Aktuelles
ZetKIK mit dem Initiativpreis Deutsche Sprache ausgezeichnet
Dieter Schönecker erhielt für die deutschsprachige Kant-Forschung am ZetKIK den Initiativpreis Deutsche Sprache 2011.
- Interview in der Siegener Zeitung, 14.05.2011.
- Dankesrede anlässlich der Preisverleihung in Kassel am 15.10.2011, Abdruck in "Forschung und Lehre" 12/2011
Dazu: Über Forschende, die kein Deutsch können:
Forschungsprojekte
Die Tugendlehre ist eines der ethischen Hauptwerke Kants, das ungerechtfertigterweise lange innerhalb der philosophischen Forschung vernachlässigt wurde. Gegenwärtig werden große Teile der für die Forschung maßgeblichen Akademie-Ausgabe des Gesamtwerks Kants im Rahmen eines umfassenden Projekts der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften einer kritischen Überarbeitung unterzogen, darunter auch die Tugendlehre. Prof. Schönecker ist dabei für die Erstellung einer historisch-kritischen Neuausgabe der Tugendlehre zuständig; da Edition und Interpretation miteinander verwoben sind, wird gleichzeitig ein umfassender Kommentar zur Tugendlehre erstellt.
Zur Durchführung von Edition und Interpretation wurden erfolgreich DFG-Mittel eingeworben.
Maja Schepelmann ist mit der Editionsarbeit betraut, Elke Elisabeth Schmidt zusammen mit Herrn Schönecker mit der Interpretation.
Ansprechpartner: Prof. Dr. Dieter Schönecker
Arbeitstitel der Dissertation
Die zeitgenössische Naturrechtsethik und die Philosophie der Sexualität: Eine Analyse und Kritik.
Beschreibung des Promotionsprojektes
Das Ziel dieser Arbeit ist eine Analyse und Kritik der neuen Naturrechtsethik: Wie sieht eine moderne Naturrechtsethik aus, welche Prinzipien liegen einer neuen Naturrechtsethik zugrunde, welche Lösungen schlägt die Naturrechtsethik in Bezug auf vieldiskutierte ethische Probleme vor, welche Bewertungskriterien werden formuliert, um Handlungen überhaupt ethisch bewerten zu können und welche Handlungspflichten oder Handlungsverbote ergeben sich daraus für uns Menschen?
Einleitend wird die Naturrechtsethik in geschichtlicher Auseinandersetzung vorgestellt; der Schwerpunkt soll allerdings eine systematische Analyse und Weiterentwicklung der neuen Naturrechtsethik sein, die im angelsächsischen Raum derzeit von John Finnis, Robert P. George, David S. Oderberg und in Deutschland Robert Spaemann vertreten wird.
In dem systematischen Hauptteil sollen hier besonders drei zentrale Diskussionskontexte aufgegriffen werden:
1. Natürliche Zwecke und das Gute
2. Das moralische Gesetz, moralische Rechte und moralische Pflichten in neuen Naturrechtsethiken
3. Naturrechtsethik als non-konsequentialistische Ethik
Um zu zeigen, dass die Naturrechtsethik nach wie vor eine kohärente und plausible Moraltheorie ist, die auch fähig ist, Probleme der aktuellen ethischen Debatte zu diskutieren und aufzulösen, wird in einem umfangreichen Kapitel die naturrechtsethische Position in Bezug auf die Sterbehilfeproblematik (und eventuell auf den Diskurs über die Homoehe) untersucht, dargestellt, kritisiert und erweitert.
Besonders innovativ und interessant soll das Projekt dahingehend sein, dass ungelöste Probleme und Fragen hinsichtlich der fundamentalen Prinzipien der Naturrechtslehre, der Kollision von moralischen Rechten, der Anwendung des Prinzips der doppelten Wirkung und dem Katalog der sog. „basic human goods“ aufgegriffen und durch neue Beispiele und Argumente aufgelöst werden sollen, ohne das Grundgerüst der Naturrechtsethik aufzulösen.
von: Christian Prust
Arbeitstitel der Dissertation
‚Ich denke‘ als empirischer Satz in den Paralogismen der KrV
Beschreibung des Promotionsprojektes
Das Ziel meiner Dissertation besteht darin, den Satz „der Satz ‚Ich denke‘ ist ein empirischer Satz“ kommentarisch zu interpretieren. Forschungen und Interpretationen dieses Satzes werden trotz seiner Wichtigkeit für das Verstehen der Philosophie Kants insbesondere der KrV bisher relativ wenig berücksichtigt. Ein Grund dafür besteht in der Schwierigkeit, den Satz zu verstehen. Diese Schwierigkeit ist darauf zurückzuführen, dass die Begriffe der Transzendentalphilosophie Kants vornehmlich behandelt werden müssen, bevor auf diejenige These des denkenden empirischen Ich eingegangen werden kann. Aber die Tatsache, dass die Kernbegriffe in seiner Philosophie der These zugrunde liegen, ist wiederum eine wesentliche Ursache dafür, warum die Interpretation dieses schwierigen Satzes so bedeutend ist, denn diese These durch solche Begriffe zu stützen, bedeutet, durch Interpretation des Satzes einen guten Weg zum Verstehen seiner Philosophie nehmen zu können. Darum hat meine Dissertation zwei Hauptteile; der erste Hauptteil behandelt den Kontext einer Theorie des ‚Ich denke‘, worin die auf den thematisierten Satz bezogenen wesentlichen Punkte der Transzendentalphilosophie durchgesehen werden; im zweiten Hauptteil geht es um die kommentarische Interpretation einiger ausgewählter Stellen, auf die sich der Satz „Der Satz ‚Ich denke‘ ist ein empirischer Satz“ unmittelbar bezieht; die Stellen sind B422 f. Anm.; B428 f. aus der KrV; „VII142, VII397 f. aus der Anthropologie; XXVIII590 f. aus der Metaphysik L2. Die Stellen aus der KrV stellen dabei die Hauptstellen dar und die anderen Stellen werden als parallele Stellen behandelt; die Stellen außerhalb der KrV werden also nur zur Unterstützung der Interpretation der Hauptstellen in der KrV herangezogen.
von: Hyeongjoo Kim
Arbeitstitel der Dissertation
Bedeutung und Umfang von Kants Begriff der Maxime
Beschreibung des Promotionsprojektes
Leider hat Kant uns keine systematische Abhandlung über die rationale Agentur hinterlassen. Seine Handlungstheorie präsentiert sich in seinen Abhandlungen über Ethik, Rechtsphilosophie und Religion und in einigen Passagen aus Werken anderer Natur verstreut. Im Mittelpunkt dieser Theorie des Handelns befindet sich der Begriff der Maxime. Alle Handlungen vernünftiger Wesen werden durch Maxime bestimmt. Es ist jedoch nicht einfach genau zu verstehen, was nach Kant unter den Begriff der Maxime fallen würde. Die in der GMS gegebenen Definitionen lassen sich zumindest auf den ersten Blick nicht miteinander in Einklang bringen. Die einzige angeführte Definition in der KpV sowie die von Kant angeführten Beispiele weisen auch keine gemeinsame Einheit auf. In meiner Dissertation beabsichtige ich, die Bedeutung des Begriffs der Maxime in der praktischen Philosophie Kants zu untersuchen. Dazu werde ich zuerst eine ausführliche Analyse aller Definitionen von „Maxime“ machen, die im Werk Kants vorkommen. Anschließend möchte ich mich einer Untersuchung des Ursprungs des Begriffs der Maxime im 18. Jahrhundert widmen und diesen Begriff mit der Art und Weise in Verbindung zu bringen, wie ein praktischer Syllogismus nach Kant konstruiert werden sollte. Schließlich werde ich mich mit interpretativen Problemen und den von Kant angeführten Beispielen befassen.
von: Daniel da Rosa
Arbeitstitel der Dissertation
Der zweite Abschnitt aus Kants „Streit der Fakultäten“ (AA, VII, 79-94) – Kommentarische Interpretation der argumentativen Kernstellen
Beschreibung des Promotionsprojektes
An einer zentralen Stelle seines Spätwerks „Der Streit der Fakultäten“ beantwortet Kant die Titelfrage des zweiten Abschnitts, „Erneuerte Frage: Ob das menschliche Geschlecht im beständigen Fortschreiten zum Besseren sei?“, affirmativ. Es sei, so lautet ein Resümee im siebten von zehn Kapiteln, ein „für die strengste Theorie haltbarer Satz: daß das menschliche Geschlecht im Fortschreiten zum Besseren immer gewesen sei und so fernerhin fortgehen werde“. Mit diesem „Satz“ formuliert Kant die wohl systematisch stärkste Variante einer Fortschrittsthese, welche er in mehreren seiner Abhandlungen zur Geschichtsphilosophie („Idee“, „Gemeinspruch“, „Friedensschrift“, „Erneuerte Frage“) entwickelt, aber auch immer wieder abändert. Mich interessieren Bedeutung und Begründungszusammenhang der Fortschrittsthese in ebendieser Abhandlung, der „Erneuerten Frage“.
Mit den Mitteln der kommentarischen Interpretation will ich zunächst folgenden, die Bedeutung der These betreffenden, Fragen nachgehen: 1. Meint das „Fortschreiten zum Besseren“ tatsächlich, wie einige Stellen nahelegen, ein Fortschreiten im engeren Sinne der moralischen Gesinnung oder, wie andere Stellen in derselben Schrift nahelegen, nur ein Fortschreiten in Rechtsverhältnissen? 2. Wie lässt sich „das menschliche Geschlecht“ als Subjekt denken, insofern Kant in dieser Schrift größten Wert darauf legt, dass damit nicht (allein) ein Kollektiv politischer Akteure, z.B. eine Nation oder ein Völkerbund, gemeint ist, sondern die Menschheit im ganzen? 3. Welchen Geltungsanspruch verbindet Kant mit einem „Satz“, der „allen Ungläubigen zum Trotz […] haltbar“ sein soll, und zwar „für die strengste Theorie“? Erhebt er damit wirklich, wie in der Literatur angenommen, den Anspruch, eine theoretische Erkenntnis gewonnen zu haben? Konfligierte eine solche Interpretation nicht mit Hauptergebnissen der Kantischen Erkenntnistheorie? Oder lässt sich eine befriedigendere Bedeutung von ,haltbar für‘ rekonstruieren (z.B. parallel zum Freiheits„beweis“ der zweiten Kritik)?
von: Volkmar Schocke
Kooperationen
Erstellung und Herausgabe einer Kompilation und eines Stellenindex "Kant zur Philosophie der Mathematik"
Kants Philosophie der Mathematik ist zentraler Bestandteil des kritischen Programms: Die Sätze der Mathematik dienen Kant als Beleg für die Wirklichkeit von synthetischen Urteilen a priori, deren Prinzip im Fokus der Transzendentalphilosophie steht. Dennoch liegt kein geschlossener Text Kants vor, in dem die Geltung mathematischer Urteile und Regeln eigens und im Zusammenhang begründet würde; die Stellen zur Mathematik sind über das ganze Werk verstreut. Das erschwert die interpretatorische Arbeit ungemein; zudem würde erst ein Überblick über die Textlage ermöglichen, umfassende entwicklungsgeschichtliche Studien anzustellen und die Bezüge Kants zur Debatte um die epistemologische und metaphysische Interpretation der Mathematik im 18. Jahrhundert umfassend aufzudecken. Durch die Kompilation und die Erstellung eines Schlagwortregisters werden detaillierte, umfassende und entwicklungsgeschichtlich fundierte Analysen zu Kants Philosophie der Mathematik auf einer einheitlichen Forschungsgrundlage erst ermöglicht; zugleich soll das systematische Interesse an ihr wieder geweckt werden. Das Buch erscheint im mentis-Verlag.
Mitarbeitende im Projekt:
- Prof. Dr. Gregor Nickel
- Prof. Dr. Dieter Schönecker
- Wilko Ufert, M.A.
- Baris Kücük
- Andrea Stänicke-Skerra