenwurde deshalb nicht nur über Sicherheitskonzepte gesprochen, sondern auch darüber, was solche Erlebnisse mit den Betroffenen machen und wie Einrichtungen damit umgehen können. Über 40 Teilnehmende trafen sich am Campus Unteres Schloss, um sich darüber auszutauschen.
Die Universität Siegen ist dem NRW-weiten Netzwerk „#sicher im Dienst“ vor kurzem beigetreten. Die Kampagne des Landes Nordrhein-Westfalen ist Teil der Initiative „Mehr Schutz und Sicherheit von Beschäftigten im öffentlichen Dienst“. Mehr als 850 Organisationen gehören dem Netzwerk inzwischen an. Sie sprechen über Erfahrungen und entwickeln Präventionsmaßnahmen weiter.
Eröffnet wurde die Fachtagung mit einem Grußwort von Iris Litty, der Kanzlerin der Universität Siegen. Gemeinsam mit dem Organisationsteam der Stabsstelle Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und Campussicherheit der Universität Siegen, freute sie sich über die positive Resonanz auf die Veranstaltung.
Wie unterschiedlich die Anforderungen sein können, zeigte das Programm der Fachtagung. Es ging unter anderem um die Arbeit des Sozialpsychiatrischen Dienstes in Krisensituationen, um Notfall- und Krisenmanagement, deeskalierende Gesprächsführung und die Frage, welche Strukturen ein wirksames Gewaltschutzkonzept braucht.
„Gewaltvorfälle passieren in allen Dienstbereichen: in Ämtern, Schulen, Universitäten, in Kliniken. Wir müssen Sicherheitskonzepte und Verfahrensabläufe anpassen und deshalb ist die Vernetzung so wichtig“, sagte Anne Herr vom Präventionsnetzwerk „#sicherimDienst“.
Auch neue Formen von Gewalt waren Thema. Digitale Gewalt ist in verschiedenen Einrichtungen bereits ein Problem, während andere damit noch wenig Erfahrungen haben. „Aber es wird einige von Ihnen künftig sicherlich beschäftigen“, sagte Anne Herr. Gerade hier könne die Vernetzung helfen, sich auf Situationen vorzubereiten, die künftig stärker in den Arbeitsalltag hineinreichen könnten, so Anne Herr.
Für Maximilian Faßbender, Teamleiter in der Abteilung Campussicherheit der Universität Siegen, ist es wichtig, dass Betroffene wissen, wohin sie sich wenden können. „Wir sehen uns als Servicestelle und wollen Stress und Ängste reduzieren.“ Das Thema Sicherheit und Gewaltschutz müsse deshalb sichtbarer und offener behandelt werden. „Wir möchten, dass keiner Angst hat, sich zu melden, wenn er oder sie sich in einer Situation unsicher oder bedroht fühlt.“ Beim Thema Sicherheit gehe es eben nicht nur um technische Ausstattung, bauliche Voraussetzungen oder Hausordnungen. Die Menschen, die an die Universität kommen, und ihre jeweiligen Lebenssituationen müssten gesehen werden.
In den Workshops zu Notfall- und Krisenmanagement, Gewaltschutz und deeskalierender Gesprächsführung arbeiteten die Teilnehmenden selbst an konkreten Fragestellungen. Boglarka Beyer-Rickes, Ansprechpartnerin für Gewaltschutz an der Universität Siegen und gemeinsam mit Maximilian Faßbender Organisatorin der Tagung, wertete das als großen Gewinn: „Die erste Regionale Fachtagung war rundum ein Erfolg. Der Workshop-Charakter hat den Teilnehmenden die direkte Möglichkeit gegeben, die eigenen Bedarfe zu reflektieren und wertvolle neue Impulse zu integrieren.“ Aus den Gesprächen seien bereits Anfragen für weitere Fortbildungen und Kooperationen entstanden.
Wie viel Bedarf an Austausch besteht, zeigte sich schließlich an der „Such-und-Find“-Börse. Auf der Pinnwand wurden Kontakte und Angebote vermittelt, etwa zur polizeilichen Beratung, zum Opferschutz, zur Prävention, zum Umgang mit psychischen Erkrankungen oder zur Konfliktlösung. Auch das Thema Gewalt gegen Lehrkräfte wurde aufgegriffen.
Für die Universität Siegen ist die Fachtagung Auftakt für eine stärkere Vernetzung in der Region. Denn über konkrete Maßnahmen hinaus ging es um eine gemeinsame Haltung: Unsichere oder bedrohliche Situationen müssen ernst genommen werden und Beschäftigte sollen wissen, dass sie damit nicht alleingelassen werden.