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Dr. Sebastian Hanstein

PD Dr. Sebastian Hanstein

Katholische Theologie - Historische Theologie - Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in

Büroadresse

AR-K 510
Ebene 5
Adolf-Reichwein-Str. 2
57076
Siegen

Sprechstunden nach Vereinbarung.

Kurzvita

2003-2010      Studium der Geschichtswissenschaft, Germanistik, Anglistik und Theologie an den Universitäten Bochum und Bonn

2010                Diplom in Katholischer Theologie

2020                Promotion zum Dr. theol. im Fach Alte Kirchengeschichte an der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Bonn

2025                Habilitation an der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Bonn; venia legendi für das Fach Alte Kirchengeschichte und Patrologie

 

2010-2017      Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Historische Theologie, Institut für Katholische Theologie, Universität zu Köln

2017                Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der Universität zu Köln

2018-2022      Wissenschaftlicher Mitarbeiter ebd.

2021-2024      Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Historische Theologie am Seminar für Katholische Theologie der Universität Siegen

2022                Lehrbeauftragter für Alte Kirchengeschichte an der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Erfurt

2024-2025      Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der Universität Siegen

2024-2025      Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der Universität Wuppertal

2025-              Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Historische Theologie am Seminar für Katholische Theologie der Universität Siegen

Lehre

Im Sommersemester 2026: Kirchengeschichte des Mittelalters im Spiegel der 'Göttlichen Komödie' von Dante

 

1. Lehrveranstaltungen aus dem Bereich der Alten Kirchengeschichte

Lektüre frühchristlicher Texte (Universität zu Köln)

Lektüre frühchristlicher Texte zum Verhältnis von Juden und Christen (Universität zu Köln) 

Hagiographie (Universität zu Köln)

Dämonen (Universität Siegen)

Christentum im 2. Jahrhundert (Universität zu Köln) 

Christentum im 3. Jahrhundert (Universität zu Köln)

Frühchristliche Literatur 1: Die ‚Apostolischen Väter‘ – die frühesten christlichen Schriften außerhalb des Neuen Testamentes (Universität zu Köln)

Frühchristliche Literatur 2: Lateinische christliche Literatur aus vorkonstantinischer Zeit (Universität zu Köln)

Lektüre: Die vorkonstantinische Kirche (Universität zu Köln)

Einführung in die Lehre der antiken Gnostiker (Universität zu Köln)

Konstantinische Wende und Reichskirche im 4. Jahrhundert (Universität zu Köln) 

Gemeindealltag in der nachkonstantinischen Zeit (Universität zu Köln)

Liturgie in der Alten Kirche (Universität zu Köln)

Lektüre: Die Weihnachtspredigten Leos des Großen (Universität zu Köln)

Ambrosius und seine Zeit (Universität Siegen)

Augustinus und seine Zeit (Universität zu Köln)

Hieronymus und seine Zeit (Universität Siegen)

Martin von Tours (Universität Siegen)

Innerkirchliches Leben in Rom (312-461): Kirchbau und Liturgie (Universität zu Köln)

Lektüre spätantiker Texte aus dem syrisch-palästinensischen Raum (Universität zu Köln) 

Syrisches Mönchtum in frühbyzantinischer Zeit (Universität zu Köln)

Organisation und spirituelles Leben im 5. und 6. Jahrhundert im Byzantinischen Reich (Universität zu Köln)

Wüste - Ort des Heils und Ort der Fremde (Universität zu Köln)

Spätantike christliche Aristokratie in Südgallien (Universität zu Köln)

VL: Geschichte der Alten Kirche (Universität Erfurt)

Kirchengeschichte der Antike (Universität zu Köln)

Kirchengeschichte der Antike - ein Epochenüberblick (Universität zu Köln)

 

2. Lehrveranstaltungen aus dem Bereich der Mittelalterlichen und Neuen Kirchengeschichte und epochenübergreifende Lehrveranstaltungen

VL: Kirchengeschichte des Mittelalters (Universität zu Köln)

Das Hochmittelalter im Spiegel der Bettelorden (Universität Siegen)

Scholastik – Von der Klosterschule zur Universität (Universität Wuppertal)

Das Spätmittelalter - Zwischen Schisma, Verinnerlichung und Volksfrömmigkeit (Universität Siegen)

Reformation im Spannungsfeld von Frömmigkeit, Humanismus und Scholastik (Universität Siegen)

Das 'Konfessionelle Zeitalter' (Universität Siegen)

Vom Barock zur Aufklärung: Die Katholische Kirche im 17. und 18. Jahrhundert (Universität Siegen)

Das westliche Mönchtum von den Anfängen bis ins Mittelalter (Universität Siegen)   

VL: Kirchengeschichte von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert - ein Überblick (Universität zu Köln)

Schlaglichter der Kirchengeschichte (Universität Siegen)   

Missionsgeschichte (Universität Siegen)

Geschichte der Liturgie im Abendland (Universität Siegen)

Von Märtyrern, Ketzern und (Gegen-)Päpsten. Zentrale Themen und Orte der Theologiegeschichte in Frankreich (Universität Siegen)

Behinderung in religionspädagogischer und kirchenhistorischer Perspektive (Universität zu Köln)

Forschung

Frühchristliche Sozialgeschichte (insb. Gemeindealltag)

Frühchristliche Sozialgeschichte untersucht nach meinem Verständnis, wie Christen in der Antike ihren Alltag gestalteten und wie Gemeinden als soziale Gruppen funktionierten. Ich arbeite mit Texten unterschiedlicher Gattungen wie Predigten, Briefen, Briefen, Kirchenordnungen und anderen, um Rollenbilder, Autorität, Konflikte, soziale Ungleichheit, Armut und Reichtum und Spezifika christlicher Familien zu erschließen. Im Mittelpunkt steht, wie religiöse Normen Verhalten prägten und wie christliche Identität in der Praxis in Auseinandersetzung mit städtischer Kultur und politischem Druck sichtbar wurde.

 

Texte zur asketischen Lebensführung christlicher Aristokraten: das sog. Corpus Caspari

Das Corpus Caspari umfasst zwei Briefe, Honorificentiae tuae und Humanae referunt litterae, sowie vier Traktate, De divitiis, De malis doctoribus, De castitate und De possibilitate non peccandi. Autorschaft, Entstehungskontexte und Nähe zum Pelagianismus sind umstritten. Sicher ist ein hochgebildetes, aristokratisches Milieu, wohl in Rom und Sizilien, vielleicht auch in weiteren westlichen Regionen. Ziel des Projekts ist die textliche, inhaltliche und sozialgeschichtliche Erschließung des Corpus, das trotz seiner Relevanz kaum bearbeitet ist. Im Zentrum stehen christliche Identität, „Minimalchristentum“ und Gericht (De malis doctoribus), ferner soziale Ordnung, die Umcodierung von Haus, Reichtum, Amt, Ehe und Jungfräulichkeit, weibliche Autoritäten (vgl. Honorificentiae tuae) sowie der Umgang mit Rang, Ehre und Patronage.

 

Liturgie (insb. stadtrömische Liturgie)

Stadtrömische Liturgiegeschichte untersucht die Gottesdienstpraxis der Kirche von Rom in der Spätantike und ihre Entwicklung in historischer Perspektive. Im Zentrum stehen liturgische Ordnungen, Festkalender, Kirchenbauten und weitere Kultorte sowie Prozessionen im Stadtraum. Grundlage sind vor allem Sakramentare, Ordines, Homilien, Pilgerberichte und archäologische Befunde. Mich interessieren insbesondere die Textbestände der stadtrömischen Liturgie und ihre historische Einbettung. Ein Schwerpunkt liegt auf der inhaltlichen Erschließung von Gebeten, um Leitvorstellungen, theologische Akzentsetzungen und pastorale Zielrichtungen im Vollzug der Liturgie sichtbar zu machen.

 

'Gnosis', Häresiologie und Häresiographie

Ich verstehe Gnosis als eine Form der Interpretation der christlichen Botschaft im Horizont antiker Philosophie, Astrologie, Mysterienreligionen und weiterer religiöser Traditionen. Im Zusammenhang damit analysiere ich Häresiologie und Häresiographie als literarische und soziale Praktiken, durch die Christen Abweichung beschrieben, Grenzen zogen und Autorität begründeten. Sozialgeschichtlich interessieren mich Lehrerfiguren, Schülerkreise und Konventikel als Träger gnosisnaher Deutungen, die teils innerhalb der Gemeinden wirkten, teils in Spannung zur gemeindlichen Ordnung standen.

In meiner Dissertation untersuche ich die Refutatio omnium haeresium, die traditionell Hippolyt von Rom zugeschrieben wird, aus neuer Perspektive. Ich deute die Schrift als apologetische Werbeschrift und analysiere Gattung, Intention und Arbeitsmethode im Vergleich zu kaiserzeitlichen Autoren. Dabei zeige ich, wie der Verfasser Vorlagen kreativ umformt und kompiliert und dass das Sondergut weitgehend eigene Literatur sein dürfte. Ein Schwerpunkt ist die strukturierte, inhaltlich genaue Untersuchung der sog. Peraten, einer vermeintlichen gnostischen Sekte.

 

Gallien in der Spätantike (Lebensformen, Mönchtum, Salvian)

Ich befasse mich mit Gallien in der Spätantike als einem Raum tiefgreifender kirchlicher und sozialer Umbrüche, insbesondere im Kontext der sogenannten Völkerwanderung, die neue politische Rahmenbedingungen und innergemeindliche Spannungen erzeugte. Im Zentrum meines Interesses stehen die Ausbildung und Verdichtung der Diözesenstrukturen, bischöfliche Netzwerke und die organisatorische Durchdringung lokaler Gemeinden. Besonderes Augenmerk gilt dem gallischen Mönchtum, etwa dem Kloster Lérins als Reform- und Kommunikationszentrum. Sozialgeschichtlich untersuche ich aristokratische Christen als Träger von Patronage, Bildung und Kommunikation sowie ihren Einfluss auf kirchliche Entscheidungen.

In meiner Habilitationsschrift „Sanctitas. Die vita christiana und ihre biblische und theologische Fundierung bei Salvian von Marseille“ untersuche ich, wie der gallische Presbyter Salvian im fünften Jahrhundert unter Bedingungen politischer und gesellschaftlicher Krisen ein anspruchsvolles Modell christlicher Lebensführung entwirft. Ausgangspunkt sind die Schriften Ad ecclesiam und De gubernatione Dei, die sich vor allem an reiche und einflussreiche Christen richten. Im Zentrum steht, wie Salvian aus der Heiligen Schrift eine Ethik gewinnt, die Taufe, conversio und vita christiana eng verbindet und Christsein als umfassende Umgestaltung von Denken, Frömmigkeit und sozialem Handeln versteht. Indem er nobilitas und virtus neu deutet, bietet er der spätantiken Oberschicht ein alternatives Selbstverständnis.