Offen für Lernspiele, zurückhaltend beim Gaming
Digital Game-Based Learning eröffnet neue Perspektiven für die Lehre in Public Health
In Medizin und Pflege gehören digitale Lernspiele längst zum Repertoire, in Public-Health-Studiengängen kommen sie dagegen kaum vor. Eine neue Studie des Lehrstuhls für Digital Public Health der Universität Siegen gemeinsam mit der Universität Bielefeld zeigt, dass Studierende dafür durchaus offen sind. Ihre Erwartungen haben allerdings wenig mit Gaming zu tun.
Zwischen Januar 2021 und März 2024 beantworteten 326 Studierende gesundheitsbezogener Studiengänge den Fragebogen vollständig. Die Rekrutierung lief über vier Hochschulen, darunter die Universität Siegen, ergänzt um Aufrufe in sozialen Netzwerken. Rund 72 % können sich vorstellen, künftig mit digitalen Lernspielen zu arbeiten. Als besonders geeignet gelten Module wie Prävention und Gesundheitsförderung (85 %), Epidemiologie und Statistik (83 %) sowie Bevölkerungsmedizin (77 %), vor allem zur Prüfungsvorbereitung, zur Wissensüberprüfung und um komplexe Inhalte anschaulich zu machen.
Aufwendige Spielmechanik steht dagegen nicht auf der Wunschliste. VR- oder AR-Brillen und Konsolen wählten weniger als 2 % der Befragten, 3D-Grafik, Avatare und Mehrspielermodi gelten als nachrangig. Wichtiger sind einfache Bedienbarkeit, verständliche Rückmeldungen, technische Zuverlässigkeit (91,7 %) und die Möglichkeit, zeit- und ortsunabhängig zu lernen (94,2 %). Auch die genannten Rahmenbedingungen fallen eher unspektakulär aus. Eine funktionierende technische Infrastruktur (98,5 %), medienkompetente Lehrende (95,4 %) und eingehaltener Datenschutz (93 %) rangieren vor jedem Spielfeature.
Dazu passt das Technikprofil der Befragten. Die Technikbegeisterung erreicht den niedrigsten Wert aller Teilskalen, während technikbezogene Ängste vergleichsweise hoch ausfallen. Lernspiele nutzen bislang nur gut 6 % überhaupt. Das Autorenteam plädiert deshalb für niedrigschwellige, didaktisch eingebettete Anwendungen, die Präsenzlehre ergänzen statt ersetzen. Ein Studierender fasste das in den offenen Antworten als Plädoyer für eine „soft digitalization“ statt einer harten Digitalisierung zusammen.
(Autor: Christoph Dockweiler)