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Vom Vergangenen zur Gegenwart: Die Medizin der Zukunft im Spiegel der Zeit

Das Vortragsthema der Feierlichen Eröffnung der Mittwochsakademie lautete 
„Die Zukunft von gestern: Historische Annäherungen an Gesundheit, Krankheit & Medizin“

Eroeffnung Mittwochsakademie Sommersemester 2026

Volles Haus bei der Eröffnung des Sommersemesters der Mittwochsakademie im Kulturhaus Lyz.

 

Mit der Feierlichen Eröffnung sind die Mittwochsakademie und das Forum Siegen in das Sommersemester gestartet, das unter dem Rahmenthema „Medizin der Zukunft“ steht. Die Veranstaltung machte deutlich: Auch wenn die Medizin in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten enorme Fortschritte erzielt hat, bleiben Verbindungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bestehen.

In ihrem Grußwort betonte Prorektorin Dr. Barbara Müller-Naendrup die Bedeutung solcher Formate für den gesellschaftlichen Diskurs. Themen wie die Zukunft der Medizin und darüber hinaus bräuchten Räume der Begegnung und des Austauschs, um unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Verhältnis zu setzen und fundierte Abwägungen zu ermöglichen. Insbesondere die Mittwochsakademie und das Forum Siegen leisteten hierzu einen wichtigen Beitrag. Zugleich verwies sie auf aktuelle Entwicklungen an der Universität: Mit dem entstehenden Campus attraktives lebenslanges Lernen (CaLL) würden zentrale Angebote gebündelt und nachhaltig gestärkt.

Im Anschluss begrüßte Prof. Dr. Stephan Habscheid im Namen des wissenschaftlichen Leitungsgremiums der Mittwochsakademie das Publikum sowie den Referenten des Eröffnungsvortrags, Prof. Dr. Noyan Dinçkal, Professor für Europäische Wissens- und Kommunikationsgeschichte an der Universität Siegen. Er leitete damit zum inhaltlichen Teil der Veranstaltung über. 

In seinem Vortrag eröffnete Prof. Dr. Dinçkal eine historische Perspektive auf medizinische Zukunftsvorstellungen. Dabei machte er deutlich, dass es weniger entscheidend sei, ob frühere Zukunftsprognosen tatsächlich eingetreten seien. Vielmehr eröffne ein historisch informierter Blick auf die damaligen Zukunftsvorstellungen eine Perspektive darauf, welche Probleme zu ihrer Zeit als lösbar erschienen und welche Hoffnungen, Versprechen und Ängste damit verbunden waren. Zukunft sei keine feste Größe, sondern stets „selbst situativ“ und wandelbar. Zukunftserzählungen liefern dabei Einblicke in die Zeit, in der sie formuliert wurden. 

Anhand anschaulicher Beispiele – unter anderem aus dem frühen 20. Jahrhundert – nahm Dinçkal das Publikum mit auf eine Reise durch die jüngere Geschichte medizinischer Visionen. Dabei zeigte er, welche Formen Zukunftsvorstellungen annehmen und worauf sich diese beziehen können. Besonders hob er dabei die Bedeutung visueller Darstellungen hervor: Jedes Bild – beispielsweise in Publikationen, in Zeitschriften oder auch in den Werbematerialien des diesjährigen Wissenschaftsjahres, das unter dem Titel „Medizin der Zukunft“ steht – transportiere ein „visuelles Argument“. Dieses hebe manche Aspekte besonders hervor, während andere – oft gesellschaftspolitische Verwicklungen – in den Hintergrund gedrängt würden. In aktuellen Zukunftsbildern der Medizin falle beispielsweise die zentrale Rolle von Prothesen auf, die Vorstellungen von Gestaltbarkeit und Optimierung des menschlichen Körpers verkörpern. Zugleich jedoch würden Problematisierungen etwa des Gesundheitssystems hinter jenen Bildern der Gestaltbarkeit zurücktreten. 

Prof. Dr. Dinçkal schlug damit eine Brücke von historischen Zukunftsentwürfen bis in die Gegenwart des Wissenschaftsjahres 2026. Sein Fazit: Der Blick in die Vergangenheit diene nicht nur dem Verständnis früherer Entwicklungen, sondern sei letzten Endes eine „Form der Selbstaufklärung“. Es gelte, die Vorannahmen und Voraussetzungen sichtbar zu machen, unter denen medizinische Prognosen und Zukunftsvorstellungen entstehen. Denn so wenig, wie die Geschichte zeitlos ist, sind es die Gegenwart und die Zukunft – was für die Medizin gelte und darüber hinaus.