Neues Lehrlabor stärkt Siegener Ingenieursausbildung
Offene, hohe Decken mit sichtbaren Kabeltrassen und Lüftungsrohren, großzügige Fensterfronten sowie helle Oberflächen und Glaswände zwischen den einzelnen Arbeitsbereichen prägen das Erscheinungsbild. Das elektrotechnische Lehrlabor für vernetzte Automatisierungssysteme im Hölderlingebäude der Universität Siegen wurde in den vergangenen anderthalb Jahren komplett saniert: Es besticht nun durch modernen Industrie-Charme, verbunden mit einer funktionalen Arbeitsumgebung. Rund 3 Millionen Euro Landesmittel aus dem Zukunftsvertrag „Studium und Lehre“ flossen in die Erneuerung der baulichen Infrastruktur. Auch die technische Ausstattung wurde auf den neuesten Stand gebracht. Bei der feierlichen Eröffnung konnten sich jetzt mehr als 200 Gäste aus Wissenschaft und Industrie einen Eindruck von den Räumlichkeiten verschaffen.
Uni-Rektorin Prof. Dr. Stefanie Reese zeigte sich beeindruckt: „Das ist wirklich ein toller Ort geworden, der bei der Qualifizierung unserer angehenden Ingenieurinnen und Ingenieure zukünftig eine Schlüsselrolle spielen wird. Ein echter Gewinn für unsere Universität und die gesamte Region.“ Prof. Reese dankte allen Beteiligten aus Wissenschaft und Verwaltung für ihr Engagement während der Sanierung – insbesondere dem Initiator des Projekts, Prof. Dr.-Ing. Oliver Wallscheid vom Lehrstuhl für „Interconnected Automation Systems“ (IAS). „Es ist großartig, was hier geschaffen wurde.“
Angehende Fachkräfte auch praktisch ausbilden
In seiner Eröffnungsrede betonte Prof. Wallscheid die zentrale Rolle der Elektrotechnik für Zukunftsfelder wie Energieversorgung, Mobilität, Industrie und Digitalisierung. „Umso wichtiger ist es, Fachkräfte nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern auch praktisch auszubilden. Im Umgang mit realen technischen Systemen entwickeln Studierende neben ihrem theoretischen Wissen ein praxistaugliches Verständnis für Probleme und Lösungen.“
Das neue Lehrlabor bietet modern ausgestattete Prüfstände und Arbeitsplätze in zentralen Bereichen wie elektrischer Energiewandlung, Automatisierungstechnik und mechatronischen Systemen. Ab dem kommenden Sommersemester werden Studierende verschiedener ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge das Labor für Praktika sowie Projekt- und Abschlussarbeiten nutzen. Neben der technischen Infrastruktur erwartet sie im Labor eine integrierte „New Work Area“ – ein offener Lern- und Begegnungsraum, der zum Austausch, zur Zusammenarbeit und zur eigenständigen Projektarbeit genutzt werden kann.
Ein besonderes Merkmal des neuen Lehrlabors sei auch sein konsequentes Mobilitäts- und Flexibilitätskonzept, erklärte Prof. Wallscheid bei der Eröffnung. Alle Arbeitsstationen sind mobil und lassen sich mit Hilfe von Hubwagen flexibel positionieren. Die vollständig neu aufgebaute Strom- und IT-Versorgung im Labor ermöglicht es, Prüfstände und Arbeitsplätze an unterschiedlichen Orten zu betreiben. Das Labor kann so dynamisch an verschiedene Projekte oder Lehrformate angepasst werden.
Kernsanierung nach 50 Jahren "kein Pappenstiel"
Das neue Lehrlabor knüpft an eine lange Tradition der Ingenieursausbildung in Siegen an. Die Wurzeln reichen bis in die 1960er Jahre zurück, als die Ingenieurschule noch auf dem Fischbacherberg angesiedelt war. Rund zehn Jahre später sei erstmals das Labor auf dem Hölderlincampus bezogen worden, erinnerte Prof. Wallscheid. Eine Kernsanierung nach rund 50 Jahren Nutzung sei kein Pappenstiel gewesen: „Unser Team hat Tonnen über Tonnen an Material bewegt, um das alte Labor zurückzubauen. Anschließend galt es, eine LKW-Lieferung nach der nächsten mit neuer Laborausstattung einzubringen und zu installieren.“
Neben technischen Einblicken erwartete die Gäste bei der Eröffnung auch ein künstlerisches Rahmenprogramm. Unter Leitung der Kunst-Professorin Dr. Johanna Schwarz setzten sich Studierende des Siegener Kunst-Departments mit elektrotechnischen Themen auseinander. Unter dem Titel „Interconnected“ wurden Zeichnungen und Installationen präsentiert, die sich unter anderem mit Themen wie Programmierung, Labortechnik, Platinen oder Schaltplänen beschäftigten.