Direkt zum Inhalt
Direkt zum Inhalt

Seminare WiSe 26/27 – Geschichte der Philosophie

Das Seminarangebot der Professur für Geschichte der Philosophie für das Wintersemester 2026/27.

Vorlesungen

Dozent: Prof. Dr. Mario Meliadò

Zeiten: Di., 13.10.2026 – 02.02.2026, 14–16 Uhr, c.t.

Ort: AR-HB 0118

Beschreibung: Das Einführungsmodul „Geschichte der Philosophie“ besteht aus zwei aufeinander bezogenen Vorlesungen. Ziel des Moduls ist es, den Studierenden einerseits einen systematischen Überblick über die historische Entwicklung der Philosophie von der Antike bis zur Neuzeit zu vermitteln und sie andererseits mit den zentralen Fragestellungen, Methoden und Debatten vertraut zu machen, die die Philosophiegeschichte als moderne Disziplin prägen.

Die erste Vorlesung „Einführung in die Philosophiegeschichte: Grundfragen und Methoden“ (Sommersemester) führt in die theoretischen und methodischen Grundlagen der Philosophiegeschichtsschreibung ein. Auf dieser Basis bietet sie dann einen kritischen Überblick über die Philosophie der Antike, der den Studierenden ein differenziertes Verständnis des Gegenstandsbereichs sowie der zentralen Problemfelder der Philosophiegeschichte eröffnet. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Fragen nach dem Verhältnis der Philosophie zu ihrer eigenen Geschichte und Historizität, nach Ursprung und Definition der Philosophie, nach ihrem Verhältnis zu anderen Wissensformen sowie nach Sinn und Nutzen des Studiums der Philosophiegeschichte. Darüber hinaus werden Probleme der Kanonbildung sowie Perspektiven einer globalen und transkulturellen Philosophiegeschichte diskutiert und anhand unterschiedlicher Ansätze reflektiert.

Im Wintersemester schließt die zweite Vorlesung „Einführung in die Philosophiegeschichte: Epochen und Denktraditionen“ unmittelbar an diese Einführung an. Sie konzentriert sich auf exemplarische historische Stationen, Autoren und Strömungen der Philosophie und untersucht, wie sich philosophische Theorien und Praktiken in unterschiedlichen kulturellen, politischen, sozialen und religiösen Kontexten herausgebildet und weiterentwickelt haben. Ausgehend von der antiken Philosophie werden zentrale Positionen und Denktraditionen vom Mittelalter über die Renaissance bis zur Neuzeit rekonstruiert und zugleich grundlegende Transformationen, Überlieferungsprozesse und Paradigmenwechsel der Denkgeschichte sichtbar gemacht.

Die beiden Vorlesungen sind inhaltlich aufeinander abgestimmt, können jedoch bei Bedarf auch unabhängig voneinander oder – etwa aus studienorganisatorischen Gründen – in einer anderen Reihenfolge absolviert werden.

Seminare

Dozenten: Dr. Francesco Molinarolo

Zeiten: Di., 13.10.2026 – 02.02.2027, 12–14 Uhr, c.t.

Ort: AR-HB 0117

Beschreibung: Die Frage „Darf man alles denken?“ prägt die öffentliche, politische und kulturelle Debatte heute maßgeblich. An sich umfasst die Gewissensfreiheit nicht die uneingeschränkte Handlungs- und Meinungsfreiheit: Denkfreiheit kann gewährleistet sein und dennoch können verschiedene (soziale und rechtliche) Normen die Äußerung und Verwirklichung der eigenen Gedanken einschränken. In diesem Seminar wird die Frage nach der Richtigkeit solcher Einschränkungen nicht behandelt. Vielmehr werden wir untersuchen, wie die Gewissensfreiheit in der Moderne, jener Zeit, in der die philosophische Auseinandersetzung mit der Toleranz aufkam, konzipiert wurde. Freiheit und Toleranz sind historisch komplexe Konzepte. Insbesondere der Begriff der Toleranz wurde lange Zeit auch in seinen negativen Implikationen untersucht. Ein Beispiel hierfür ist die ihm innewohnende Unausgewogenheit: Die Tatsache, dass jemand bestimmte Meinungen tolerieren kann, impliziert ein höheres Maß an Autorität und Macht. In diesem Seminar werden wir verschiedene Perspektiven auf das Verhältnis zwischen der Freiheit des Philosophierens („libertas philosophandi“) und der Toleranz aus historisch-philosophischer Sicht beleuchten. Indem wir Autoren unterschiedlicher Herkunft untersuchen – von Nikolaus von Kues bis Giordano Bruno, von Hobbes bis Voltaire – werden wir die komplexe Beziehung zwischen Gedankenfreiheit, Philosophie, Meinungsäußerung und politischer Praxis beleuchten.

Dozent: Dr. Francesco Molinarolo

Zeiten: Mo., 12.10.2026 – 01.02.2026, 14–16 Uhr, c.t.

Ort: AR-M 0216

Beschreibung: Nowadays, magic is considered the complete opposite of science. While science relies on precise methodologies and fields of inquiry, magic is relegated to the realm of fantasy and the unreal. In the past, the situation was entirely different. From the Middle Ages to the early modern period, magic served, in part, as the practical application of theoretical thought regarding nature and its constituents. Conversely, the modern concept of "science" has traditionally a clearly identifiable historical origin: "scientific" thought began to develop between the late sixteenth and early seventeenth centuries, driven by figures such as Galileo Galilei. In this seminar, we will examine the relationship between magical and scientific thought during the Renaissance. During this period, magic was theorized in various ways and for diverse purposes: on one hand, it corresponds to what we might today define as proto-scientific thought; on the other, it retained certain demonological premises that sparked debates regarding the orthodoxy of its practice. By examining key authors involved in this discourse, we will critically explore this relationship, discussing the practical and theoretical value of knowledge models within the framework of natural philosophy.

Classes will be given in English. Nonetheless, the German translation of the examined works will be constantly used for discussion. Furthermore, students will be able to participate in the discussion in English or German, at their own discretion.

Dozenten: Prof. Dr. Mario Meliadò und Prof. Dr. Gregor Nickel

Zeiten: Mi., 21.10.2026 – 03.02.2026, 10–13 Uhr, c.t.

Ort: AR-K 100

Beschreibung: „Nur der Weise ist wahrhaft Mensch“: Mit dieser provokativen und zugleich traditionsreichen These macht Charles de Bovelles (1479-1566), eine der faszinierendsten Figuren der französischen Renaissance, deutlich, dass dem Menschen – anders als allen anderen Lebewesen – seine Natur nicht einfach vorgegeben ist, sondern ihre Verwirklichung zu seiner Lebensaufgabe wird. Diese Freiheit bedeutet, dass der Mensch keinen festen Platz im Kosmos innehat, sondern zu dem Wesen wird, für das er sich entscheidet und zu dem er sich durch Tugend und Erkenntnis selbst macht. Worin besteht aber jene Weisheit, die bei Bovelles als eine Art ‚Anthropotechnik‘ erscheint – als eine Kunst der Menschenbildung und der Selbstformung? Und wie verhalten sich dabei im Menschen Erkenntnis der Welt und Selbsterkenntnis?

Das Seminar ist der Lektüre von Charles de Bovelles’ „Buch über den Weisen“ (Liber de sapiente) gewidmet, das im Jahr 1511 veröffentlicht und als die „merkwürdigste und in mancher Hinsicht charakteristischste Schöpfung der Renaissance-Philosophie“ (Ernst Cassirer) bezeichnet wurde. Bovelles’ Werk, das im Spannungsfeld unterschiedlicher Traditionen und Einflüsse, unter anderem von Nikolaus von Kues, Giovanni Pico della Mirandola und Marsilio Ficino, entsteht, dient uns dabei als Einführung in das Denken einer Epoche, in der die Geschichtsschreibung üblicherweise den Übergang vom ‚Mittelalter‘ zur ‚Neuzeit‘ erblickt. Zwei Aspekte stehen im Mittelpunkt unseres Interesses: zum einen die zentrale Rolle der Mathematik, die Bovelles – Autor eigener geometrischer Traktate – als ein von der Philosophie nicht zu trennendes Wissensgebiet betrachtet; zum anderen die Bedeutung der Abbildungen, die Bovelles nicht nur als Mittel zur Veranschaulichung seiner Überlegungen kunstvoll einsetzt, sondern als integralen und unverzichtbaren Bestandteil des menschlichen Denkens begreift.

Der Kurs ist interdisziplinär zwischen den Fächern Geschichte der Philosophie und Philosophie der Mathematik angelegt. Er spricht bewusst Studierende sowohl der Philosophie als auch der Mathematik an und beabsichtigt, ausgehend von einer fachlich heterogenen Seminargruppe unterschiedliche Perspektiven in das Lern- und Lehrgespräch zu integrieren und fruchtbar zu machen.


Anmerkungen

  1. Die Veranstaltung ist mit der Vortragsreihe „Der Büchergarten: Lektüren aus der Philosophiegeschichte“ verbunden. Zwei Sitzungen in der zweiten Semesterhälfte werden von auswärtigen Spezialisten aus dem Gebiet der Philosophie der Frühen Neuzeit geleitet und der gemeinsamen Lektüre und Interpretation ausgewählter Texte gewidmet.
  2. Das Seminar sieht eine dritte Wochenstunde vor, die der vertieften Textlektüre (close reading) gewidmet ist. Die Veranstaltung kann allerdings – je nach ausgewählter Leistungsmodalität und Studiengang – zur Not auch zweistündig belegt werden.
  3. Das Seminar beginnt am 21. Oktober 2026, d. h. während der zweiten Vorlesungswoche.

Dozent: Fabian Marx, M.A.

Zeiten: Mo., 12.10.2026 – 01.02.2026, 16–18 Uhr, c.t.

Ort: AR-B 2210

Beschreibung: Platon führt seine Leser ins philosophische Denken ein und lässt sie nicht mehr heraus. Er inszeniert philosophische Gespräche – nicht zum Zwecke gehobener Unterhaltung, sondern zur Einübung kompromissloser intellektueller Redlichkeit. Philosophie im Sinne Platons ist Dialektik, Wissenschaft vom Gespräch, ἐπιστήμη διαλεκτική. Philosoph ist, wer im Sprechen auf sein Sprechen achtet, indem er fragt: Was setzen die gebrauchten Begriffe voraus? Was unterscheidet sie? Was teilen sie? Solche Obacht ist Grundvoraussetzung für jede Rede, die überzeugen können will. Objektiv zustimmungsfähig ist ein Sprechen nämlich nur dann, wenn es Mehrdeutigkeiten offenlegt, Widersprüche vermeidet, konsistent ist. Wer anders spricht, täuscht sich selbst und andere, wird zum „Sophisten“. Wir werden uns im Seminar intensiv mit dem gleichnamigen Dialog (Sophistes) befassen, aber auch Ausschnitte anderer Dialoge (z.B. Phaidros, Philebos, Parmenides) konsultieren. Wir fragen: Was tut ein Philosoph im Sinne Platons? Welchen Verfahren folgt er? Welchem Ethos genügt er?

Das Seminar ist ineins Einführung in das Denken Platons und ins Lesen klassischer Texte der Tradition.

Dozent: Prof. Dr. Mario Meliadò

Zeiten: Di., 13.10.2026 – 02.02.2026, 16–18 Uhr, c.t.

Ort: AR-NB 0104

Beschreibung: Einen bestimmten Ton meines Handys deute ich als Zeichen dafür, dass ich eine Nachricht erhalten habe, und mein plötzliches Lächeln kannst du wiederum als Zeichen meiner Hoffnung verstehen, endlich etwas von einem Freund zu hören. Kleine grafische Zeichen auf dem Display verweisen auf Buchstaben, aus denen ich Wörter zusammensetze, mit denen Dinge, Emotionen oder Sachverhalte bezeichnet werden. Zugleich interpretiere ich einen angenehmen Geruch aus der Küche als Zeichen dafür, dass das Abendessen bald fertig ist, während ich bestimmte Laute meiner Stimme als akustische Zeichen gebrauche, um dir zu erzählen, was mir der Freund gerade geschrieben hat.

Wir leben in einer Welt voller Zeichen. Ohne ständig Zeichen hervorzubringen und zu gebrauchen, könnten wir nicht kommunizieren; ohne Zeichen deuten zu können, wären wir in der Welt orientierungslos und voneinander isoliert. Doch was ist eigentlich ein Zeichen? Ist Zeichenhaftigkeit eine natürliche Eigenschaft der Dinge, eine Relation oder das Ergebnis von Konvention und Gewohnheit? Und vor allem: In welchem Sinne ist Sprache – sei es mündlich oder schriftlich – ein Zeichensystem und worin unterscheidet sie sich von anderen Formen des Zeichengebrauchs?
Im Seminar begeben wir uns auf die Spuren dieser Fragen, indem wir philosophische Theorien über Sprache und Zeichen in der Antike und im Mittelalter erschließen. Anhand von sechs exemplarischen Positionen – Platon, Aristoteles, Augustin, Roger Bacon, Wilhelm von Ockham und Nikolaus von Kues – verfolgen wir die Geschichte eines philosophischen Problems und untersuchen, wie es sich in unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten verändert. Dabei fragen wir, wie sich die Reflexion über Zeichen von der antiken Auseinandersetzung mit Name, Wort und Bedeutung zu mittelalterlichen Theorien der Signifikation entwickelt und schließlich über die Sprache hinaus auf das Verhältnis des Menschen zur Welt, zu Gott und zu sich selbst ausgreift.

Dozent: Dr. Francesco Molinarolo

Zeiten: Fr., 23.10.2026, 16–18 Uhr, c.t. (online); Mo., 08.02.2027, 14–18 Uhr, c.t.; Di., 09.02.2027, 10–18 Uhr, c.t.; Do./Fr., 11./12.02.2027, 10–18 Uhr, c.t.

Ort: t.b.a.

Beschreibung: Pietro Pomponazzi (1462-1525) is one of the most important philosophers of the early modern era, and his thought has influenced many subsequent philosophical currents. An Aristotelian philosopher, Pomponazzi developed a complex body of theory encompassing the theory of the soul, natural philosophy, cosmology, and political theory. One of his most important works is the “Treatise on the Immortality of the Soul” (1516). In it, Pomponazzi argues that the immortality of the soul cannot be rationally proven. This premise entails far-reaching consequences: the potential denial of heaven and hell – and thus of an afterlife-based foundation for morality – as well as a re-evaluation of human dignity. In this seminar, we will analyze this work in depth, comparing its contents with other relevant contemporary readings on the nature of the human soul, and the heated reactions it stirred. The aim of our reading is to familiarize with key pillars of early modern philosophy, its relationship to medieval philosophy, and its influence on subsequent thought. We will concurrently discuss themes raised by Pomponazzi that remain relevant today, including the necessity of a moral basis for action; the philosophical-anthropological question of the human being’s place in the world; the metaphysical foundation for understanding human functions and potentials; and the religious implications of philosophical thought, in its relationship with theological doctrines.

The seminar will take place in February (February 8-12, 2027). During the seminar, visiting scholars will give presentations and interact with students to deepen the discussion. Given the presence of and interaction with expert guests, the sessions will be held mainly in English. Nonetheless, the German translation of the examined works will be constantly referred to. Furthermore, students will be able to participate in the discussion in English or German, at their own discretion.

An introductory meeting will take place at the beginning of the semester, on October 23, 2026 (h. 16-18). The introductory meeting will be held online, via Webex. During this meeting, the structure and contents of the seminar will be presented, and students will receive all the texts and materials needed to prepare for the meetings in February.

Sonstiges

Dozent: Prof. Dr. Mario Meliadò

Zeiten: Di., 15.10.2026 – 10.12.2026, 10–14 Uhr, c.t. (vierzehntäglich); Di., 14.01.2027 – 28.01.2027, 10–14 Uhr, c.t. (vierzehntäglich)

Ort: AR-NB 0104

Beschreibung: Die Arbeitsgruppe trifft sich zweiwöchentlich, um aktuelle Publikationen aus dem Bereich der Philosophiegeschichte zu besprechen. Im Zentrum der AG steht in diesem Semester die wissenschaftliche Praxis der Rezension bzw. die kritische Diskussion aktueller Forschungsliteratur. Bei jeder Sitzung werden zwei ausgewählte Publikationen vorgestellt und im Sinne einer wissenschaftlichen Rezension besprochen: im Hinblick auf zentrale Thesen, methodische Voraussetzungen, argumentative Probleme, den Forschungskontext sowie anhand gemeinsamer Lektüre und Kommentierung ausgewählter Passagen. Spätestens zwei Wochen vor der jeweiligen Sitzung wird zur Vorbereitung ein Auszug (10-12 Seiten) aus dem zu besprechenden Buch für alle Teilnehmenden bereitgestellt. Am Ende des Semesters haben die Studierenden die Möglichkeit, eine Publikation, die mit ihrem Forschungsinteresse zusammenhängt, zu präsentieren.

Doktorandinnen und Doktoranden sowie Studierende, die sich für philosophiehistorische Themen und Fragestellungen interessieren, sind zur Teilnahme herzlich eingeladen. Sie erhalten die Möglichkeit, Einblicke in unsere Forschungspraxis zu gewinnen und sich aktiv in den wissenschaftlichen Austausch der AG einzubringen. Die Veranstaltung hat Werkstattcharakter und zielt darauf ab, einen fruchtbaren Dialog zwischen fortgeschrittenen Studierenden und Forschenden im Bereich der Philosophiegeschichte zu fördern bzw. die Studierenden in aktuelle Debatten und Methoden der wissenschaftlichen Arbeit einzuführen.