Wenn Makkaroni zu Meisterwerken werden
Zwischen meterhohen Stahlträgern und schweren Maschinen stehen ungewöhnlich zarte Bauwerke: Kräne aus Makkaroni, präzise konstruiert, sorgfältig geklebt. Zum ersten Mal wurde der Wettbewerb „Mission Nudelkran“ der Universität Siegen in der modernisierten Industriehalle des Campus Buschhütten ausgetragen. 91 Schülerinnen und Schüler aus elf Schulen des Dreiländerecks Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz waren angereist, um den stärksten Kran aus handelsüblichen Nudeln zu ermitteln. Die Regeln waren klar: Zwei Packungen Makkaroni und Klebstoff – mehr stand keinem Team zur Verfügung. Innerhalb von drei Monaten galt es, eine Konstruktion zu entwickeln, die im Verhältnis zu ihrem Eigengewicht die maximale Traglast erreicht. In die Gesamtwertung flossen zudem die Qualität der Dokumentation, die Kreativität der Idee und die Präzision der Ausführung ein.
Location vereinte jungen Erfindergeist mit Industrie-Charm
Zum ersten Mal in der 23-jährigen Geschichte der ingenieurtechnischen Schülerwettbewerbe an der Uni Siegen fand das Finale am Campus Buschhütten statt. „Diese Location ist etwas ganz Besonderes. Wir hatten die Möglichkeit, unseren Wettbewerb in einer alten Stahlhalle auszurichten, in der gleichzeitig im Hintergrund gearbeitet wurde“, sagte Prof. Dr.-Ing. Daniel Pak von der Professur für Stahlbau und Stahlverbundbau an der Uni Siegen. Der industrielle Rahmen passe ideal zu einer Aufgabe, bei der es um Statik, Materialverständnis und Teamarbeit gehe. Pak moderierte die Veranstaltung mit seinem Straßenbau-Kollegen Prof. Dr.-Ing. Christian Schulze.
Am Campus Buschhütten kooperieren mittlerweile 97 Industrieunternehmen, vor allem aus der Region, mit der Universität Siegen sowie weiteren Partnern aus den Bereichen Forschung und Bildung. Dr. Gabriele Barten, als Mitglied der Geschäftsleitung Achenbach-Buschhütten Holding mitverantwortlich für den Campus Buschhütten, wandte sich mit klaren Worten an die Schüler*innen: „Ich hoffe, dass Sie heute nicht nur als begeisterte Nudelkranbauer hier sitzen, sondern dass auch einige künftige Bauingenieure, Maschinenbauer und Straßenbauer dabei sind. Klasse übrigens, dass auch einige Mädels heute teilnehmen. Die Ingenieurwissenschaften sind megaspannend, und gute Ingenieure und Ingenieurinnen – das ist sicher – werden stark nachgefragt; die Welt steht Ihnen also offen.“ Barten fügte hinzu: „Kommen Sie im nächsten Jahr für den Wettbewerb doch einfach wieder zu uns auf den Campus.“
Wer hat die beste Konstruktion?
Von massiv bis filigran – die Bandbreite der Konstruktionen war enorm. Ein Team verbaute nahezu das gesamte Kilo Nudelvorrat. Besonders ins Auge fiel ein Kran mit radikal minimalistischem Ansatz. Er kam mit einer einstelligen Anzahl an Nudeln aus, wog lediglich 18 Gramm und erinnerte an Kräne aus dem antiken Griechenland oder Rom. Schon vor Beginn der Belastungstests wurde getuschelt und dieses Modell als Favorit gehandelt.
Getestet wurden die Bauwerke in einer hydraulischen Prüfeinrichtung. Per Live-Messung verfolgten die Schüler-Teams auf einem Bildschirm, welche Kraft ihre Konstruktionen aushielten. Als das Team der Rudolf-Steiner-Schule Siegen an der Reihe war, hielt die Halle den Atem an. Die Konstruktion verformte sich bei hoher Belastung, blieb jedoch standhaft. Erster ungläubiger Jubel brandete auf. Erst bei 23,6 Kilogramm versagte das Material, die Makkaroni splitterten. Eine Leistung, die lange nach dem sicheren Sieg aussah.
Doch dann kam der Auftritt des Leichtgewichts: der 18-Gramm-Kran des Berufskollegs Technik Siegen. Die Traglast blieb mit etwas mehr als zwei Kilogramm deutlich unter der der Konkurrenten. Doch weil das Verhältnis von Eigengewicht zu Tragfähigkeit entscheidend war, schlug der Minimalismus die Masse: Platz Eins für das filigranste Bauwerk des Tages.
Wie viel Planung in den scheinbar spielerischen Kran-Konstruktionen steckte, berichteten Nora Eibach und Nina Gripskamp vom Engelbert-von-Berg-Gymnasium Wipperfürth: „Wichtig war uns, dass wir nicht einfach drauf los bauen, sondern einen Plan haben. Wir haben zuerst einen Prototyp gebaut, um Schwachstellen zu testen. Dabei haben wir gelernt, wie erfolgreich Gruppenarbeit sein kann, und wie wir als Team Lösungen finden.“ Insgesamt hatten sie über zehn Stunden lang geplant und gebaut. Ihr Kran trug am Ende 4,6 Kilogramm Last.
Die Plätze eins bis drei wurden mit Geldpreisen in Höhe von 150, 100 und 50 Euro ausgezeichnet, gestiftet vom Förderverein Architektur und Bauingenieurwesen der Universität Siegen. Unterstützt wurde die Ausscheidung und Belastungsprüfung vom Campus Buschhütten mit der SDFS Smarter Demonstrationsfabrik Siegen und der SLB Smarter Lernfabrik Buschhütten.
Platz 1: Berufskolleg Technik Siegen, Team 6.1
Traglast: 2,085 kg, Eigengewicht: 18 g
Elias Schreiter, Erik Boike, Nils Urban, Leonhard Möllney
Platz 2: Rudolf-Steiner-Schule Siegen, Team 5.1.
Traglast: 23,614 kg, Eigengewicht: 253 g
Jesaja Gjokaj, Rouven Eichenauer, Emil Müller
Platz 3: Städtisches Albert-Schweitzer-Gymnasium Plettenberg
Traglast: 10,925 kg, Eigengewicht: 253 g
Felix Päckert, Jinhon Nahn, Jiehou Nahn, Nina Seibt, Lena Schröder