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NOEKZUS - Normalitätsannahmen in ökonomischen Kontexten und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Ziel des Vorhabens ist es, zum einen die alltagsökonomischen Wertvorstellungen Jugendlicher zu erheben (Selbstzuschreibungen). Zum anderen sollen die Wertzuschreibungen von Jugendlichen in den oben genannten Bereichen über andere Jugendliche (also werthaltige Fremdzuschreibungen) erhoben und analysiert werden.

NOEKZUS-Projekt

Projektbeschreibung 

Im Zentrum des Forschungsprojekts NOEKZUS steht die Annahme, dass individuelle Wahrnehmungen, Bewertungen und Handlungsorientierungen nicht unmittelbar gegeben sind, sondern als Ergebnis fortlaufender (Re)Konstruktionsprozesse verstanden werden müssen. Jugendliche entwickeln sogenannte „mentale Modelle“, in denen Werte, Lebensentwürfe und Vorstellungen von Normalität organisiert sind. Diese Modelle strukturieren sowohl die eigene Selbstwahrnehmung als auch die Wahrnehmung anderer. Aus diesen individuellen Konstruktionen ergeben sich Prozesse der Selbst- und Fremdzuschreibung. Diese Zuschreibungen entstehen jedoch nicht isoliert, sondern lassen sich auf unterschiedliche Mechanismen zurückführen: So können Fremdzuschreibungen als Projektionen eigener Selbstdeutungen auftreten, indem eigene Einstellungen oder Erfahrungen auf andere übertragen werden. Ebenso werden sie durch gesellschaftlich verfügbare Stereotype und heuristische Vereinfachungen geprägt, die komplexe soziale Wirklichkeit reduktiv ordnen. Umgekehrt können auch Selbstzuschreibungen durch Fremdzuschreibungen beeinflusst werden, etwa wenn externe Bewertungen internalisiert und in das eigene Selbstbild integriert werden.

Diese wechselseitigen Zuschreibungsprozesse sind für moderne Gesellschaften von zentraler Bedeutung. Eine funktionierende, insbesondere auch wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass unterschiedliche Wertvorstellungen und Wahrnehmungen koexistieren und miteinander vermittelt werden können – idealerweise unter Bedingungen möglichst geringer Diskriminierung. Gleichzeitig impliziert wirtschaftliches Handeln stets die Auseinandersetzung mit anderen Akteurinnen und Akteuren, die über unterschiedliche Ressourcen, Präferenzen und Wertorientierungen verfügen. Verzerrte oder pauschalisierende Fremdzuschreibungen können dabei kommunikative Prozesse erschweren und den gesellschaftlichen Zusammenhalt beeinträchtigen.

Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt NOEKZUS die alltagsökonomischen Wertvorstellungen von Schülerinnen sowohl in Form von Selbstzuschreibungen als auch von werthaltigen Fremdzuschreibungen. Im Fokus stehen dabei insbesondere Entscheidungen und Orientierungen im Hinblick auf Mittelverwendung im Haushalt, Zeitbudgets sowie Berufswahl. Ziel ist es, die zugrunde liegenden Normalitätsannahmen sichtbar zu machen und systematisch zu analysieren, um ein differenziertes Verständnis alltagsökonomischer Deutungsmuster Jugendlicher zu gewinnen.

 

Forschungsfragen 

  1. Wie ist das Verhältnis von Selbst- und Fremdzuschreibungen von Werten in ökonomischen Kontexten und welche Normalitätsannahmen gehen damit einher?
  2. Inwieweit erleichtern oder erschweren spezifische Wertzuschreibungen in ökonomischen Kontexten wirtschaftliche Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt?
  3. Wie können die Selbst- und Fremdzuschreibungen (und deren Differenzen) in einer werteorientierten ökonomischen Bildung didaktisch sinnvoll genutzt werden?

Alles auf einen Blick

  • Icon Kalender

    Laufzeit
    01.01.2026 - 15.11.2026 (Laufend)

  • Icon Tag

    Forschungsbereich
    Sozioökonomische Bildungsforschung

  • Icon Abzeichen Euro

    Finanzierung
    Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)

 

Forschungsmethoden & Vorgehen

1

Exploratives Forschungsdesign

Das Projekt folgt einem explorativen Ansatz, um bislang wenig erforschte Zusammenhänge zwischen Selbst- und Fremdzuschreibungen sowie ökonomischen Wertvorstellungen Jugendlicher offen und theoriegeleitet zu erschließen.

2

Qualitative Datenerhebung durch Interviews

Zentrale Datengrundlage bilden biografisch-narrative Interviews mit Schülerinnen und Schülern verschiedener Schulformen, die Einblicke in individuelle Lebenswelten, Wertorientierungen und Entscheidungsprozesse ermöglichen.

3

Einsatz von Vignetten zur Erhebung von Fremdzuschreibungen

Zur Analyse von Fremdwahrnehmungen werden KI-generierte Vignetten eingesetzt, anhand derer Jugendliche andere Personen bewerten und so implizite Normalitätsannahmen sichtbar werden.

4

Qualitative Auswertung mit Grounded Theory

Die erhobenen Daten werden mithilfe der Grounded Theory systematisch ausgewertet, um aus dem Material heraus zentrale Kategorien, Muster und Zusammenhänge zu entwickeln.

Das Projektteam

Nils Goldschmidt

Univ.-Prof. Dr. Nils Goldschmidt

Professor
Personal profile photo

Theo Bolin Simon M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter
AOR Marco Rehm

AOR Dr. Marco Rehm

Akademischer Oberrat

Fördermittelgeber und Kooperationspartner

Das Forschungsprojekt NOEKZUS wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert und am Zentrum für ökonomische Bildung in Siegen (ZÖBIS) durchgeführt.

Die Förderung ermöglicht eine vertiefte Untersuchung der Zusammenhänge zwischen individuellen Wertvorstellungen, ökonomischem Handeln und gesellschaftlichem Zusammenhalt und schafft zugleich die Grundlage für den Transfer der Forschungsergebnisse in innovative Bildungsformate.

Weiterführende Links

Website des BMFTR