Prof. Dr. Anne Carolus
Die Neurochirurgin erforscht periphere Nerven. Sie setzt dabei auf moderne Bildgebung, um Schäden präziser zu erkennen. Gleichzeitig möchte sie die Versorgung von Patienten nach einer Operation nachhaltig verbessern.
Meine Professur heißt:
Außerplanmäßige Professur als Neurochirurgin (Fakultät IV)
Darum geht es in meiner Forschung:
Als Neurochirurgin habe ich den klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkt Periphere Nerven. Das sind die Leitungsbahnen, die unser Gehirn und Rückenmark mit dem Rest des Körpers vernetzen. Sie sind erstaunlich leistungsfähig und gleichzeitig verletzungsanfällig, da sie lange Strecken im menschlichen Körper zurücklegen – manchmal mehr als einen Meter.
Ein Teil meiner Projekte liegt in der Bildgebung von Nerven. Das ist ein sehr junges Gebiet, denn bis vor ca. 2 Jahrzehnten wurden Nerven ausschließlich über ihre elektrische Aktivität und - ganz praktisch - die Funktion des Endorgans, beurteilt. Z. B. weiß man, dass bei einer fehlenden Muskelfunktion oder einem verminderten Gefühl in einem Hautareal auch der entsprechende Nerv geschädigt sein muss. Mittlerweile haben bildgebende Verfahren, z. B. der hochauflösende Ultraschall und die Magnetresonanztomographie, in der Behandlung von Nerven Einzug gehalten. Es bleibt aber der Fakt, dass Nerven aufgrund ihrer langen und anatomisch anspruchsvollen Verläufe im Körper viel schwieriger abzubilden sind als andere Organe. Umso spannender ist für mich die Frage, wie man hier noch mehr über den Aufbau und die Pathologien von Nerven herausfinden kann, ohne dass es invasiver Maßnahmen bedarf.
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit am Nerven liegt in der Versorgungsforschung. Als Neurochirurgin versucht man ja ganz handwerklich, Nervenschäden durch Beseitigung von Engstellen, Lösen aus Strikturen oder Nähen von Verletzungsstellen, zu beheben. Aber alleine mit der Operation ist es nicht getan und das ist für Betroffene oft enttäuschend. Deswegen möchte ich dafür sorgen, dass Patienten mit Nervenverletzungen von vornherein besser beraten werden, dass sie auch nach der chirurgischen Versorgung Anlaufstellen haben und wissen, was sie selbst für eine bessere Erholung tun können. Da ich auch Sportmedizinerin bin, habe ich mich viel mit möglichen Trainingsmöglichkeiten beschäftigt und versuche, Betroffenen Trainingsprogramme an die Hand zu geben bzw. eine bessere Vernetzung zu erfahrenen Sport-, Ergo- und Physiotherapeuten zu schaffen. Wir können viel voneinander lernen.
Das fasziniert mich besonders an meinem Forschungsgebiet:
Periphere Nerven liegen an der Schnittstelle zwischen hochkomplexer Biologie und sehr konkreten klinischen Problemen. Als Chirurgin ist man immer etwas mehr am klinischen Problem dran als an der Grundlagenforschung. Beides zusammenzuführen ist die eigentliche Aufgabe. Und an vielen Punkten findet das nicht oder zu wenig statt. Wenn es aber gelingt, den Bogen zu schlagen, dann kann das zu sehr motivierenden Resonanzen führen.
Ich bin an die Uni Siegen gekommen, weil:
ich ein großer Fan der „universitären Medizin“ bin. Nur durch eine akademische Anbindung kann meiner Meinung nach die Medizin innerhalb eines Krankenhauses mit dem Puls der Zeit gehen. In Siegen haben wir nun die Besonderheit, dass diese Anbindung nicht direkt an eine Medizinische Fakultät, sondern an medizinnahe Fächer ist – meiner Meinung nach eine riesen Chance. Außerdem lehre ich einfach gerne. Bereits meine 3 jüngeren Geschwister wurden vor Schule-Spielen nie verschont.
Meine interessantesten Stationen zuvor waren:
Mein Studium an der Ruprechts Karl Universität in Heidelberg und meine 10 Jahre an der Universitätsklinik in Bochum.
Studierende lernen in meinen Veranstaltungen z.B.:
Mein Fachbereich ist jetzt dargestellt…ein bisschen Überraschung muss bleiben ;). Mein Wunsch wäre vor allem, dass sie lernen, sich für Sachen ernsthaft zu interessieren.
In meiner Freizeit mache ich gern:
Viel gemeinsam mit meinen zwei 6jährigen Zwillingstöchtern. Aktuell teilen wir als gemeinsame Begeisterung das Tanzen. Und als Ausgleich zum manchmal sehr vereinnahmenden und immer klar geregelten Alltag in der Klinik suche ich mir schon immer gerne Kreatives. Das wird sich wahrscheinlich auch dann und wann in meiner Lehre niederschlagen.