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Unerwünschtes Bleiben: Institutionelle Geltungsansprüche und umkämpfte Im/Mobilitäten

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Uni Siegen

Projektbeschreibung

Über das Migrationsrecht werden bestimmte Formen der Mobilität und des Aufenthalts als unerlaubt und unerwünscht definiert. Der Umgang mit Personen, die dennoch bleiben, variiert dabei deutlich zwischen Nationalstaaten. Die institutionellen Praktiken unterscheiden sich nicht nur im Hinblick auf das Ausmaß ihrer Formalisierung und der Beteiligung unterschiedlicher institutioneller Felder, sondern auch hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Rechte und die Lebenswirklichkeiten der Betroffenen. Das Forschungsprojekt interessiert sich für den institutionalisierten Umgang mit dem unerwünschten Bleiben in Deutschland, Spanien und Marokko. Im Fokus stehen das komplexe Verhältnis der beteiligten institutionellen Felder (u.a. Verwaltung, Recht, Arbeitsmarkt, aktivistische Zivilgesellschaft) und die Ambivalenzen, Aushandlungen und Auseinandersetzungen, die ein solches institutionenplurales Umfeld impliziert. 

Unser Ziel ist es, zu klären, ob und wie die institutionellen Praktiken das unerwünschte Bleiben über Raum und Zeit hinweg festund fortschreiben oder aufbrechen. Im Einzelnen erforschen wir (1) die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der in den drei Ländern etablierten Umgangsweisen mit dem unerwünschten Bleiben, (2) die Akteure und Formen der institutionellen Arbeit an der Festschreibung oder Veränderung dieser Umgangsweisen an konkreten Orten sowie (3) die translokale Verschränkung von institutionellen Praktiken und Mobilitätsverläufen. Wir setzen dabei auf einen theoretischen Bezugsrahmen, der Konzepte der institutionellen Arbeit, Verläufe und Translokalität nutzt, um die institutionenpluralen und umkämpften Praktiken im Umgang mit dem unerwünschten Bleiben mit Blick auf institutionelle Geltungsansprüche und die Verläufe der Mobilität und des Bleibens zu untersuchen. 

Das Projekt fußt auf einer qualitativen Methodologie, die dem Ansatz der institutionellen Ethnographie und der Situationsanalyse verpflichtet ist. Wir nutzen Interviews, Dokumentenanalysen, Beobachtungen und einzelfallbezogene Verlaufsanalysen, um institutionelle Praktiken und Mobilitätsverläufe über unterschiedliche Orte und nationale Kontexte hinweg zu erforschen. Mit Deutschland, Spanien und Marokko nehmen wir Länder in den Blick, die sowohl über Migrationsrouten als auch über die europäischen und nordafrikanischen Grenz- und Migrationsregimes in unterschiedlicher Weise verbunden sind. Das Arbeitsprogramm umfasst drei Arbeitspakete, die der Erforschung der rechtlich-institutionellen Kontexte (AP1), der institutionellen Arbeit im Umgang mit dem unerwünschten Bleiben (AP2) und der translokalen Verschränkungen (AP3) dienen, und ein Arbeitspaket, das der kontinuierlichen Dokumentation und Verbreitung der Forschungsergebnisse gewidmet ist (AP4). Mit seinen Zielen und Arbeiten eröffnet das Projekt Einblicke in umkämpfte Formen der Im/Mobilität und entschlüsselt die institutionellen Dynamiken im Umgang mit dem unerwünschten Bleiben.

Alles auf einen Blick

  • Icon Kalender

    Laufzeit
    01.10.2026-30.09.2029 (Laufend)

  • Icon Tag

    Forschungsbereich
    Politische Soziologie

  • Icon Abzeichen Euro

    Finanzierung
    Deutsche Forschungsgemeinschaft

 

Projektrelevante Publikationen

Schneider, Stephanie und Christian Lahusen (2027). "Deportation Suspension and Institutional Pluralism: The Case of the Duldung in Germany". In: Dominik Schieder und Karin Schittenhelm (Hrsg.), Migration, Mobility and Institutions. Exploring Interrelations and Dynamics in and Across World Regions. Edward Elgar Publishing.

Schneider, S. (2026). Notions of professionalism and the organisation of emotions in the German asylum administration before 2015. Emotions and Society, 1(aop), 1–19. https://doi.org/10.1332/26316897Y2026D000000094

Schneider, S., Theiss, M., Gędek, W., & Zschache, U. (2025). Citizen among Institutions. Fragmentation and Trust in Social Assistance. Social Policy and Society, 24(4), 684–700. https://doi.org/10.1017/S147474642510078X

Lahusen, Christian, Karin Schittenhelm und Stephanie Schneider (2022). Europäische Asylpolitik und lokales Verwaltungshandeln. Zur Behördenpraxis in Deutschland und Schweden. Bielefeld: transcript. https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3330-6/europaeische-asylpolitik-und-lokales-verwaltungshandeln/ 

Schneider, S. (2019). Becoming a Decision-Maker, or: ‘Don’t Turn Your Heart into a Den of Thieves and Murderers’. In N. Gill & A. Good (Eds), Asylum Determination in Europe (pp. 285–306). Palgrave Macmillan. https://doi.org/10.1007/978-3-319-94749-5_14

Schneider, S. & Nieswandt, C. (2018). EASO—Support Office or Asylum Authority?: Boundary Disputes in the European Field of Asylum Administration. Österreichische Zeitschrift Für Soziologie, 43(S1), 13–35. https://doi.org/10.1007/s11614-018-0296-8

Lahusen, Christian und Stephanie Schneider (Hrsg.) (2017). Asyl verwalten. Zur bürokratischen Bearbeitung eines gesellschaftlichen Problems. Bielefeld: transcript. https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3332-0/asyl-verwalten/

Lahusen, Christian (2016). "Auf dem Weg zu einem europäischen Verwaltungsfeld? Zur Soziologie der Bürokratisierung Europas am Beispiel des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems". Berliner Journal für Soziologie, 26 (1) S. 109-133. https://doi.org/10.1007/s11609-016-0304-4

Das Projektteam

Christian Lahusen

Univ.-Prof. Dr. Christian Lahusen

Professor
Profilfoto

Stephanie Schneider M.A.

Projektmitarbeiterin