Pop und Populärkultur
Germanistisches Seminar
Populäre Kultur, Pop, Popkultur, Pop-Musik, Pop Art, Popularität, Populäres – die Silbe Pop geht viele Verbindungen ein. Es gibt Pop-Geschichte, Pop-Romane, Pop TV und sogar RAF-Pop und Pop-Beauftrage in der Politik. In diesem Lehr- und Forschungsgebiet des Seminars geht es um die Frage, ob all diese vielen Phänomene und Felder etwas gemeinsam haben und worin die Unterschiede zwischen ihnen bestehen. Die Unterschiede drängen sich dann auf, sobald man sich fragt, ob denn ein Pop-Roman auch populär ist, ob nicht auch unzählige Phänomene, die wir niemals mit dem Etikett "Pop" belegen würden, dennoch auf den ersten Blick zur populären Kultur zu zählen wären, oder ob etwas, das durch Popularisierung Popularität gewinnt, bereits deshalb auch zur Popkultur zu zählen sei. Wer sich als Wissenschaftler:in auf dieses weite Feld einlässt, muss vor allem erst einmal zu unterscheiden suchen.
Forschungsprofil
1. Was ist das Populäre?
Populär ist, was Beachtung findet – und Beachtung lässt sich heute messen: Charts, Rankings und Klickzahlen zeigen an, was gerade populär ist, und erzeugen selbst wieder neue Beachtung. Dabei sagt "populär" nichts über Qualität oder Originalität aus. Nicht das beste Produkt wird am häufigsten gekauft, nicht die originellste Musik am häufigsten gehört, nicht die wichtigste Nachricht am häufigsten geteilt – sondern eben die populärsten. Interessanterweise kann sogar das scheinbar "Unpopuläre" populär sein: der unbeliebte Politiker, der nervige Ohrwurm, die umstrittene Maßnahme – all das findet Beachtung, gerade weil es polarisiert. Aus diesem Befund folgt, dass nicht jeder Comic, jedes Videogame, jeder Pop-Roman oder jeder Pop-Song auch populär sein muss – es kommt auf das Maß der Beachtung an.
2. Eine neue Leitunterscheidung
Unser Forschungsbereich, der unter anderem zur Gründung des SFB 1472 "Transformationen des Populären" geführt hat, an dem viele Mitarbeiter:innen des Germanistischen Seminars beteiligt sind, geht davon aus, dass in der globalisierten Gegenwartskultur eine neue Grundunterscheidung entstanden ist: populär vs. nicht-populär. Diese hat die alte Gegenüberstellung von "Hochkultur vs. Populärkultur" weitgehend abgelöst.
Das Populäre war historisch lange Zeit mit sozialer Hierarchie verknüpft – als Kultur der "unteren Schichten", als Gegenstand von Kulturkritik oder als Bedrohung durch "Vermassung". Diese Vorstellungen gehören der Vergangenheit an. Heute ist das Populäre keine Frage des Geschmacks oder der sozialen Herkunft mehr, sondern eine unhintergehbare Bedingung unserer Gegenwartskultur.
3. Zwei entscheidende Transformationen
Wie ist es dazu gekommen? Wir identifizieren zwei prägende historische Umbrüche:
I. Die globale Popkultur seit den 1950er Jahren – Popmusik, Kino, Design und Werbung wurden Teil des kulturellen Mainstreams. Warenästhetik und Kunst näherten sich an, klassische Kanonisierungen gerieten ins Wanken.
II. Die Popularisierung des Internets seit den 1990er Jahren – Seitdem entscheiden nicht mehr allein Verlage, Sender und Plattenfirmen darüber, was populär wird. Soziale Medien haben die Macht der klassischen „Gatekeeper" gebrochen und verteilen Beachtung neu – schneller, breiter und oft unvorhersehbar.
4. Was wir erforschen
Im Mittelpunkt stehen die ästhetischen Formen und Verfahren, die das Populäre hervorbringen und prägen: Wie funktionieren popkulturelle Texte, Bilder und Klänge – und was macht sie so wirksam? Eng damit verbunden ist die Frage, wie aus Nicht-Populärem Populäres wird: Themen, Figuren und Formen, die ursprünglich aus anderen Kontexten stammen, werden in populäre Kultur übersetzt und verwandelt. Schließlich interessiert uns, wie dieses Beachtungsgeschehen politisch wird: Populistische Bewegungen nutzen popkulturelle Mittel gezielt, um Beachtung zu erzeugen – vor allem indem sie Nicht-Beachtung moralisch aufladen und das Gefühl des Ignoriertwerdens oder Ausgegrenztseins in politische Energie verwandeln. Diese drei Dimensionen – Formen, Aneignungen, Affektpolitik – durchdringen sich wechselseitig und lassen sich letztlich nicht voneinander trennen.
5. Doppelte Transformation
Der Begriff "Transformationen des Populären" ist dabei bewusst doppeldeutig: Einerseits verändert die Entgrenzung des Populären unsere gesamte Gesellschaft. Andererseits verändert sich auch das, was wir überhaupt als "populär" verstehen – im Zuge des globalen Siegeszugs von Pop und digitaler Vernetzung.
Forschungsschwerpunkte
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[demnächst finden Sie hier eine Auflistung der Forschungsschwerpunkte]