Tag der offenen Uni: MrWissen2go war zu Gast im Schadeberg-Hörsaal
Mirko Drotschmann zu Gast im Schadeberg-Hörsaal der Universität Siegen.
Tag der offenen Uni in Siegen: Das Haus der Wissenschaft hatte im Format „Samstags um 12“ MrWissen2go – Mirko Drotschmann zu Gast. Im nahezu vollen Schadeberg-Hörsaal stand das Thema „Wehrdienst oder Wehrpflicht? Wie Deutschland sich künftig besser verteidigen will“ auf dem Programm. Drotschmann – gerade 40 Jahre alt geworden – berichtete von seiner Musterung in einem Kreiswehrersatzamt im Jahr 2005. Er leistete schließlich neun Monate lang Zivildienst in einem Seniorenheim in Baden-Baden: „Für mich war das die richtige Entscheidung. Ich habe meine erste Berufserfahrung gesammelt, wenn auch nicht auf freiwilliger Basis.“
2011 fiel in Deutschland die Entscheidung, die Wehrpflicht auszusetzen. Immer weniger junge Männer wurden zum Wehrdienst herangezogen, die Gerechtigkeit geriet in Schieflage. Die Bundeswehr wurde zur Freiwilligenarmee. In Anbetracht neuer Machtkonstellationen in Europa und auf der Welt - vor allem mit Blick auf den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und aktuell einen möglichen (Teil-)Rückzug der USA aus der NATO – gehen neue Planungen dahin, die Bundeswehr personell und durch Ausstattung zu stärken. Personalziel bis 2035 sollen 260.000 Soldaten und 150.000 Reservisten sein. Um dieses Ziel zu erreichen, so Drotschmann, gebe es nun eine „Wehrpflicht light“. Grundsätzlich ist die Wehrpflicht nicht reaktiviert. Aber: Alle 18-jährigen Männer und Frauen werden seit Jahresbeginn angeschrieben und erhalten einen Fragebogen. Die Männer müssen diesen ausgefüllt zurücksenden, die Frauen können es. Ab dem 1. Juli gibt es wieder Musterungen.
Grundlage ist der Artikel 12a des Grundgesetzes: „Männer können vom vollendeten achtzehnten Lebensjahr an zum Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband verpflichtet werden.“ Auch die Verweigerung des Kriegsdienstes mit der Waffe wird nachfolgend geregelt. Seit 2001 dürfen auch Frauen in kämpfenden Einheiten Dienst tun.
Über einen Spannungs- und Verteidigungsfall, so Drotschmann, entscheidet ein mit 48 Personen besetzter Ausschuss bestehend aus Mitgliedern des Bundestags (zwei Drittel) und des Bundesrats (ein Drittel). Die Feststellung des Spannungs- und Verteidigungsfalls hat mit weitreichenden Notstandsbefugnissen tiefgreifende Konsequenzen. Dem Vortrag schloss sich eine intensive Diskussion an.
Am Stand des Campus Lebenslanges Lernen, zu dem auch das Haus der Wissenschaft gehört, gab es das traditionelle Quiz zum Tag der offenen Uni – diesmal zum Kinderuni-Thema „Die Himmelsscheibe von Nebra“. Diese besteht aus Bronze (Kupfer und Zinn), wiegt 2,2 kg und war ursprünglich schwarz. Sie dienten den Menschen vor über 3500 Jahren nicht zuletzt zur Berechnung von Aussaat und Ernte. Waren die Plejarden gemeinsam mit dem Sichelmond am Himmel zu sehen, hielt das Frühjahr Einzug. Heute ist die Himmelsscheibe, die am 4. Juli 1999 von zwei Raubgräbern auf dem Mittelberg bei Nebra (Sachsen-Anhalt) illegal entdeckt worden war, im Museum für Vorgeschichte in Halle/Saale zu sehen. Museumsmitarbeiterinnen waren im Februar diesen Jahres zu Gast bei der Kinderuni Siegen. Zwei Quiz-Teilnehmerinnen haben sechs von sieben Fragen richtig beantwortet und erhalten je einen Buchgutschein.