Vergleichende Kultursoziologie und politische Soziologie Europas
Seminar für Sozialwissenschaften
An der Professur erforschen wir, wie Menschen in Gesellschaften zwischen europäischer Öffnung und neuen Grenzziehungen zusammenleben. Wir untersuchen, wie die europäische Integration Lebenslagen, soziale Ungleichheiten und politische Beteiligung prägt und wie Zugehörigkeit biografisch erfahren und in Begegnungen zwischen Bürger*innen und Staat verhandelt wird. Zudem betrachten wir, wie in öffentlichen Debatten Bedeutung hergestellt und angefochten wird und wie Ideen und Kulturgüter über nationale Grenzen hinweg zirkulieren. Unsere Forschung zeichnet sich durch methodische Vielfalt aus und umfasst qualitative, quantitative und Mixed-Methods-Ansätze.
Forschungsprofil
An der Professur vergleichende Kultursoziologie und politische Soziologie Europas interessieren wir uns für die Frage, wie das Zusammenleben in Gesellschaften aussieht, die einerseits von Öffnungen gegenüber Europa und der Welt gekennzeichnet sind, andererseits aber neuen Schließungsprozessen unterliegen. Hierbei widmen wir uns sozialem Wandel in unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilbereichen mit einem besonderen Fokus auf Europa bzw. die Europäische Union.
Ein Schwerpunkt liegt in der Erforschung der Auswirkungen des europäischen Integrationsprozesses auf Lebenslagen, soziale Ungleichheiten und gesellschaftliche Spaltungen innerhalb und zwischen Ländern. Hier geht es um Fragen demokratischer Öffentlichkeit und des Populismus sowie um die Formen politischer Beteiligung, des Protests und der Interessenvertretung innerhalb eines länderübergreifenden Rechts- und Verwaltungsrahmens. Zentral ist dabei auch, wie in öffentlichen Debatten und politischen Diskursen Bedeutungen hergestellt, stabilisiert und angefochten werden.
Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Analyse der dynamischen Aushandlung von Zugehörigkeit und Verbundenheit. In diesem Zusammenhang nehmen wir die soziale Bedingtheit von Biografien in den Blick und untersuchen Prozesse der Identitätsbildung sowie der Inklusion und Exklusion. Dies erforschen wir unter anderem anhand des Phänomens der binationalen Herkunft.
Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit der Entstehung und dem Wandel von grenzüberschreitenden, transnationalen Feldern der Kulturproduktion in Europa. Im Zentrum unseres Interesses stehen die damit verbundenen Prozesse der kulturellen Öffnung und Grenzziehung zwischen europäischen und außereuropäischen Gesellschaften. Zu diesem Zweck untersuchen wir beispielsweise die Infrastrukturen, Vermittlungspraktiken und Kooperationsnetzwerke innerhalb des europäischen Buchmarkts.
Schließlich befasst sich die Professur mit den Beziehungen zwischen (Nicht-)Bürger*innen und Staat. Hierbei interessiert sich das Team dafür, wie plurale und teils widersprüchliche Rechtsordnungen lokal gehandhabt und interpretiert werden. Wir untersuchen, wie sich die Interaktionen zwischen den Adressat*innen und den Beschäftigten öffentlicher Behörden gestalten, welche Rolle hierbei Vertrauen und Misstrauen spielen, welche Formen der Macht und der Gegenmacht sie kennzeichnen und inwiefern sie sich verändern (lassen).
Die Forschung der Professur zeichnet sich durch methodische Vielfalt aus und greift auf qualitative, quantitative und Mixed-Methods-Verfahren zurück. Hierzu zählen Ansätze der Grounded Theory und Situationsanalyse, die Diskursanalyse, aber auch fortgeschrittene quantitative Analyseverfahren und Techniken der Computational Social Sciences.
Forschungsschwerpunkte
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Europäische Integration und Ungleichheit
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Kultur- und Wissensproduktion
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Staat und Verwaltung
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Öffentlichkeit und politische Partizipation
Neueste Publikationen
- Lahusen, Christian, Jelena Ceriman & Anastasia Kafe (2026). “The Fragility of Trust: Interpersonal Encounters, Institutional Distrust, and Conditional Spillovers in the Area of Social Service Delivery.” Regulation & Governance, S. 1–13. https://doi.org/10.1111/rego.70148.
- Lahusen, Christian (ed./Hrsg.) (2026). Political Trust and Distrust in Governance: A Comparative Analysis in Times of Crisis. London: Routledge. https://doi.org/10.4324/9781003584537
- Kuppler, Matthias (December 2025). Of centers and peripheries: Explaining the macro-structure of book translation flows in Europe. https://doi.org/10.1016/j.poetic.2025.102054
- Kuppler, Matthias (February 2026).The conservative revolution revisited: The blending of art and commerce in four Western publishing fields. https://doi.org/10.1016/j.poetic.2026.102076