Vergessenen Kollaborationen? Der italienische Faschismus und die Malariaforschung der IG Farben (Bayer)
Das Projekt beleuchtet die Forschung der IG Farben/ Bayer zu synthetischen Malariawirkstoffen aus einer bisher unerforschten und innovativen Perspektive neu und geht der Frage nach, ob und inwieweit diese Forschung von der Politik und Wissenschaftler:innen des faschistischen Italiens in den 1920er und 1930er Jahren für eigene Zwecke instrumentalisiert wurde. Damit wird die Malariaforschung der IG Farben/ Bayer in den Kontext von zwei faschistischen Regimen eingeordnet und eine Neubewertung der Frage vorgenommen, welche Bedeutung der tropenmedizinischen Forschung für die Verbrechen deutscher und italienischer Wissenschaftler:innen bei der Malariabekämpfung zufällt, die in immer menschenverachtenderen Versuchen in italienischen Kolonien, Heilanstalten oder Konzentrationslagern wie Dachau gipfelten. Eine solche Fokusverschiebung adressiert ‚blinde Flecken‘ in der Erinnerungskultur: hinterfragt werden erinnerungskulturelle Paradigmen, tradierte Täter- und Opferrollen sowie die Verantwortung für faschistische Verbrechen, die bisher zumeist nur national verortet wurde. Das Projekt lässt sich von der These leiten, dass die Malariaforschung ein besonders gutes Beispiel ist, um Fragen von wirtschaftlicher, ethischer und politischer Verantwortung wissenschaftlichen Handelns immer wieder neu zu diskutieren. Um die komplexen Zusammenhänge aufzuarbeiten und in ihrer erinnerungskulturellen Dimension zu beforschen, kombiniert das Projekt eine historisch-hermeneutische Archivarbeit mit einer partizipativen und diskursiven sozialanthropologische Methodik, die die erinnerungskulturelle Dimension im Hinblick auf individuelle, kollektive und intergenerationale Dynamiken zugänglich macht.
Alles auf einen Blick