Gemeinsame Tagung des Arbeitskreises Historische Kriminalitätsforschung, der GiwK und des CiCS
Ziel der Tagung ist es, einen interdisziplinären Austausch zu ermöglichen, um Fragen der Selektivität institutionellen Strafens sowohl aus historischer Perspektive als auch mit Blick auf gegenwärtige Entwicklungen zu diskutieren. Mit Selektivität gemeint ist die systematische Tendenz, dass Angehörige bestimmter sozialer Gruppen für vergleichbare Verhaltensweisen unterschiedlich behandelt wurden und werden. Betroffen hiervon konnten und können verschiedene Personen sein, etwa entlang von Kategorien wie Geschlecht, sozialer Status, religiöse Bindungen, regionale Herkunft bzw. zugeschriebene Fremdheit oder Alter, einschließlich der intersektionalen Verschränkung dieser Kategorien. Ungleichbehandlung bezieht sich dabei nicht nur auf das Strafmaß, sondern beginnt bereits bei der Wahrnehmung, Bewertung und Anzeige von Verhalten. Sie ist eingebettet in komplexe rechtliche und soziale Zuschreibungen (etwa im Hinblick auf Vorsatz, Schuldfähigkeit oder soziale Gefährlichkeit), die selbst wiederum selektiv wirken können.
Alles auf einen Blick
Programm | Infos | Anmeldung
| Donnerstag, 5. November 2026 | ||
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| 14.00-14.30 | Ankommen & Kaffee | Arrival & Coffee | |
| 14.30-14.45 | Einführung | Introduction | |
| 14.45-15.45 |
Eröffnungsvortrag | Opening Lecture Manon van der Heijden (Leiden/NL): Migrants and Discrimination in Criminal Cases in Early Modern Holland |
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| 15.45-16.15 | Kaffeepause | Coffee Break | |
| 16.15-17.35 | Petr Kreuz (Prag/CZ): Selektive Bestrafung in der Praxis der Prager Kriminalgerichte in den Jahren 1680–1740 | Blanka Szeghyová & Richard Papáč (Bratislava/SK): Biased Scales: Selective Urban Justice in Early Modern Hungary |
| Sonja Dolinsek (Magdeburg): Ungleiches Polizieren der Sexarbeit in New York City (1960er–1980er Jahre) | András Biczó (Debrecen/HU): Contra Vagabundos: The Selective Criminalisation of Vagrancy under the Statutes of Hungarian Noble Counties and Free Royal Cities (1650–1720) | |
| Freitag, 6. November 2026 | ||
|---|---|---|
| 08.30-09.00 | Ankommen & Kaffee | Arrival & Coffee | |
| 09.00-10.20 | Belinda Rodríguez Arrocha (Puebla/MX): Public sins and social control in Early Modern Canary Islands | Lars Urbanski (Mannheim): Hierarchisierungen nationaler Zugehörigkeit in der Strafkolonie am Beispiel von Französisch-Guyana |
| Andrea Féher (Cluj/RO): Normative Thresholds of Public Intervention in Domestic Violence and Child Maltreatment in 18th-Century Transylvania | Hjördis Bohse (Osnabrück): Fremde Heimat. Zur Bedeutung von sozialem Stand, Geschlecht und Ortsansässigkeit für die Bestrafung gebrochener Eheversprechen in Ostfriesland (1643–1744) | |
| 10.20-10.50 | Kaffeepause | Coffee Break | |
| 10.50-11.30 | Kira Keßler (Siegen): Selektive Sichtbarkeiten in der Verfolgung von Jugenddelinquenz in Preußen | Anna Clara Basilicò (Trento/IT): Between Magic and Murder: Inquisitorial Justice and Selective Prosecution in Late 17th-Century Italy |
| 11.30-12.15 | Karl Härter (Frankfurt a.M.): Etikettierung und Selektivität in der frühneuzeitlichen Strafjustiz: das Beispiel der "Zigeuner" | |
| 12.15-13.50 | Mittagspause | Lunch Break | |
| 13.50-15.10 | Franziska Niedrist (Innsbruck/AT): Obrigkeitliche Kontrolle als außerordentliche Strafe? Diskurse und normative Lenkungsmechanismen am Beispiel der habsburgischen Strafgesetzgebung | Johan Edman (Stockholm/SE): Public opinion, just deserts, and the political debate on crime policy and class injustice in Sweden (1853–1887) |
| Luigi Giuseppe Barbieri Ferrarini (São Paulo/BR): The Influence of Eugenics on Brazilian Criminological Thought, 1917–1950 | Benjamin Stückelberger (Bern/CH): Primäre Selektivität durch die Vorsatzkonzeption des Bundesgerichts und der strafrechtlichen Literatur in der Schweiz bei Delikten gegen Leib und Leben | |
| 15.10-15.40 | Kaffeepause | Coffee Break | |
| 15.40-17.00 | Manuel Bolz (Göttingen): Die Versicherheitlichung und Juridifizierung von urbanen Vergnügungsorten. Das Beispiel Hamburg St. Pauli nach dem Zweiten Weltkrieg | Gaby Temme (Düsseldorf): Muster von Selektivität: Selektive Hilfe für Opfer und Täter:innen durch die Soziale Arbeit |
| Francis Krik (Potsdam): Overload: the crime boom and selective enforcement responses from Perestroika to independent Ukraine (1985–1991) | Sonja Bojak (Kassel): Konstruktionen und Verflechtungen von Unerziehbarkeit und Gefährlichkeit. Eine diskurstheoretische Analyse von Einweisungsbegründungen für die Unterbringung im "Jugendschutzlager Moringen" | |
| 17.15-18.15 |
Abendvortrag | Evening Lecture Paul Lawrence (Milton Keynes/UK): Selective Policing |
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| Samstag, 7. November 2026 | |
|---|---|
| 08.30-09.00 | Ankommen & Kaffee | Arrival & Coffee |
| 09.00-10.20 | Julia Derzsi (Sibiu/RO): Norm, Praxis und gemeinschaftliche Durchsetzungsstrategien in der siebenbürgisch-sächsischen Strafjustiz der Frühen Neuzeit |
| Michael Rocher (Berlin): Schulisches Strafen zwischen Selektivität und Formalität: Anspruch der Norm und Wirklichkeiten zwischen Ende des 17. bis Mitte des 19. Jahrhunderts | |
| 10.20-10.50 | Kaffeepause | Coffee Break |
| 10.50-12.10 | Benjamin Seebröker (Münster): Raum, Konflikt und soziale Interaktion. Potenziale kriminologischer Ansätze für die Erklärung von Gewaltkriminalität in England (ca. 1730–1830) |
| Roland Perényi & Róbert Kerepeszki (Debrecen/HU): Urbanization, Metropolitan Space and the "Standardized Gaze": Transformations in Police Surveillance in Budapest (1881–1941) | |
| 12.10-12.30 | Resümee | Wrap-Up |
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Tagungsort
Universität Siegen
Campus Unteres Schloss
Obergraben 25, 57072 Siegen
Informationen zu Lageplan und Anfahrt finden Sie hier.
Gebührenpflichtige Parkplätze befinden sich in unmittelbarer Nähe:
CONTIPARK Tiefgarage Unteres Schloss
Parkhaus Altstadt
Parkplatz am Hallenbad Löhrtor
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