Abgeschlossene Projekte
Hintergrund: Antibiotikaresistenzen stellen eine globale Herausforderung dar. Jährlich sterben 700.000 Menschen aufgrund von arzneimittelresistenten Infektionen. In Deutschland erkranken jährlich 54.500 Menschen an Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern; rund 2.400 Menschen sterben daran. Begünstigt wird die Entstehung von Resistenzen vor allem durch eine inadäquate Verordnungspraxis von Antibiotika, z. B. durch Antibiotikagabe/-einnahme bei viralen Infektionen, die Verabreichung nicht erregerspezifischer Substanzen, falsche Dosierung und inkorrekte Einnahmezyklen. Eine gezielte Antibiotikatherapie erfordert insbesondere Expertise in der Methodik geeigneter Erregernachweise und der Interpretation mikrobiologischer Befunde, die mit einem Zeitaufwand von mehreren Tagen zum Anlegen von Bakterienkulturen und Testen von Resistenzen einhergehen. Aus klinischen und auch organisatorischen Gründen kann diese Zeit häufig nicht abgewartet werden, sodass oftmals auf Breitbandantibiotika und Antibiotikakombinationen zurückgegriffen wird, um ein möglichst breites Erreger- und Resistenzspektrum sicher zu erfassen. Dies erhöht die Gefahr von Nebenwirkungen und Komplikationen und induziert ggf. weitere Resistenzen.
Vorgehen und Ziele: Das auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Entscheidungsunterstützungssystem (EUS) KINBIOTICS hatte zum Ziel durch eine computergestützte Verarbeitung von Informationen zu einer schnellen Verschreibungsentscheidung der behandelnden Ärzt*innen bei Sepsis-Infektionen zu verhelfen. Für eine nachhaltige Nutzung stand hier die nutzerorientierte Integration dieses KI-Systems in den klinischen Alltag im Mittelpunkt, das durch die Identifikation organisationaler und prozessualer Determinanten von fördernden und hemmenden Bedingungen erreicht werden sollte. Dabei wurde untersucht, wie das KI-basierte EUS in der Versorgungspraxis optimal unter Alltagsbedingungen implementiert werden kann, welche bisher nicht genauer untersuchten organisationalen und Kontextfaktoren die Effektivität beeinflussen und wie die Akzeptanz bei Leistungserbringenden durch gezielte Veränderung personeller und struktureller Bedingungen optimiert werden kann. Im Rahmen eines iterativen Prozesses und mithilfe eines Mixed-Method-Ansatzes wurde mit potenziellen Nutzer*innen ein Implementationsleitfaden für das KI-System im klinischen Alltag konzipiert. Dabei wurden in einem systematischen Review organisationale und prozessuale Determinanten von fördernden und hemmenden Nutzungsbedingungen identifiziert und aufbereitet. Mithilfe von problemzentrierten Einzelinterviews mit Leistungserbringenden in der stationären Versorgung sowie eines onlinebasierten Expertenpanels wurde erfasst, wie das KI-System in der Versorgungspraxis unter Alltagsbedingungen implementiert werden kann. Hierdurch wurde ein gelingender Innovations- und Nutzentransfer in die Versorgungspraxis gefördert und die Nachhaltigkeit sowie praktische Translation der Innovationsentwicklung unterstützt.
Laufzeit: Oktober 2020 bis Februar 2024
Förderer: Bundesministerium für Gesundheit
Kooperationspartner: Evangelisches Bielefeld, Klinikum Lippe und Klinikum Bielefeld
Mitarbeitende: Pinar Tokgöz, Jessica Hafner & Stephan Krayter
Hintergrund: Durch veränderte organisatorische Rahmenbedingungen und Schutzmaßnahmen war im Zuge der COVID-19-Pandemie auch im Rehabilitationssektor eine Inanspruchnahme der Therapien, inklusive der Nachsorgeangebote, vor Ort häufig nicht möglich. Das Forcieren online-basierter Rehabilitationsangebote (Telerehabilitation) durch die Deutsche Rentenversicherung (DRV) bot eine Möglichkeit, diese Versorgungslücke zu schließen und Therapien im häuslichen Umfeld, z. B. via Videotherapie, durchzuführen. Aber auch Rehabilitand*innen, die aus anderen Gründen, wie z. B. langen Anfahrtswegen, Immobilität und/oder Multimorbidität, die Rehabilitationsangebote in den Einrichtungen nicht in Anspruch nehmen können oder wollen, profitieren von Angeboten der Telerehabilitation. Eine erfolgreiche Implementierung und Nutzung neuer IT-Systeme und digitaler Anwendungen setzt digitale Kernkompetenzen bei allen Beteiligten voraus, die durch Schulungen gefördert werden können. Diese Schulungsangebote müssen für Leistungserbringende und Rehabilitand*innen angepasst und auf die spezifischen Bedürfnisse und Bedarfe der unterschiedlichen Zielgruppen ausgerichtet werden.
Vorgehen und Ziele: Zunächst war die Entwicklung eines Kompetenzprofils für Leistungserbringende und Rehabilitand*innen vorgesehen, welches sich auf den Umgang mit online-basierten Rehabilitationsangeboten (Tele-Reha-Nachsorge) fokussiert. Dieses wurde auf Grundlage der von der DRV (teilweise befristet) zugelassenen Tele-Reha-Nachsorgeangebote entwickelt. Des Weiteren sollten bestehende Schulungsangebote sowie Schulungsbedarfe und -bedürfnisse im Bereich der Tele-Reha-Nachsorge erfasst werden. Aus den Ergebnissen der Erhebungen erfolgte die Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen für die Ausgestaltung zukünftiger Schulungsangebote im Bereich der Telerehabilitation. Auf Basis einer systematischen Literaturrecherche wurde im ersten Schritt ein Kompetenzprofil für Therapeut*innen und Rehabilitand*innen im Umgang mit entwickelt, sowie eine empirisch-theoretische Definition des Begriffes „digitale Kompetenzen“ im Kontext von Telerehabilitation abgeleitet. Anschließend erfolgte eine quantitative Online-Befragung der Leistungserbringenden ambulanter und stationärer Reha-Einrichtungen, die Tele-Reha-Nachsorgeangebote bereitstellen, sowie von Rehabilitand*innen, die bereits ein Tele-Reha-Nachsorgeangebot in Anspruch genommen haben. In dieser Umfrage wurden bereits vorhandene Schulungsangebote sowie Schulungsbedarfe und -bedürfnisse für einen kompetenten Umgang mit Tele-Reha-Nachsorgeangeboten erfasst. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden im Rahmen von World Cafés reflektiert und in Handlungsempfehlungen zur praxisnahen Gestaltung von Schulungsangeboten zum Erwerb digitaler Kompetenzen, speziell im Bereich der Tele-Reha-Nachsorge, überführt.
Laufzeit: Februar 2022 bis Januar 2024
Förderer: Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften NRW e.V. (GfR)
Kooperationspartner: Median Klinik am Burggraben Bad Salzuflen, Dr. Ebel Klinik Moorbad Bad Doberan, Dr. Becker Klinikgruppe Köln und medicos.AufSchalke Gelsenkirchen
Mitarbeitende: Lea Stark-Blomeier, Stephan Krayter
Hintergrund: Die SARS-CoV-2-Pandemie sahen sich die Rehabilitationseinrichtungen gezwungen, von ihrem Versorgungsalltag abzuweichen und organisatorische, strukturelle sowie personelle Änderungen den entsprechenden Gegebenheiten und Hygienevorgaben flexibel anzupassen. Durch die Nicht-Zuweisung von Rehabilitand*innen, aufgrund von z. B. elektiven Operationen sowie der Empfehlungen, keine Neuaufnahmen – ausgenommen Anschlussheilbehandlungen – zu veranlassen, mussten sich die Rehabilitationseinrichtungen zudem auf kaum planbare Bedingungen einstellen. Vor diesem Hintergrund sind bestehende digital unterstützte Angebote ausgeweitet und weiterentwickelt worden, die Potentiale für die dauerhafte Überführung in die Regelversorgung aufzeigen. Für eine von allen Nutzerseiten akzeptierte Implementierung dieser digitalen Angebote in den Reha-Alltag ist es erforderlich, dass die Anforderungen an die organisatorischen, strukturellen und personellen Rahmenbedingungen sowie die notwendigen Änderungsprozesse identifiziert und berücksichtigt werden.
Vorgehen und Ziele: Ziel des Vorhabens war zunächst eine systematische Bestandsaufnahme der bereits in der Rehabilitation eingesetzten digital unterstützten Angebote, inklusive der Erhebung von notwendigen organisatorischen, strukturellen und personellen Rahmenbedingungen, Prozessen und Arbeitsweisen, die für die Implementierung notwendig sind. Ein besonderer Fokus lag zudem auf der Untersuchung der Nutzungsakzeptanz im Hinblick auf die Anwendung von digital unterstützten Rehabilitationsangeboten durch Rehabilitand*innen. Aus den Ergebnissen der Erhebungen wurde anschließend ein praxisnaher, partizipativ erarbeiteter Kriterienkatalog für Leistungserbringer zur Implementierung digital unterstützter Angebote in der medizinischen Rehabilitation und Reha-Nachsorge abgeleitet. Das methodische Vorgehen zur Erreichung der Ziele folgte einem Mixed-Methods-Ansatz, das quantitative und qualitative Methoden der empirischen Sozialforschung aufeinander aufbauend kombiniert. Die Bestandsaufnahme erfolgte anhand einer quantitativen Online-Befragung, ebenso wie die Erhebung der Nutzungsakzeptanz bei den Rehabilitand*innen. Letztere wurde in einem zweiten Schritt mithilfe von qualitativen Einzelinterviews vertiefend untersucht. Zur Verstetigung und Überführung der Ergebnisse in die Versorgungspraxis, wurden diese anschließend im Rahmen einer Zukunftswerkstatt, zu der Vertreter*innen aller beteiligten Akteure eingeladen werden, diskutiert und in Form eines Kriterienkatalogs festgehalten. Dieser dient als Entscheidungshilfe sowie Leitfaden bei der Anwendung von digital unterstützen Angeboten in der medizinischen Rehabilitation und wurde den Leistungserbringenden und Kostenträgern am Ende des Projektes kostenfrei online zur Verfügung gestellt.
Laufzeit: Januar 2022 bis Juni 2024
Förderer: Deutsche Rentenversicherung Bund
Kooperationspartner: Universität Bielefeld
Mitarbeitende: Susanne Stampa
Hintergrund: Die Ausgestaltung der akademischen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten an deutschen Universitäten und Fachhochschulen steht in einem kontinuierlichen Wandel. Aufgrund zunehmender Digitalisierungsprozesse im Gesundheits- und Sozialwesen und der steigenden Relevanz von Digital-Public-Health-Angeboten in Forschung, Entwicklung und Praxis von Public Health, gewinnt die hierauf ausgerichtete Ausbildung des akademischen Nachwuchses zunehmend an Bedeutung.
Vorgehen und Ziele: Aktuell besteht keine Übersicht darüber, welche auf Digital Public Health bezogenen Lehrinhalte in Modulen von Public-Health-Studiengängen in Deutschland angeboten werden. Ziel des Projektes war es, den aktuellen Stand zu Lehrinhalt und Kompetenzentwicklung, der einen Bezug zu Digital Public Health aufweist, in Public-Health-Studiengängen in Deutschland zu erheben und zu systematisieren. Dabei waren drei zentrale Fragestellungen handlungsleitend für die Forschung:
- Wie sieht die konkrete Ausgestaltung der Digital-Public-Health-bezogenen Lehrinhalte in Public-Health-Studiengängen aus und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zeigen sich?
- Welche curricularen Rahmenbedingungen liegen in Public-Health-Studiengängen vor, die Digital-Public-Health-Inhalte und -Kompetenzen vermitteln?
- Welche Schlussfolgerungen können für die Aus- und Weiterbildung im Bereich von Digital Public Health in Deutschland abgeleitet werden?
Vorgehen und Ziele: Die Daten werden im Rahmen einer Dokumentenanalyse von Modulhandbüchern der Public-Health-Studiengänge an Universitäten und (Fach-)Hochschulen in Deutschland gewonnen. Dabei werden Lehrinhalte und Rahmenbedingungen in einer nachgelagerten Analyse thematisch geclustert.
Laufzeit: Juli 2022 bis September 2023
Förderer: Eigenmittel
Kooperationspartner: Deutsche Gesellschaft für Public Health (DGPH)
Mitarbeitende: Dr. Joanna Albrecht, Pinar Tokgöz, Lea Stark-Blomeier