Ausgangslage und Projektziel
Die „Richtlinien für die Anlage von Landstraßen (RAL)“ (FGSV 2012) unterscheiden hinsichtlich der Entwurfsstandards zwischen vier Entwurfsklassen (EKL). Landstraßen der EKL 2 haben eine regionale Verbindungsfunktion und bündeln einen erheblichen Teil des überregionalen Verkehrs außerhalb des Autobahnnetzes. Eine besondere Rolle spielen dabei die Knotenpunkte. Hier treffen Verkehrsströme aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander, hier entstehen Konflikte, Wartezeiten und ein erheblicher Teil des Unfallgeschehens. Vierarmige Knotenpunkte sind dabei besonders anspruchsvoll, da sich an ihnen deutlich mehr Verkehrsströme kreuzen als an Einmündungen. Für die Planungspraxis stellt sich daher die Frage, unter welchen Randbedingungen welche Knotenpunktform und welche Betriebsform geeignet ist.
Ziel des Projektes ist es, Einsatzbereiche für vierarmige Knotenpunkte an Straßen der EKL 2 zu ermitteln. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Knotenpunktformen unter welchen Verkehrsbelastungen und Randbedingungen sowohl einen sicheren als auch einen leistungsfähigen Verkehrsablauf gewährleisten.
Vorgehen
Im Rahmen des Projekts werden die beiden zentralen Bewertungsdimensionen Verkehrssicherheit und Verkehrsablauf gemeinsam betrachtet.
- Verkehrssicherheit an vierarmigen Knotenpunkten unterschiedlicher Ausprägung
- Verkehrsablauf und Qualität des Verkehrs an den Knotenpunkten
- Fahrtzeiten und Verlustzeiten an Knotenpunkte
- Einfluss von Knotenpunktform, Verkehrsbelastung und Steuerung auf den Verkehrsablauf
Der Schwerpunkt des Lehrstuhls für Verkehrsplanung und Mobilität liegt auf der Analyse des Verkehrsablaufs. Hierzu wurde eine umfangreiche Messkampagne an Knotenpunkten von Landstraßen in mehreren Bundesländern durchgeführt. Mithilfe einer automatisierten Kennzeichenerfassung vor und hinter den Knotenpunkten lassen sich Fahrtzeiten präzise bestimmen und auftretende Verlustzeiten berechnen. Die Verlustzeiten dienen als zentrale Kenngröße für die Bewertung der Knotenpunkte. Sie machen die Auswirkungen unterschiedlicher Knotenpunktformen und Steuerungen auf den Verkehrsablauf unmittelbar vergleichbar und bilden die Wirkung auf die Verkehrsteilnehmenden realitätsnah ab.
Die Ergebnisse zum Verkehrsablauf werden mit den Erkenntnissen zur Verkehrssicherheit zusammengeführt. So entsteht eine fundierte Grundlage, auf der sich Empfehlungen für den Einsatz vierarmiger Knotenpunkte an Straßen der EKL 2 ableiten lassen, die sowohl die Sicherheit als auch die Leistungsfähigkeit des Landstraßennetzes berücksichtigen.
Projektleitung:
- Dr. Matthias Zimmermann (Abteilung Straßenentwurf und -betrieb, Karlsruher Institut für Technologie, KIT)
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