Neue Hans Sachs-Forschungsstelle an der Uni Siegen
Mehr als 6.200 Texte hat der Nürnberger Schuhmachermeister und Dichter Hans Sachs hinterlassen – darunter über 200 Theaterstücke. Sachs gilt als produktivster Dichter des 16. Jahrhunderts mit universalem Wissen und Interesse: So hatte er einen sehr guten Überblick über Politik, Theologie und Literatur seiner Zeit. Gleichzeitig beherrschte er die deutsche Sprache so gut wie kaum ein anderer. Auf diese Weise gelang es ihm, auch komplexe Inhalte in eine einfache und verständliche Sprache zu fassen und Handwerkern und Kaufleuten zugänglich zu machen. Ein neues gemeinsames Forschungsprojekt der Universitäten Siegen und Marburg widmet sich nun dem Theater von Hans Sachs. Das Vorhaben wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 2,6 Millionen Euro gefördert.
„Heute kennen die meisten Menschen Hans Sachs nur noch aus der Wagner-Oper ‚Die Meistersinger von Nürnberg‘ und weniger über seine eigenen Werke. Tatsächlich ist der Großteil des Werks von Hans Sachs noch gar nicht erforscht. Unser Ziel ist es daher, eine Grundlage dafür zu schaffen, dass sich die Forschung wieder stärker mit Hans Sachs beschäftigt“, sagt Prof. Dr. Hans Rudolf Velten von der Universität Siegen, der das Projekt gemeinsam mit seinem Marburger Kollegen Prof. Dr. Nathanael Busch leitet.
Zusätzliche Wissensbestandteile zu jedem Stück
In Siegen und Marburg wird eine neue, standortübergreifende Hans Sachs-Forschungsstelle eingerichtet. Gemeinsam erstellen die Forschenden eine umfassende, kritische und kommentierte Neuedition zum Theaterwerk von Hans Sachs – darunter sämtliche Tragödien, Komödien, Fastnachtsspiele sowie themengleiche Meisterlieder und Spruchgedichte des umtriebigen Dichters. Die Kommentare bieten neben Begriffs-Erklärungen für jedes Spiel auch eine Einordnung in den jeweiligen Kontext seiner Entstehung sowie zusätzliche Wissensbestandteile: beispielsweise darüber, wo und wie das jeweilige Stück aufgeführt wurde. Die neue Edition wird künftig sowohl in gedruckter Form mit begleitender elektronischer Ressource als auch digital vorliegen.
"Tolle Chance" für die Forschenden
Das Projekt ist Anfang 2026 gestartet und hat eine Laufzeit von 7,5 Jahren. Die Fördersumme von 2,6 Millionen Euro fließt zu gleichen Teilen an die beiden Standorte. Für die erste, dreijährige Förderperiode erhält die Universität Siegen rund 670.000 Euro. In Siegen werden im Rahmen des Projektes zwei neue Stellen für wissenschaftliche Nachwuchskräfte geschaffen. „Dass die DFG solche langfristigen Projekte bewilligt, ist relativ selten. Wir freuen uns deshalb sehr über diese tolle Chance“, sagt Prof. Velten.
Hans Sachs für viele Disziplinen spannend
Die Wissenschaftler*innen hoffen, Hans Sachs‘ literarische Bedeutung durch die Neuedition wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Beschäftigung mit Sachs, dessen Todestag sich im Januar zum 450. Mal jährte, biete wichtige Impulse für die Germanistik, aber auch für Geschichte, Theologie und Wissensgeschichte, sagt Velten: „Hans Sachs war ein politischer Mensch. Er stellte sich schon früh auf die Seite der Reformation und schrieb neben Martin Luther das beste Deutsch seiner Zeit. Gleichzeitig war er ein Kenner der literarischen Szene in Europa und beherrschte selbst sämtliche Gattungen. Die Beschäftigung mit Hans Sachs ist deshalb für viele Disziplinen außerordentlich anregend.“