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Was Caroline Wahl so populär macht

Caroline Wahl ist eine Bestsellerautorin und ihre Romane sind inzwischen auch Gegenstand literaturwissenschaftlicher Forschung. Der Sonderforschungsbereich „Transformationen des Populären“ an der Universität Siegen widmete ihrem Werk die erste wissenschaftliche Tagung.

Portrait der Autorin Caroline Wahl.

Die Bestsellerautorin und ihre Werke standen im Mittelpunkt der Tagung des SBF „Transformationen des Populären". 

Drei Romane, drei Bestseller, eine Verfilmung und eine intensive öffentliche Debatte: Caroline Wahl zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Unter dem Titel „Problematisierte Popularität. Caroline Wahls Literatur“ kamen Literaturwissenschaftler*innen aus ganz Deutschland an der Universität Siegen zusammen, um zwei Tage lang über ihre Romane, ihre öffentliche Präsenz und die Bedeutung von Popularität in der Gegenwartsliteratur zu diskutieren.

Mit ihren Romanen „22 Bahnen“, „Windstärke 17“ und „Die Assistentin“ hat Caroline Wahl innerhalb weniger Jahre ein breites Publikum erreicht. Ihre Bücher werden verfilmt, in schulischen Kontexten eingesetzt, in Unterrichtsmaterialien aufgegriffen und in Podcasts, Fernsehsendungen sowie auf Lesetouren präsentiert. Gleichzeitig werden die Autorin und ihr Werk kontrovers diskutiert: Während viele Leserinnen und Leser die Zugänglichkeit ihrer Texte schätzen, wird in Feuilletons und literarischen Debatten über ihre Erzählweisen, ihren literarischen Status und das Verhältnis von Unterhaltung und Gegenwartsliteratur gestritten. Wahls große Popularität erweist sich als Problem, weil die Abwertung ihrer Werke Hundertausende von Leser*innen herabsetzt, aber auch die Aufwertung der Romane als opportunistische Anpassung an den Markt denunziert wird. Die Formen und Verfahren der Romane spielen in diesem Streit kaum eine Rolle und wurden daher ins Zentrum des Workshops gestellt, der von Dr. Matthias Schaffrick und Prof. Dr. Niels Werber organisiert wurde. „Der Anlass für uns, diese Tagung zu organisieren, war der ungewöhnliche Erfolg der Autorin auf den Bestsellerlisten. Aber vor allem haben wir beim Lesen der Romane gemerkt, dass es sich um eine Form von Literatur handelt, die überraschend anders ist als das, was sonst gegenwärtig auf den Bestsellerlisten steht.“

Die neun Vorträge widmeten sich verschiedenen Facetten des literarischen und öffentlichen Phänomens Caroline Wahl. Thematisiert wurden unter anderem die Rolle von Social Media und öffentlicher Selbstinszenierung, die Verbindung von literarischem Erfolg und Autorinnenfigur sowie die Frage, mit welchen Methoden Bestsellerliteratur wissenschaftlich untersucht werden kann.

Dabei stand nicht die Gegenüberstellung von Popularität und literarischer Qualität im Mittelpunkt. Vielmehr ging es um die konkreten ästhetischen Verfahren der Texte: Welche Erzählweisen, Themen und Figurenkonstellationen prägen Caroline Wahls Romane? Welche Rolle spielen Gefühle wie Trauer, Wut, Freude oder Empowerment für die Texte und ihre Rezeption? Und wie verändert sich der Umgang mit Literatur, wenn Reichweite, Verkaufszahlen und öffentliche Sichtbarkeit zunehmend Teil literarischer Debatten werden? „Die Romane sind immer auf der Suche nach der richtigen Form für die Geschichte, die erzählt wird. Dabei entfalten die Texte ein weit verzweigtes popkulturelles und literarisches Verweissystem von Hip Hop bis Rilke“, erklärt Matthias Schaffrick.

Der kleine, diskussionsfreudige und textsichere Workshop fand außerhalb des universitären Umfelds große mediale Aufmerksamkeit. Der populäre Name rückte die Forschung zu Fragen der Popularität prompt selbst ins Scheinwerferlicht. Matthias Schaffrick: „Caroline Wahl hat unsere Tagungsankündigung in ihrer Instagram Story geteilt und dort auch einzelne Vortragstitel kurz kommentiert. Wir freuen uns, dass die Tagung auf diese Weise Beachtung gefunden hat. Aber vor allem über die intensiven Diskussionen und die Ergebnisse der Tagung.“ Eine Publikation dazu ist in Vorbereitung.

Medien-Echo:

Die Zeit: Was sagt denn die Wahl-Forschung?

SPIEGEL: Caro Wahl: Was eine Uni-Tagung über Caroline Wahl verrät

Bayrischer Rundfunk (Kultur-Update): Erste Fachtagung über Bestseller-Autorin Caroline Wahl

 

Hinweis: Über den Account der Universitätsbibliothek können die Zeitschriften-Artikel kostenlos gelesen werden. 

Weiterführende Links

SFB Transformationen des Populären

 

Ansprechpartner

Niels Werber

Univ.-Prof. Dr. Niels Werber

Sprecher Teilprojektleiter A01 Seri­en­po­li­tik der Popäs­the­tik: Super­hero-Comics und Science-Fiction-Heft­ro­mane Teilprojektleiter A02 Pop-Ästhe­ti­ken
Matthias Schaffrick

Dr. Matthias Schaffrick

Mitarbeiter Teilprojekt A02 Pop-Ästhe­ti­ken
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