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Das Theater des Hans Sachs 1517–1565

Kritische und kommentierte Neuedition aller Fastnachtspiele, Komödien und Tragödien einschließlich themengleicher Dichtungen 

Hans Sachs gilt heute als der produktivste, anerkannteste und einflussreichste deutschsprachige Dichter des 16. Jahrhunderts. Aus seinem über 6.200 Werke umfassenden Oeuvre sticht das Theater mit 203 Spieltexten besonders hervor: Diese zeichnen sich durch dramatische Qualität, sprachliche Prägnanz und lexikalischen Reichtum aus. Bis heute gibt es jedoch keine zufriedenstellende Ausgabe, was dazu beigetragen hat, dass ein beträchtlicher Teil seiner Stücke noch kaum erforscht worden ist. Hier will das neue Projekt Abhilfe schaffen. Um den Entstehungsprozess der Spiele zu erhellen, werden erstmals auch Sachs' stoffgleiche Meisterlieder und Spruchgedichte in die Edition einbezogen.

Bildnis des Hans Sachs im Alter von 51

In Kooperation

Logos Marburg Siegen

 

 

Projektbeschreibung

Die mangelhafte Editionslage des Sachsschen Mammutwerks wird von der Forschung seit Längerem angemahnt. Die Neuedition seines gesamten Oeuvres ist im Rahmen eines einzelnen Editionsvorhabens jedoch nicht zu bewältigen. Das Projekt wird in 7,5 Jahren an den Standorten Marburg und Siegen zunächst die 203 Spieltexte (80 Fastnachtspiele, 64 Komödien und 59 Tragödien) des Hans Sachs edieren. 

Sachs hat sich über Jahrzehnte hinweg mit denselben Stoffen in verschiedenen Ausdrucksformen beschäftigt. Die parallele Edition dieser themengleichen Dichtungen (ca. 235 Meisterlieder und ca. 85 Spruchgedichte) verspricht Einblicke in den Entstehungsprozess der Spiele.

Vorgesehen ist eine Hybridedition: Neben einer digitalen Transkription im Deutschen Textarchiv (DTA) wird eine Printedition mit E-Ressource erstellt, wodurch sowohl traditionell hermeneutische Zugänge als auch maschinelle Durchsuchbarkeit und Weiterverarbeitung des Korpus ermöglicht werden.

Das Projekt verfolgt drei Ziele:
  1. Mit der Edition soll eine zuverlässige Grundlage für die künftige literatur-, kultur-, theater- und sprachwissenschaftliche Erforschung der Dramen von Hans Sachs entstehen.
  2. Die ausführliche Kommentierung wird erstmals den Zugriff auf Werkkomplexe und das Verständnis schwieriger Textstellen erleichtern. 
  3. Durch die Aufnahme der themen- und stoffanalogen Meisterlieder (ca. 235) und Spruchgedichte (ca. 85) wird ein Zugang zur Genese von Sachs’ Theaterschaffen als wirkmächtiges Popularisierungsmedium geschaffen.

Mit Abschluss der Edition wird die künftige Erforschung der Sachsschen Dramentexte, des Theaters des 16. Jahrhunderts, aber auch der Kultur-, Wissens- und Religionsgeschichte der Zeit in den verschiedenen Disziplinen (u.a. Germanistik, Geschichte, Theologie und Wissensgeschichte) auf eine neue Basis gestellt sein.

Alles auf einen Blick

  • Icon Kalender

    Laufzeit
    ab 01.01.2026

  • Icon Tag

    Forschungsbereich
    Medien und Kultur

  • Handshake

    Kooperationspartner
    Philipps-Universität Marburg

  • Icon Abzeichen Euro

    Finanzierung
    Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG): 2,6 Millionen Euro

 

Aktuelles

Medienberichte

Die Hans Sachs-Forschungsstelle Siegen hat am 1.1.2026 ihre Arbeit aufgenommen. Erste Reaktionen auf das Projekt in Presse und fachfremden Medien.

Vorträge

Projekt-Präsentation von PD Dr. Almut Schneider im Rahmen des Workshops "Musik und Metrik. Sangbare Lyrik vom Codex Buranus bis Hans Sachs" am 16.6.2026 an der Universität Jena.

 

 

International Medieval Congress

Der wissenschaftlichen Öffentlichkeit wird das Projekt am 7.7.2026 im Rahmen des International Medieval Congress an der University of Leeds vorgestellt.

Vorgehen

1

Erfassung

Textgrundlage für die Spieltexte und Spruchgedichte ist die Folio-Ausgabe, für die Meisterlieder die autographen Meistergesang-Bücher. Darüber hinaus werden insbesondere autographe Handschriften und Drucke zu Lebzeiten berücksichtigt. In einem ersten Schritt ist die eigentliche Textmasse in der Folio-Ausgabe buchstabengetreu elektronisch (OCR-Verfahren) zu erfassen. Die Handschriften werden manuell transkribiert. Die Transkription erfolgt nach den Richtlinien des Deutschen Textarchivs (DTA).

2

Aufbereitung

Vorgesehen ist die fortlaufende Veröffentlichung digitaler Transkriptionen im DTA. Das Textarchiv wird seit 2007 von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften betrieben und garantiert die langfristige Verfügbarkeit und Auffindbarkeit der hochgradig standardisierten und durchsuchbaren Daten. Im Portal lassen sich außerdem Original und Transkription nebeneinander anzeigen, sodass die digitale Ausgabe neben der elektronische Weiterverarbeitung auch den Zugriff auf die originale Schreibweise ermöglicht.

3

Edition & Kommentar

Das gedruckte Buch bietet die aufbereitete Edition (normalisiert und von evidenten Fehlern bereinigt) mitsamt kritischem Apparat, Stellenkommentar und Werkkommentar. Die Druckfassung ermöglicht das klare Referenzieren und Zitieren von Seiten und garantiert die dauerhafte Konservierung über einen langen Zeitraum unabhängig von einem bestimmten Datenformat oder dem technischen Fortschritt. Zusätzlich wird die Printedition auch als E-Book zugänglich gemacht, was rasches Nachschlagen erlaubt.

Team

Team der Hans Sachs Forschungsstelle

von links nach rechts: Leonie Mohr, Almut Schneider, Henrike Schwab, Darleen Herbst, Hans Rudolf Velten, Nathanael Busch

Materialien und Probeedition

Cover Irrfahrt Ulissi

Pilotprojekt

Im Rahmen eines Pilotprojekts wurde 2017 Hans Sachs' Komödie Irrfart Ulissi mit den Werbern und seiner Gemahel Penelope, die erste Dramatisierung der Odyssee in deutscher Sprache (auf Basis einer Übersetzung des Humanisten Simon Schaidenreissers), von den Projektleitern ediert und im DTA als digitale Ressource zur Verfügung gestellt.

Folioausgabe (A) Hans Sachs

Folio-Ausgabe

Die von Sachs selbst zusammengestellte Werkausgabe (5 Bände, 1. Auflage: 1558-1579) ist in digitaler Form zugänglich. Nicht in den Druck kamen seine Meisterlieder. Bis heute sind diese vielfach nur in den autographen Meistergesangbüchern zugänglich, die teilweise erhalten sind und überwiegend im Stadtarchiv Zwickau liegen.

Ausgabe KG

Ausgabe Keller/Goetze

Über verstreute Einzel- und Teilausgaben hinaus stellt die 26-bändige Werkausgabe (1870-1908) von Adelbert von Keller und Edmund Goetze, die sich eng an die von Hans Sachs selbst betreute Ausgabe seiner Werke in fünf Folio-Bänden (1558–1579) anlehnt, nach wie vor die maßgebliche Ausgabe dar. Wie die Folio-Bände nimmt sie Sachs' Meisterlieder aus. Für diese muss die Forschung vielfach noch auf Handschriften zugreifen.