Kleines Fach, keine Nische. Digital Public Health im Porträt
Gesundheit digital gestalten: Ein Blick auf Digital Public Health
Das Portal „Kleine Fächer" porträtiert Disziplinen, die nur an wenigen Standorten mit eigenen Professuren vertreten sind. Digital Public Health gehört dazu. Klein ist das Fach aber vor allem, weil es jung ist, nicht weil es randständig wäre. Seine Fragen betreffen sehr viele Menschen.
Public Health fragt nach der Gesundheit von Bevölkerungen statt nach der einzelnen Erkrankung. Digital Public Health überträgt diese Perspektive auf die Digitalisierung. Digitale Technologien von Gesundheits-Apps über Telemedizin bis zu generativer KI sind dabei zugleich Untersuchungsgegenstand und Werkzeug. Christoph Dockweiler untersucht, wie sie Gesundheitshandeln, Versorgungszugang und die Verteilung von Gesundheitschancen verändern, und wie sich Technik so gestalten lässt, dass sie Gesundheit fördert, statt Ungleichheiten zu verschärfen.
Wie aktuell das ist, zeigt eines seiner derzeitigen Schwerpunktthemen. Viele Menschen stellen ihre Gesundheitsfragen inzwischen einem System wie ChatGPT, oft bevor sie ärztlichen Rat suchen. Auf Bevölkerungsebene verändert das, wie Gesundheitswissen entsteht, zirkuliert und geglaubt wird. Die eigentliche Herausforderung liegt für ihn nicht allein in der Richtigkeit einzelner Antworten, sondern darin, dass generative KI die Grundlagen des öffentlichen Gesundheitsdiskurses selbst verschiebt, also die Frage, wer als Autorität gilt und wie sich gesellschaftlicher Konsens über Gesundheit bildet.
In Siegen ist die Professur bewusst sozialwissenschaftlich verortet und eng mit der Informatik sowie dem Zentrum für interdisziplinäre Gesundheitsforschung (ZIGS) vernetzt. Sein Fazit fällt entschieden aus.
„Digital Public Health sollte nicht als Nische verstanden werden, sondern als eine Infrastruktur, die eine zunehmend digitale Gesellschaft für ihre Gesundheit braucht.“ Christoph Dockweiler