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In den Gründungsjahren der Universität Siegen gehörte die Verwendung Polychlorierter Biphenyle, kurz PCB, zum bautechnischen Standard. Zu Beginn der 2000er Jahre wurden erste Informationen über die Verwendung dieser Baustoffe an der Universität bekannt, es weisen daher einzelne Gebäudeteile erhöhte PCB-Werte auf. In Bezug auf PCB sind bei langzeitiger Aufnahme hoher Konzentrationen gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht auszuschließen.

Die Verantwortung für die Beseitigung liegt beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW als Eigentümer der Gebäude und der Universität Siegen als Arbeitgeberin.

Zwar besteht aufgrund der Messwerte keine akute Gesundheitsgefahr – dennoch nimmt die Universität die Sorgen ernst und handelt gemeinsam mit dem BLB, um Studierende und MitarbeiterInnen bestmöglich zu schützen und zu informieren. Dazu zählen kontinuierliche Messungen und Transparenz, Maßnahmen zur Senkung der PCB-Werte sowie individuelle Beratung und Angebote.

Auf diesem Portal finden Sie umfangreiche Informationen zu PCB, der Situation an der Universität Siegen und Präventionsmaßnahmen, um in betroffenen Räumen die Belastung zu senken.

Informationen zu PCB

PCB steht als Abkürzung für "Polychlorierte Biphenyle", eine große Gruppe (die 209 unterschiedlichen Substanzen werden als "Kongenere" bezeichnet) schwer abbaubarer, mehrfach chlorierter aromatischer Verbindungen. Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften wie hoher Hitze- und Chemikalienbeständigkeit, niedrigen Dampfdrucks, schwerer Entflammbarkeit und geringer elektrischer Leitfähigkeit fanden sie in der Vergangenheit in sehr großer Menge vielfältige technische Anwendungen.

Der größte Teil der PCB wurde in Isolier- und Hydraulikflüssigkeiten in sogenannten geschlossenen Systemen eingesetzt. Sie fanden aber auch Anwendung in Isolier-und Dichtungsmassen, Beimengungen in Farben und Lacken zur Verbesserung der Streichfähigkeit sowie als Imprägnier- und Flammschutzmittel (offene Systeme).

Der Einsatz von PCB in offenen Systemen ist seit 1978 in Deutschland verboten, seit 1989 besteht in Deutschland ein generelles Herstellungs- und Verwendungsverbot. Jedoch haben sich diese Substanzen durch jahrelange Verwendung und aufgrund ihrer Langlebigkeit in der Umwelt angereichert und werden vom Menschen ständig aufgenommen. Der Hauptteil der PCB-Aufnahme erfolgt mit 60-90% über die Nahrung, vor allem über tierische Fette.

Zum geringen Teil werden PCB auch über die Luft aufgenommen. Die Belastung der Außenluft liegt in Ballungsgebieten bei etwa 100 ng/m3. Die Innenraumluftbelastung kann jedoch höher sein, wenn PCB-Quellen vorhanden sind. Diese können in Fugenmaterialien und Dichtungsmassen, Flammschutzmitteln oder Weichmachern in Kunststoffen vorliegen, die in Gebäuden bis 1978 verbaut wurden. Typische PCB-haltige Baumaterialien sind:

  • Gebäudetrennfugen
  • Bewegungsfugen zwischen Betonfertigteilelementen
  • Glasanschlussfugen an Fenstern
  • Anschlussfugen (Fenster, Türzargen)
  • Anstrich und Klebstoffe
  • Deckenplatten (mit Weichmachern oder Flammschutzmitteln)
  • Kabelummantelungen.

Hinsichtlich der Dringlichkeit von Maßnahmen für dauerhaft genutzte Räume wurden Empfehlungen ausgesprochen, die in der PCB-Richtlinie NRW aufgeführt sind:

  • Werte unterhalb des sogenannten Vorsorgewertes von 300 ng/m3 in der Raumluft sind als langfristig tolerabel anzusehen.
  • In einem Konzentrationsbereich zwischen 300 und 3.000 ng/m3 muss die PCB-Quelle aufgespürt und unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit mittelfristig beseitigt werden. Zwischenzeitlich ist durch regelmäßiges Lüften und gründliches Reinigen die PCB-Konzentration zu reduzieren mit einem Zielwert < 300 ng/m3.
  • Bei Überschreiten des Interventionswertes von 3.000 ng/m3 muss von akuten Gesundheitsgefahren ausgegangen werden, die Sofortmaßnahmen erforderlich machen, mit einem Zielwert < 300 ng/m3.
  • Zusätzlich gibt es seit 2007 einen Grenzwert für die dioxinähnlichen PCBs. Überschreiten die Gehalte den Wert von 10 ng PCB 118 / m³ Luft (PCB 118 ist ein Indikator-PCB für die dioxinähnlichen PCBs), sind gemäß der Ad-Hoc-Arbeitsgruppe Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes und der Obersten Landesgesundheitsbehörden expositionsmindernde Maßnahmen gefordert.

Die aufgeführten Konzentrationsbereiche basieren auf der Bewertung der PCB-Aufnahme des Körpers während einer Aufenthaltsdauer von 24 Stunden in den betreffenden Räumen. Bei einer Regelarbeitszeit von acht Stunden ergibt sich demzufolge ein akzeptabler Belastungswert von 900 ng/m³. In Seminarräumen liegt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der Regel noch deutlich darunter.

Bei der Bewertung der Ergebnisse von Raumluftmessungen ist zu beachten, dass die PCB-Konzentrationen in hohem Maße temperaturabhängig sind. In den Sommermonaten sind wesentlich höhere Belastungen zu verzeichnen.

Zur Einschätzung der Gefährdung eines Mitarbeiters in einem belasteten Raum sind darüber hinaus auch persönliche Faktoren wie z.B. Körpergewicht, Stoffwechsel und Aufenthaltszeit ausschlaggebend.

Über die individuelle Belastungssituation können Biomonitoring-Untersuchungen Aufschluss geben.


 

Auswirkungen der langfristigen inhalativen Aufnahme von PCB auf die Gesundheit sind wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Aus Unfällen mit hochdosiertem PCB und Tierversuchen werden mögliche dosisabhängige Effekte auf Nervensystem, Immunsystem, Hormonhaushalt, Haut, Leber, Stoffwechsel und Krebsentwicklung vermutet.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen gelten für Schwangere, Menschen mit chronischen Erkrankungen und Immunsupprimierte. Wer zu diesem Personenkreis zählt und sich regelmäßig und längerfristig in den betroffenen Gebäudeteilen aufhält, wird gebeten, sich an die Abteilung 1.1. - Arbeits- und Gesundheitsschutz wenden. Ansprechpartnerin ist Andrea Mahle, E-Mail: andrea.mahle@zv.uni-siegen.de, Durchwahl: -4711. Auch Beschäftigte, die über lange Jahre in hochbelasteten Räumen tätig waren, können sich hier beraten lassen.

Situation an der Universität Siegen

Ein Großteil der Gebäude auf dem Adolf-Reichwein-Campus wurden in den 70er Jahren errichtet. In dieser Zeit wurde bei der Erstellung in der Regel mit PCB-haltigen Baustoffen gearbeitet, folgerichtig enthalten diese Gebäude zum Teil auch heute noch PCB.

Gemeinsam mit dem BLB hat die Universität Siegen Maßnahmen getroffen, um Studierende und MitarbeiterInnen bestmöglich zu schützen. Dazu zählt, belastete Bereiche teilweise aus der Nutzung zu nehmen. Weiterhin sind Sanierungsmaßnahmen durchgeführt worden, bei denen PCB-Quellen entfernt worden sind. Das Gefährdungspotenzial konnte so minimiert werden.

Auf dem Adolf-Reichwein-Campus weisen noch einzelne Räume PCB-Werte größer als 300 ng/m³ (sogenannter Vorsorgewert, bezogen auf eine Aufenthaltsdauer von 24 Stunden) auf. Betroffen sind darüber hinaus einzelne Räume im Gebäudeteil D auf dem Emmy-Noether-Campus.

Die PCB-Konzentration in der Raumluft ist sehr stark abhängig von den jeweiligen Außen- und Raumtemperaturen. Je höher die Temperatur, desto höher sind in der Regel die Messwerte. Daraus ergibt sich auch, dass die Ausrichtung der Räume zur Sonne einen entscheidenden Einfluss haben kann.

Technisch belüftete Räume (z.B. Hörsäle) weisen darüber hinaus wesentlich geringere Belastungen auf, da durch den ständigen Luftaustausch eine zum Teil erhebliche Reduzierung der PCB-Konzentration erfolgen kann. Räume, die längere Zeit nicht genutzt wurden, zeigen in der Regel eine höhere Luftbelastung.

Weiterhin wird die Raumbelastung wesentlich durch die Menge und Konzentration der eingebrachten, PCB-belasteten Materialien (Primärquellen) beeinflusst – und dadurch, wie viel der Belastung auf das Inventar (z.B. alte Vorhänge, Schränke, etc…) übergegangen ist (Sekundärbelastung).

Insgesamt ist festzuhalten, dass Lüften und Reinigungen starken Einfluss auf die PCB-Raumkonzentration haben (siehe auch Prävention).

Um einen Überblick über Art und Umfang der Belastung in den Arbeitsräumen zu erhalten, wurden seit 2004 orientierende Raumluftmessungen durch den Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) beauftragt und durchgeführt.

Entsprechend der PCB-Richtlinie werden in allen betroffenen Bereichen regelmäßige, über das Jahr stattfindende Kontroll- und Freimessungen durchgeführt.

Die Universität Siegen informiert transparent über die gemessenen Schadstoffwerte und veröffentlicht diese auf dem PCB-Informationsportal.

Sie finden die Ergebnisse der Raumlaufmessungen für die vier Standorte Campus Adolf-Reichwein-Straße, Campus Hölderlinstraße, Campus Paul-Bonatz-Straße sowie Emmy-Noether-Campus hier.

PCB-Sanierungen wurden und werden auf der Grundlage der seit 2004 stetig vorgenommenen Untersuchungen durchgeführt.

In den vergangenen Jahren gab es im Bereich der Universität einige PCB-Sanierungen: Unter anderem wurden auf dem Paul-Bonatz-Campus die Übergangsbereiche zwischen den Gebäudeteilen PB-C und PB-A erfolgreich saniert.

Sanierungskonzepte werden immer individuell und auf Grundlage der erfassten Raumluftmessungen und Feststoffproben aufgestellt.

Zusätzlich zu technischen und baulichen Lösungen zur Reduzierung der Raumluftbelastung besteht die Möglichkeit präventiver kurzfristiger Maßnahmen. Hier hat sich neben dem regelmäßigen Lüften der Räume insbesondere die Reinigung (siehe auch unter Prävention) als wirksam erwiesen, denn eine regelmäßige Reinigung verhindert, dass sich Stäube längerfristig anlagern.

Die PCB-belasteten Bereiche werden durch die Universität regelmäßig gereinigt. Zusätzliche Sonderreinigungen werden in den vorlesungsfreien Zeiten durchgeführt.

Den Nutzern wird außerdem geraten, regelmäßig zu lüften. Der Erfolg dieser Maßnahmen wird in regelmäßigen Kontrollmessungen überprüft.

Am 02.10.2018 um 10:00 Uhr fand im Alfred-Schaber-Hörsaal (PB-I 001) an der Universität Siegen eine PCB-Informationsveranstaltung statt. Aus rechtlichen Gründen ist der Mitschnitt der Veranstaltung nur im Intranet der Universiät verfügbar. Hier finden Sie die Videoaufzeichnung.

Studierende und MitarbeiterInnen, die Fragen zum Thema PCB haben, können sich jederzeit an die Abteilung Arbeits- und Gesundheitsschutz wenden (Ansprechpartnerin ist Andrea Mahle, E-Mail: andrea.mahle@zv.uni-siegen.de , Durchwahl-4711)

MitarbeiterInnen und Studierende, die sich arbeitstäglich und über längere Zeiträume in Räumen aufhalten, in denen erhöhte PCB-Werte vorliegen, können außerdem ihre individuelle Belastungssituation durch ein PCB-Biomonitoring bestimmen lassen (siehe Bereich Prävention).

Prävention

Es hat sich herausgestellt, dass die wirksamste kurzfristige Maßnahme ein regelmäßiges und ausgiebiges Lüften der belasteten Räume ist. So kann die PCB-Belastung erheblich reduziert werden. Dies spiegelt sich auch in den geringen Belastungen technisch belüfteter Räume wieder.

Als besonders wirkungsvoll hat sich regelmäßiges Stoß- und Querlüften herausgestellt.

Die technische Regel für Arbeitsstätten 3.6 - Lüftung gibt folgende Empfehlung zur Stoßlüftung:

  • Unter Stoßlüftung wird der kurzzeitige (ca. 3 bis 10-minütige), intensive Luftaustausch zur Beseitigung von Lasten aus Arbeitsräumen verstanden.
  • Eine Stoßlüftung ist in regelmäßigen Abständen nach Bedarf durchzuführen. Als Anhaltswerte werden empfohlen:
    • Büroraum nach 60 min
    • Besprechungsraum nach 20 min
  • Die Mindestdauer der Stoßlüftung ist von der Temperaturdifferenz zwischen innen und außen und dem Wind abhängig. Es kann von folgenden Orientierungswerten ausgegangen werden:
    • Sommer: bis zu 10 min (unter Berücksichtigung der Außentemperatur)
    • Frühling/Herbst: 5 min
    • Winter: 3 min
  • Wenn möglich, sollte zu Beginn der Raumnutzung die Lüftungszeit ca. 15 min betragen.

Aufgrund der Oberflächenstruktur verbindet sich PCB leicht mit Stäuben. Durch eine regelmäßige, gründliche Reinigung wird die längerfristige Ablagerung verringert. Die Reinigungskräfte der Universität sind entsprechend angewiesen, der Reinigungszyklus wurde angepasst.

Vor Umzügen aus PCB-kontaminierten Räumen werden bei Bedarf Akten, Bücher und Inventar durch ein Reinigungsunternehmen von Altstäuben befreit.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen gelten für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch sowie für Menschen mit chronischen Erkrankungen und Immunsupprimierte. Menschen, die zu diesem Personenkreis gehören und sich regelmäßig und längerfristig in den betroffenen Gebäudeteilen aufhalten, sollten eine Beratung durch die Abteilung Arbeits- und Gesundheitsschutz in Anspruch nehmen. Gemeinsam kann dann eine individuelle Lösung entwickelt werden.

Eine fruchtschädigende Wirkung beim Menschen ist bislang nicht sicher nachgewiesen. Aufgrund der Ergebnisse aus Tierexperimenten muss jedoch angenommen werden, dass negative Auswirkungen auf das ungeborene Kind bestehen können. Auch eine Belastung von Säuglingen über die Muttermilch ist nicht auszuschließen, wenn der Vorsorgewert von 300 ng PCB pro m³ Raumluft überschritten wird.

Das Mutterschutzgesetz verbietet, Schwangere und Stillende mit Arbeiten zu beschäftigen, bei denen sie schädlichen Auswirkungen durch gesundheitsgefährdende Stoffe ausgesetzt sind. Von schädlichen Auswirkungen durch PCB ist auszugehen, wenn der Vorsorgewert von 300 ng PCB pro m³ Raumluft überschritten wird - bezogen auf eine Aufenthaltsdauer von 24 Stunden.

Die Universität Siegen nimmt den Schutz ihrer Mitarbeiterinnen und Studentinnen noch ernster: Sofern sie in belasteten Gebäudeteilen arbeiten und lernen, werden sie gebeten, sich mit der Abteilung Arbeitssicherheit in Verbindung zu setzen. Sobald Kenntnis über eine Schwangerschaft vorliegt, können dann im Einzelfall die notwendigen Maßnahmen abgestimmt werden.


 

Für eine Bewertung der Gefährdung durch Aufenthalte in PCB-belasteten Räumen sind viele unterschiedliche Kriterien zu berücksichtigen. Neben der Höhe der Raumluft-Belastung und der Aufenthaltsdauer in den Räumlichkeiten spielen persönliche Faktoren wie Alter, Gewicht, Art der Tätigkeit aber auch physiologische Eigenschaften eine Rolle.

Die individuelle Belastungssituation betroffener MitarbeiterInnen in den genannten Gebäudeteilen kann durch ein PCB-Biomonitoring bestimmt werden.

Beim Human-Biomonitoring werden menschliche Körperflüssigkeiten und –gewebe untersucht, um ihre Belastung mit Schadstoffen, in diesem Fall PCB, zu bestimmen. Es wird die Konzentration der Kongenere PCB 28, 52, 101, 138, 153 und 180 im Blutplasma gemessen.

Da die Konzentration der Kongenere im Blutplasma, besonders des PCB 28, 52 und 101, sehr gering ist und sich im Bereich von ng/l (1 Milliarde Nanogramm sind 1 Gramm) bewegt, können nur wenige Labore eine zuverlässige Untersuchung durchführen. Es ist wichtig, dass Blutabnahme und Probenverarbeitung standardisiert erfolgen.

Die Universität Siegen hat das Institut für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin der RWTH Aachen beauftragt, die Untersuchungen durchzuführen.

Betroffene können sich bei Andrea Mahle (E-Mail: andrea.mahle@zv.uni-siegen.de) melden.

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