Die Plejaden und der Sichelmond - das Frühjahr beginnt
Ausgebuchte Kinderuni Siegen - bei der ersten Veranstaltung stand die Himmelsscheibe von Nebra im Mittelpunkt.
Die Himmelskörper gaben Auskunft über die Jahreszeit
Kinderuni Siegen: Die Himmelsscheibe von Nebra stand im Mittelpunkt des Interesses
Ein Weltdokumentenerbe stand im Mittelpunkt der ersten Kinderuni-Veranstaltung der Frühjahrsstaffel zum Thema „Die Jahreszeiten“. Alina Ettrich und Katharina Gröpl vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/Saale hatten eine Replik der Himmelsscheibe von Nebra dabei und ganz viel Information rund um die mindestens 3600 Jahre alte Bronzescheibe mit der Abbildung von Sonne, Mond, Sternen, Horizontbögen und Schiff.
In der Bronzezeit gab es noch keine gedruckten Kalender und auch keine Uhren. Die Menschen betrachteten die Natur und den Sternenhimmel, um sich zu orientieren. Aus diesem Grund entstand die Himmelsscheibe von Nebra. Sie besteht aus Bronze, also zu neun Teilen aus Kupfer und zu einem Teil aus Zinn. Die Metalle wurden über Feuer erhitzt, auf einen Block gegossen und gehämmert. Rund zwei Tage muss es nach heutigen Erkenntnissen gedauert haben, bis die Scheibe die passende Form erhalten hatte. Etwa zehn Mal wurde diese wieder erhitzt und weiter mit einer Art Hammer bearbeitet. Dann wurden die Himmelselemente mit einem Meißel eingraviert, die Flächen mit Gold belegt, das in den Ritzen haften blieb. Zur Zeit der Entstehung war die Scheibe nahezu so schwarz wie der Nachthimmel. Da sie vermutlich nach einem Vulkanausbruch vergraben wurde, zerstörten Inhaltsstoffe des Waldbodens diese dunkle Patina, die heutige grünliche Malachitschicht entstand.
Die Himmelsscheibe von Nebra ist nicht ganz rund, hat einen Durchmesser von 31,4 cm und wiegt 2,2 Kilogramm. Das Gewicht durften Kinder selbst abschätzen, nachdem sie die Replik in der Hand hielten.
Auf der Scheibe sind die Plejarden - ein Sternenhaufen - abgebildet. Die Menschen der Bronzezeit wussten, zeigen die Plejarden sich gemeinsam mit dem Sichelmond, ist die Zeit der Aussaat gekommen (März). Zeigen sich die Plejarden zusammen mit dem Vollmond, ist der Herbst und damit die Zeit der Ernte angebrochen. Die Horizontbögen der Scheibe wurden später angebracht. Sie überlagern vormalige Sterne. Diese Bögen spiegeln den sich im Jahreslauf verändernden Sonnenauf- sowie den Sonnenuntergang wider. Die so genannte Sonnenbarke der Himmelsscheibe könnte auf einer Reiseerinnerung von Bronzezeit-Menschen basieren. Bekannt waren die mit Ruderern bestückten Barken aus Ägypten.
Im Nachhinein wurde die Himmelsscheibe an ihren Rändern gelocht. Die Löcher entstanden vermutlich, um die Himmelsscheibe zu Repräsentationszwecken an einer Standarte zu befestigen. So symbolisierte diese vorzeigbar die Macht der Eigentümer.
Irgendwann wurde die Himmelsscheibe senkrecht in der Erde am Mittelberg unweit von Nebra vergraben. Die genauen Gründe sind nicht bekannt. Vermutlich wurde zu dieser Zeit der Himmel durch einen Vulkanausbruch in Griechenland verdunkelt. Die Folge könnten Missernten und eine Hungersnot auch im heutigen Sachsen-Anhalt gewesen sein. Möglicherweise wollten die Menschen die Götter mit dem Opfern der wertvollen Scheibe besänftigen.
Gefunden wurde die Himmelsscheibe im Jahr 1999 durch illegale Metallsucher und Diebe, die mittlerweile verurteilt wurden. Da Nebra als Fundort bestätigt wurde, erhielt das Bundesland Sachsen-Anhalt das kostbare Relikt aus der Bronzezeit zugesprochen. Es ist seit 2008 im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an der Saale zu betrachten. Unweit der Fundstelle entstand ein multimediales Museum, die „Arche Nebra“.
Die Museumspädagoginnen hatten für jedes Kind eine Himmelsscheibe aus Pappe dabei. Die Abbildungen mussten aus Goldfolie ausgeschnitten und aufgeklebt werden. Zudem gab es Malvorlagen für die Acht- bis Zwölfjährigen. Buntstiftsets stellte das Haus der Wissenschaft zur Verfügung. Die Kinderuni wird unterstützt von der Sparkasse Siegen, der IHK und den Siegener Versorgungsbetrieben.