Warum Ostern und Weihnachten mehr sind als freie Tage
Mögt ihr Feiertage? Das „Ja“ in der Kinderuni-Runde war sehr deutlich zu hören. „Ostern, St. Martin, Weihnachten: Wie beeinflussen religiöse Feste unser Jahr?“ lautete das Thema von Dr. Niklas Bend aus dem Seminar katholische Theologie der Universität Siegen. Die Argumente für die Beliebtheit von Feiertagen liegen auf der Hand: Die Eltern müssen häufig nicht arbeiten, die Schulen sind geschlossen, Familien und Freunde treffen sich zu gemeinsamen Unternehmungen, es gibt leckeres Essen. Manchmal gibt es auch Geschenke – beispielsweise an Ostern und Weihnachten. Feiertage sind besondere Tage im Kalender, die häufig eine religiöse oder aber eine landesgeschichtliche Grundlage haben. Geburtstage sind individuelle Festtage.
„Kirchenhistoriker schauen sich Religionen in der Vergangenheit an“, erklärt Niklas Bend den Kindern. Dazu gehört beispielsweise, alte Inschriften und Texte zu entziffern. Die Inhalte tragen zum Verständnis von Kulturen und deren Traditionen bei. Ostern, St. Martin und Weihnachten sind in unserem Land alte Feiertage mit Traditionen. „Steht auf, wenn ihr schonmal bunte Eier gesucht habt!“ Nahezu alle Kinder erhoben sich von den Stühlen. „Steht auf, wenn ihr schonmal einen Weihnachtsmann aus Schokolade gegessen habt!“ „Steht auf, wenn ihr schonmal eine Laterne gebastelt habt!“
An Weihnachten feiern Christen die Geburt von Jesus. Weihnachten findet immer am 25./26. Dezember eines Jahres statt. St. Martin ist auf den 11. November terminiert. Namensgeber ist der Heilige Martin, der sein Gewand teilte. Der Ostertermin variiert. Von alters her wird die Auferstehung Christi im Zeitraum des jüdischen Pessachfestes verortet. Bend: „Das Fest richtet sich nach dem Mond“. Und weiter: „Ostern wird immer am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert.“ Viele nachfolgende Feiertage berechnen sich nach dem Osterdatum.
Bend: „Die ersten Christen waren Römer“. Deshalb integrierten sie ihre christlichen Feiertage in den Kalender. Das Kirchenjahr wurde zur Basis dieses Kalenders: „Sie schufen ein neues System der Zeiteinteilung“. Im römischen Reich galt der Sonntag als „Tag der Sonne“. Im christlich-römischen wie auch im muslimischen Kalender markiert der Sonntag den ersten Tag der Woche.
Seit dem 4. Jahrhundert nach Christi Geburt feiern Christen Weihnachten. Das Fest fällt in die dunkelste Zeit des Jahres. Symbolisch kam das Licht in die Welt. Faktisch spielen in der Tradition Lichter eine bedeutende Rolle. Bend: „Viele Kulturen kennen ein Lichtfest in dieser Zeit.“ Während des Winters ruhte die Landwirtschaft. Die Tage waren kurz. Licht war rar. Die Menschen hatten weniger Arbeit und mehr Zeit für Familie und Freunde. Ostern markiert das Ende des Winters und den Beginn des Frühjahrs. Bend: „Das ist eine Zeit des Neubeginns und des Wachstums. Nach dem Winter gibt es neues Leben.“ Dafür stehen Osterbräuche wie Eier, Feuer und Hase. St. Martin findet im Herbst statt und steht jahreszeitlich für die Erntezeit und den Übergang zum Winter. Die drei genannten christlichen Feiertage stehen also auch für die Jahreszeiten der Aussaat (Ostern), der Ernte (St. Martin) und der Ruhezeit (Weihnachten).