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Metaphorisches Framing der mestizaje-Konzeption in hispanoamerikanischen Essays des 20. Jahrhunderts

Mit Blick auf die berüchtigte Metaphorizität einer besonderen ‚Theoriekultur‘ Lateinamerikas, deren Entstehung Carlos Rincon (2001) auf die 1920er Jahre datiert, steht der funktionale und argumentative Wert der Metapher in identitätsstiftenden Diskursen hispanoamerikanischer Intellektuellen des 20. Jahrhunderts im Fokus des Forschungsvorhabens. Das Projekt untersucht, welchen rhetorischen und metaphorischen Beitrag sie zur Definition der nationalen Identität im Sinne einer bipolaren/hybriden kulturellen und ethnischen Formation geleistet haben (Miller 1999).

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Mestizaje als vormals koloniale Bezeichnung für ethnische Herkunft oder physische Charakteristiken wurde zu einer modernen, extrem wirkungsvollen „narrativen Metapher“ (Zinken et al. 2008). Sie stellt ein hervorragendes Beispiel dar, um die Verbreitung und rhetorische Reproduktion von Ideen, einschließlich ihre Falschdarstellung, Fehlinterpretation und Aneignung, im postkolonialen Raum bis in unsere Zeit hinein und über nationale wie kontinentale Grenzen hinweg zu untersuchen. 

Das Projekt verfolgt das Ziel, ein Netzwerk diskursiver Auseinandersetzungen mit mestizaje, d.h. die Wechselseitigkeit zwischen verschiedenen Visionen von mestizaje (vgl. ajiaco von F. Ortiz, árbol von R. Rojas), konzeptuellen und diskursiven Effekten und Bildmustern zu rekonstruieren. Bei der Zusammenstellung eines Textkorpus gelten die Einheitlichkeit der Gattung – Essay – und die Einheitlichkeit der Autoren – unabhängige sozialkritische Intellektuelle der 1920er bis in die 1950er Jahre (nach Miller 1999; Wertz 2013) – als Hauptkriterium.

Aus kognitiv-semantischer Perspektive leistet diese Studie einen Beitrag zum Verständnis der Auswirkungen kognitiver Mechanismen wie Metaphern auf die Kommunikation über „Rassen”- Themen in einer postkolonialen und postnationalen Ära. Mit der Methode der kritischen Metaphernanalyse (vgl. Charteris-Black 2005) sollen Rückschlüsse darüber gewonnen werden, wie eine Reihe hispanoamerikanischer Intellektuellen des 20. Jahrhunderts gesellschaftliche Differenzierung durch die ethnische Komponente erfolgreich metaphorisiert und mystifiziert haben.

Aus diskursanalytischer Perspektive (vgl. Riggins 1997; Dovidio/Gaertner 1986) zeigt das Projekt auf, wie Metaphern dazu beitragen oder daran scheitern, stereotype Sichtweisen, Vorstellungen und Darstellungen der postkolonialen hispanoamerikanischen Gesellschaften zu überwinden. Dabei wird besonderes Augenmerk darauf gelegt, inwieweit die metaphorische, referentialistische Sprache der scheinbar progressiven Diskurse über ethnische Vermischung eine unterschwellige rassistische Essentialismusmaske verbirgt und historische Stereotypen heraufbeschwört (vgl. Arroyo 2020; Miller 2004; Martínez-Echazábal 1998).

Im ersten Schritt fokussiert sich das Projekt auf die Schriften eines sehr komplexen mexikanischen Intellektuellen José Vasconcelos aus den 1920er bis 1940er Jahren. Die enorme kognitive Anziehungskraft seines Essays La raza cósmica (1925) in Hispanoamerika und darüber hinaus wurde bisher kaum erforscht (vgl. Casáus Arzú 2008). Im nächsten Schritt steht die Wechselbeziehung zwischen vielstimmigen (biologischen, musikalischen usw.) Reproduktionen der mestizaje-Idee in einflussreichen Essays von Carrión, Cuadra, García, Henríquez Ureña, Masferrer Mónico, Ortiz, O’Gormann, Alfonso Reyes, Ricardo Rojas, Samuel Ramos, und Leopoldo Zea im Blickfeld der Analyse. Dabei verfolgt das Projekt, wie neue Konzeptualisierungen Lateinamerikas auf internationaler Ebene, insbesondere in den USA, beispielsweise durch Universitätsvorlesungen und Presseartikel sichtbar wurden.

Alles auf einen Blick

  • Icon Kalender

    Laufzeit
    01.11.2024 - 31.10.2026 (Laufend)

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    Forschungsbereich
    mestizaje-Konzeption

  • Icon Abzeichen Euro

    Finanzierung
    PRIME (Postdoctoral Researchers International Mobility Experience) ab 2022

Das Projektteam

Yasmin Temelli

Univ.-Prof. Dr. Yasmin Temelli

Professor*in
Profilfoto Alla Klimenkowa

Dr. phil. Alla Klimenkowa-Krohner

Projektmitarbeiter*in

DAAD PRIME PostDoc Fellow (University of Texas at Austin)