Uni-Flur wird zur Kunstgalerie
Campus-Leben neu gedacht: Raum für Begegnungen schaffen
Vom zweckmäßigen Durchgang zur atmosphärischen Kunstgalerie: Wer in Zukunft zu den beiden Lernorten (LEOs) im Erdgeschoss des Hölderlingebäudes der Universität Siegen geht, kommt an großflächigen Kunstwerken vorbei. Farbige Wandbilder, filigrane Netze und Muster, Fotoserien sowie Skizzen-Tapeten gibt es ab sofort auf den Wänden LEO-Flures zu entdecken.
Studierende gestalten LEO-Flur neu
Die künstlerische Neugestaltung des Flures ist Teil des Kunst-am-Bau-Projektes „Campuskunst“ unter der Leitung von Prof. Johanna Schwarz, angesiedelt an der Professur für Künstlerische Strategien im öffentlichen Raum & Kulturelle Bildung. Insgesamt zwölf Studierende der Fächer Kunst und Soziale Arbeit waren an der Umgestaltung des LEO-Flures beteiligt. Die Aktion erfolgte im Rahmen des Seminars „Vom Außen ins Innere – Landschaft als Rauminstallation“, das im Wintersemester 2025/26 von Prof. Johanna Schwarz in Kooperation mit der Künstlerin und Kunstvermittlerin Stephanie Sczepanek geleitet wurde. In einem partizipativen Prozess entstand aus mehreren studentischen Einzelarbeiten ein kollektives Gesamtkunstwerk.
Campuskunst inspiriert durch Hölderlin-Kulisse
Inspirationen lieferte der Campus selbst: Die Seminargruppe nahm zeichnerische und fotografische Eindrücke der unmittelbaren, grünen Umgebung der Universität auf, mit analogen und digitalen Techniken wurden die Ideen anschließend in individuellen Kunstwerken umgesetzt. Dabei haben die Studierenden ihre Arbeiten an die Gegebenheiten des Flures angepasst: So ranken sich große abstrakte Bäume vom Boden, um die Türrahmen herum, bis hoch zur Decke. Auf den Pfeilern in der Mitte des Flures befinden sich rote Gitterlinien, angelehnt an die markanten Metallstreben an der Außenfassade des Hölderlingebäudes. Einige Meter weiter zeigt eine Schwarz-Weiß-Fotoserie bekannte Blickwinkel auf den Campus, die durch das nachträgliche Einfügen roter Objekte in einen neuen Kontext gesetzt wurden. Drei Tapetenbahnen zeigen direkt neben dem Eingang zum großen LEO eine Skizzen-Collage aus Alltagsgegenständen, die im Aufenthaltsraum meist zu finden sind. Fotorealistische Werke reihen sich auf den langen Wänden an abstrakte, malerische Wandbilder, die mit Pinsel, Spraydose und Stempeltechnik entstanden sind. Alle Einzelprojekte sind verbunden durch eine dünne grüne Linie, die sich wie ein Herzschlag über die Wände zieht. Auch die gemeinsame Farbgestaltung aus Rot-, Grün- und Brauntönen macht den Flur zu einer gestalterischen Einheit.
Begegnungs- und Erfahrungsort zum Wohlfühlen
„Die entstandene ,Kunst-am-Bau‘-Arbeit prägt den Flur nachhaltig und qualifiziert ihn als gestalteten Begegnungs- und Erfahrungsraum innerhalb des Campus. Dieses Seminar versteht sich als Beitrag zur künstlerischen und räumlichen Weiterentwicklung des universitären Lern- und Arbeitsumfelds und verknüpft künstlerische Praxis mit dem öffentlichen Raum“, sagt Prof. Dr. Johanna Schwarz.
Das Kunst-am-Bau-Projekt „Campuskunst“ findet in Kooperation mit dem Prorektorat für Nachwuchs, Diversity und Internationales statt. Prorektorin Prof. Petra M. Vogel sagt dazu: „Durch partizipative Verschönerungsaktionen wie die im LEO-Flur möchten wir gezielt die Aufenthaltsqualität und Attraktivität unserer Lernorte steigern. Ziel ist es, Begegnungsorte zu schaffen, an denen sich Studierende wohlfühlen.“
Kunstaktionen laufen unter "Campuskunst" zusammen
Mit der Verschönerung des LEO-Flures geht das Projekt bereits in die zweite Runde – der Auftakt fand im Wintersemester 2024/25 statt. In einer kollektiven Kunstaktion wurden die Mitarbeitenden des Departments Elektrotechnik und Informatik (ETI) in die Umgestaltung ihres Flures auf Ebene 7 miteinbezogen – so entstanden abstrakte neuronale Netze und Graphen, die dem Gang eine künstlerische Note verleihen. Zuletzt erarbeiteten Prof. Johanna Schwarz und Kai Gieseler gemeinsam mit Studierenden eine Kunstausstellung anlässlich der Eröffnung des elektrotechnischen Lehrlabors für vernetzte Automatisierungssysteme, das sich ebenfalls im Hölderlingebäude befindet. Unter dem Titel „Interconnected“ präsentierten die Kunstschaffenden Zeichnungen und Installationen, die sich mit Themen wie Programmierung, Labortechnik, Platinen oder Schaltplänen beschäftigten.
Perspektivisch sollen noch weitere Flure und Räume in Bestandsgebäuden wie dem Campus Hölderlin- oder Paul-Bonatz-Straße umgestaltet werden. Die Planungen laufen derzeit.
Beteiligte der Kunstaktion im LEO-Flur: Lukas Beck, Ebru Kader Heper, Annika Lehmann, Alexandra Lenort, Annika Müller, Maximilian Scholl, Nele Schlabach, Hanna Schreiber, Dana Seibert, Julia Ulrich, Zehra Üremis, Jana Velasquez Zuniga.