Der Eurocode 7 der zweiten Generation (FprEN 1997) ist umfassend zuverlässigkeitsbasiert und erlaubt als Alternative zum Teilsicherheitskonzept die Anwendung zuverlässigkeitsbasierter Bemessungsver-fahren. Oberstes Ziel der Bemessung ist in beiden Fällen die Einhaltung einer ausreichenden Zuverlässig-keit, welche über eine Bemessung nach den Regeln des EC7 erreicht werden muss. Das Teilsicherheits-konzept hat sich bisher bewährt und das damit erreichbare Sicherheitsniveau gilt als ausreichend und allgemein akzeptiert. Jedoch ist bekannt, dass mit festen Teilsicherheitsbeiwerten und unterschiedlichen Nachweisverfahren kein einheitliches Zuverlässigkeitsniveau erreicht werden kann. Außerdem kann das Sicherheits- oder Zuverlässigkeitsmaß im Hinblick auf potenzielle Reserven oder Defizite nicht quantifiziert werden, da dieses Konzept immer eine absolute Sicherheit suggeriert. Erste Vergleichsberechnungen nach FprEN 1997 mittels probabilistischer Zuverlässigkeitsanalysen zeigen, dass auch in der Kombination VC4/RFA nach FprEN 1997, welche in etwa dem bisherigen Nachweisverfahren DA2* entspricht, übliche Zielwerte der Zuverlässigkeit oft unterschritten, teils aber auch überschritten werden. Erschwerend für eine solche Bewertung und für die alternative Anwendung zuverlässigkeitsbasierter Methoden generell kommt hinzu, dass das dem deutschen Teilsicherheitskonzept zugrundeliegende System von Bemessungs-situationen (BS-P, BS-T, BS-A/E) nicht im Einklang steht mit dem u.a. auf Versagensfolgen beruhenden Zuverlässigkeitskonzept der neuen Eurocodes. So haben die Versagensfolgeklassen nach prEN 1990 eine andere Bedeutung und die dort im Anhang C angegebenen Zielwerte der Zuverlässigkeit gelten im Allgemeinen nicht für temporäre Bauwerke. Wie damit umzugehen ist, ist noch nicht geklärt. Dieses Forschungsvorhaben leistet einen Beitrag zur Bewertung des mit dem Teilsicherheitskonzept erreichbaren Zuverlässigkeitsniveaus und damit zur Umsetzung der Vorgaben aus prEN 1990 und FprEN 1997 in Bezug auf Aspekte der Zuverlässigkeit. Mögliche Reserven oder Defizite in der geotechnischen Bemessung sollen identifiziert werden. Konkret soll das durch eine Bemessung mittels Teilsicherheitskonzept erreichbare Zuverlässigkeitsniveaus anhand ausgewählter geotechnischer Bauwerke mittels Zuverlässigkeitsanalysen berechnet und der Einfluss maßgebender Eingangsgrößen evaluiert werden. Unterschiede zwischen Strukturen und typischen Bemessungsszenarios sollen möglichen Anpassungsbedarf in den Nachweisverfahren und dem Ansatz von Teilsicherheitsbeiwerten aufzeigen, worüber eine Angleichung des Zuverlässigkeitsniveaus erreicht werden kann. Aus den Ergebnissen werden Empfehlungen für die Ausgestaltung entsprechender Regelungen im Nationalen Anhang zum neuen EC7 erarbeitet. Zudem sollen Hinweise formuliert werden, in welcher Größenordnung die Zielzuverlässigkeit für eine zuverlässigkeitsbasierte Bemessung sinnvoll festgelegt werden kann, um ein zum akzeptierten Teilsicherheitskonzept vergleichbares Zuverlässigkeitsniveau abzubilden. Schlussendlich sollen die Ergebnisse etwaiges Optimierungspotenzial in der geotechnischen Bemessung aufzeigen, welches zu einer nachhaltigen Bemessung in der Geotechnik beitragen kann.