Zielsetzung
Viele Bestandsgebäude verfügen über Verglasungen, die heutigen Anforderungen an den Einbruchschutz nicht mehr genügen. Da Fenster häufig einen bevorzugten Angriffspunkt bei Einbrüchen darstellen, besteht ein wachsender Bedarf an wirtschaftlichen Lösungen zur Erhöhung des Widerstands gegen manuellen Angriff. Der vollständige Austausch bestehender Verglasungen und Rahmensysteme ist jedoch oftmals mit hohen Kosten, erheblichem Montageaufwand und einem erhöhten Ressourcenverbrauch verbunden.
Vor diesem Hintergrund untersucht das Forschungsprojekt »Ertüchtigung bestehender Verglasungen zur Erhöhung der Angriffhemmung« eine innovative Methode zur nachträglichen Ertüchtigung bestehender Verglasungen. Raumseitig wird eine zusätzliche Polycarbonattafel ergänzt, um die Angriffhemmung bestehender Verglasungen zu erhöhen, ohne die vorhandene Verglasung oder das Rahmensystem austauschen zu müssen. Während des Projekts werden verschiedene Konstruktionsvarianten hinsichtlich der mechanischen Leistungsfähigkeit, bauphysikalischen Eigenschaften und praktischen Umsetzbarkeit untersucht. Dabei steht die Entwicklung einer dauerhaft funktionsfähigen Verbindung zwischen Glas und Polycarbonat im Fokus.
Ziel des Forschungsprojekts ist die Entwicklung eines technisch, wirtschaftlich und nachhaltig umsetzbaren Ertüchtigungssystems für den Gebäudebestand. Darüber hinaus soll eine belastbare Grundlage für die praktische Anwendung sowie für die Verwertung und Prüfung der entwickelten Systeme geschaffen werden.
Anwendungsbereich nachträglich ertüchtigter, angriffhemmender Verglasungen
- Nachrüstung von Bestandsgebäuden zur Erhöhung des Widerstands gegen manuellen Angriff (Angriffhemmung) bestehender Verglasungen ohne Austausch vorhandener Verglasungen oder Rahmensysteme
- Wohn- und Verwaltungsgebäude zur Verbesserung des Widerstands gegen manuellen Angriff (Angriffhemmung) bei bestehenden Fassadenelementen
- Öffentliche und gewerblich genutzte Gebäude mit Einsatz in Bereichen mit erhöhten Sicherheitsanforderungen
- Fassaden- und Fensterverglasungen zur Integration in bestehende Gebäudehüllen
- Schaffung sicherheitsrelevanter Verglasungen mit einem minimalen Eingriff in die bestehende Konstruktion
- Schlanke Alternative zu Verbundsicherheitsglas (VSG) und reduziertes Verletzungsrisiko durch Kombination von Glas und Polycarbonat
Methodik, Datengrundlage und Untersuchungsgegenstand
- Experimentelle Untersuchung des Widerstands gegen manuellen Angriff nach DIN EN 356
- Untersuchung der Ertüchtigung als Eignung aus Verbundsicherheitsglas (VSG) mit dem Verfahren zur Prüfung der Beständigkeit unter klimatischen Einwirkungen (Lagerung bei hoher Temperatur, in der Feuchte und unter Bestrahlung) nach DIN EN ISO 12543-4 und mechanische Festigkeit (Kugelfall, Pendelschlag) nach DIN EN 14449
- Untersuchung unterschiedlicher Konstruktionsvarianten zur nachträglichen Ertüchtigung bestehender Verglasungen
- Bewertung der Angriffhemmung, Gebrauchstauglichkeit sowie der bauphysikalischen Eigenschaften
- Vergleich verschiedener Verbindungskonzepte zwischen bestehender Verglasung und zusätzlicher Polycarbonattafel
- Bewertung der praktischen Umsetzbarkeit für die Anwendung im Gebäudebestand
Ergebnisse
- Technische Umsetzung der nachträglichen Ertüchtigung bestehender Zweischeiben-Isoliergläser durch Ergänzung einer Polycarbonattafel
- Erfolgreicher Nachweis der Widerstandsklasse P5A mit einem Widerstand gegen manuellen Angriff nach DIN EN 356 nachträglich angebrachter Polycarbonattafel
- Untersuchung und Bewertung auf die Gebrauchstauglichkeit von flächigen Verklebungen, linienförmigen Verklebungen und punktuellen Verklebungen
- Nachträgliche Ergänzung zu einem Mehrscheiben-Isolierglas mit zusätzlichem Scheibenzwischenraum zur Verbesserung der wärmeschutztechnischen Eigenschaften der Verglasung bei Berücksichtigung gleichbleibender lichttechnischen und strahlungsphysikalischen Eigenschaften
- Entwickeltes Verfahren bietet eine wirtschaftliche und ressourcenschonende Alternative zum vollständigen Austausch bestehender Verglasungen
Informationen
Projekttitel: Ertüchtigung bestehender Verglasungen zur Erhöhung der Angriffhemmung
Projektleitung: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Thorsten Weimar
Projektbearbeiter: M.Sc. Laura Vuylsteke
Projektpartner: SiLATEC Sicherheits- und Laminatglastechnik GmbH, Gelting
Projektförderer: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Berlin
Projektträger: AiF Projekt GmbH, Berlin
Projektform: ZIM-Kooperationsprojekt
Projektlaufzeit: 02/2018 bis 07/2020
SiLATEC Sicherheits- und Laminatglastechnik GmbH