Begleitforschung der Implementierung des Kernlehrplans Wirtschaft-Politik in der Sekundarstufe I an Gymnasien in NRW
Die Landesregierung NRW hat zum Schuljahr 2019/2020 einen neuen Kernlehrplan für das neue Fach Wirtschaft-Politik (vorher: Politik/Wirtschaft) erlassen. Im Zuge der Implementierungsveranstaltungen in Westfahlen begleitete das ZÖBIS die Reform. Ergebnisse wurden auf den Jahrestagungen der Deutschen Gesellschaft für Ökonomische Bildung (DEGÖB) 2020 und 2021 vorgestellt, sowie auf der Jahrestagung der Association of European Economic Education (AEEE) im Jahr 2021. Politikseitig wurden die Ergebnisse bei der Bezirksregierung Arnsberg sowie der Staatskanzlei Düsseldorf präsentiert.
Projektbeschreibung
Das Forschungsprojekt untersucht die Einführung des neuen Kernlehrplans Wirtschaft-Politik in Nordrhein-Westfalen und analysiert, wie Lehrkräfte – insbesondere Fachkonferenzvorsitzende – diese Reform wahrnehmen und deren Umsetzung einschätzen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie bildungspolitische Vorgaben in schulische Praxis überführt werden und welche Faktoren diesen Prozess beeinflussen.
Ausgangspunkt ist die Einführung des neuen Kernlehrplans im Zuge der bildungspolitischen Entscheidung, ökonomische Inhalte im Schulfach Wirtschaft-Politik zu stärken. Die Implementation erfolgt dabei über mehrere Ebenen – von ministeriellen Vorgaben über Implementationsveranstaltungen bis hin zur konkreten Ausgestaltung in schulinternen Curricula.
Das Projekt leistet einen Beitrag zur Implementationsforschung, indem es die Rolle zentraler schulischer Akteure als „Gatekeeper“ in den Blick nimmt und untersucht, inwiefern deren Wahrnehmungen, Einstellungen und professionellen Orientierungen die tatsächliche Umsetzung von Reformen prägen.
Schwerpunkte des Projekts
- Analyse der Wahrnehmung des neuen Kernlehrplans durch Fachkonferenzvorsitzende
- Untersuchung der Implementation von Bildungsreformen im schulischen Kontext
- Analyse unterschiedlicher Lehrkräftetypen und professioneller Orientierungen
- Untersuchung der Erwartungen hinsichtlich der Umsetzung im Unterricht und in schulinternen Curricula
- Analyse der Passung zwischen Reformintention und schulischer Realität
Alles auf einen Blick
Forschungsmethoden & Vorgehen
Exploratives Forschungsdesign
Das Projekt folgt einem explorativen Ansatz, um bislang wenig erforschte Zusammenhänge zwischen Selbst- und Fremdzuschreibungen sowie ökonomischen Wertvorstellungen Jugendlicher offen und theoriegeleitet zu erschließen.
Qualitative Datenerhebung durch Interviews
Zentrale Datengrundlage bilden biografisch-narrative Interviews mit Schülerinnen und Schülern verschiedener Schulformen, die Einblicke in individuelle Lebenswelten, Wertorientierungen und Entscheidungsprozesse ermöglichen.
Einsatz von Vignetten zur Erhebung von Fremdzuschreibungen
Zur Analyse von Fremdwahrnehmungen werden KI-generierte Vignetten eingesetzt, anhand derer Jugendliche andere Personen bewerten und so implizite Normalitätsannahmen sichtbar werden.
Analyse von Erwartungs- und Umsetzungszusammenhängen
Die Studie untersucht Zusammenhänge zwischen Lehrkraftmerkmalen, Wahrnehmungen und erwarteten Umsetzungsprozessen im Unterricht und in schulischen Curricula.
Fördermittelgeber und Kooperationspartner
Das Forschungsprojekt wurde aus Eigenmitteln der Professur finanzierung und entstand in Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Arnsberg. Die Kooperation ermöglichte einen direkten Zugang zu zentralen Implementationsprozessen sowie zu den beteiligten schulischen Akteuren und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur praxisnahen Analyse der Reformumsetzung.