Titel: Nicholas of Cusa and the Comparison of Plato and Aristoteles in the 15ᵗʰ Century: Sources, Controversies, and Intellectual Networks
Datum: 18.–19. Februar 2025
Ort: Universität Siegen, US-A 120
Organisator:innen: Prof. Dr. Mario Meliadò, Dr. Luca Burzelli, Fabian Marx
Beschreibung: Während das Werk des Nikolaus von Kues historisch meist durch die Linse des Platonismus oder einer anti-aristotelischen Kritik betrachtet wurde, ist seine Auseinandersetzung mit den intellektuellen Debatten rund um die Platon–Aristoteles-Kontroverse des 15. Jahrhunderts weitgehend unerforscht geblieben. Diese Konferenz griff diesen zentralen, jedoch häufig übersehenen Aspekt von Cusanus’ Denken auf, indem sie die Netzwerke der Handschriftenzirkulation, persönlichen Beziehungen und philosophischen Loyalitäten nachzeichnete, die Cusanus’ vergleichende Analyse von Platon und Aristoteles geprägt haben.
Titel: Transnational Renaissance: The Making of a Modern Idea Between Germany and Italy
Datum: 20.–24. November 2023
Ort: Villa Vigoni, Menaggio (Italien)
Organisator:innen: Prof. Dr. Alessio Cotugno, Jun.-Prof. Mario Meliadò, Prof. Dr. Cecilia Muratori
Beschreibung: Der Kongress ist der sprachlichen, historischen und philosophischen Genealogie des modernen Begriffs „Rinascimento“ gewidmet. Er beleuchtet insbesondere die Aneignung und Transformation der deutschen Gelehrsamkeit im Italien des 19. Jahrhunderts (direkt oder vermittelt über Frankreich). Die Hypothese, die wir gemeinsam untersuchen wollen, lautet, dass dieser Wissenstransfer zu einer neuen Bestimmung des „Rinascimento“ geführt hat – sowohl als Wort als auch als Idee. Wir möchten die unterschiedlichen Reaktionen erforschen, die durch die Rezeption klassischer Darstellungen der Renaissance in Italien hervorgerufen wurden, insbesondere jener von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Wilhelm Gottlieb Tennemann, Jules Michelet und bis hin zu Jacob Burckhardt. Durch die Verbindung von Vorträgen und Lektüreseminaren versteht sich der Kongress als Auseinandersetzung mit der philosophischen Historiographie als einer Praxis, die auf internationalem Austausch beruht, und fragt nach deren intellektuellen, politischen und sozialen Beweggründen.
Titel: Denken am Seitenrand. Marginalien in der Philosophie des Mittelalters und der Renaissance
Datum: 29. September 2023
Ort: Universität Siegen, US-A 120
Organisator: Jun.-Prof. Mario Meliadò
Beschreibung: Die Tagung „Denken am Seitenrand. Marginalien in der Philosophie des Mittelalters und der Renaissance“ war die 16. Jahrestagung (Dies Quodlibetalis) der Gesellschaft für Philosophie des Mittelalters und der Renaissance (GPMR). Im Mittelpunkt standen Marginalien – also Randnotizen in Handschriften und Büchern. Anders als oft angenommen, gelten sie hier nicht als bloß nebensächliche Kommentare, sondern als wichtige Quellen für die Philosophiegeschichte. Sie zeigen konkret, wie Texte gelesen, verstanden und interpretiert wurden, und geben Einblick in Lehrmeinungen, Auslegungsschwerpunkte oder auch Desinteresse – Aspekte, die sich aus Haupttexten allein kaum erschließen lassen. Zugleich ermöglichen Marginalien Einblicke in die „Lese-Werkstatt“ früherer Gelehrter: ihre Arbeitsweisen, Notiztechniken, Kooperationen und intellektuellen Netzwerke. Damit verbinden sich philosophiehistorische, philologische und kulturgeschichtliche Fragestellungen. Die Tagung untersuchte insbesondere die lateinischen und arabischen Philosophietraditionen des Mittelalters und der Renaissance im Übergang von der Handschriften- zur Buchkultur.
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Titel: L’institution philosophique française et la Renaissance: l’époque d’Étienne Gilson
Datum: 8.–9. Oktober 2021
Ort: Centre Panthéon, Salle 6, 12 place du Panthéon, 75005, Paris
Organisator:innen: Jun.-Prof. Mario Meliadò, Prof. Dr. Marie Dominique Couzinet
Beschreibung: Diese Studientage zum Thema „die französische philosophische Institution und die Renaissance“ standen im Zeichen der „Epoche Étienne Gilsons“. Ziel war es, die Überlegungen fortzuführen, die in L’Institution philosophique française et la Renaissance : l’époque de Victor Cousin (D. Couzinet, M. Meliadò (Hrsg.), Brill’s Series in Philosophical Historiographies, Leiden, Brill, 2022) begonnen wurden, und die intellektuellen, ideologischen und politischen Herausforderungen der Praxis der Philosophiegeschichtsschreibung in Frankreich zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert weiter zu untersuchen. In diesem Rahmen sollte insbesondere der historiographische Status des Denkens der Renaissance näher erforscht werden, vor allem im Kontext der Epoche von Étienne Gilson.
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Titel: The Dissident Renaissance: Rewriting the History of Early Modern Philosophy as Political Practice
Datum: 3.–4. März 2020
Ort: Universität Siegen, US-A 120
Organisator:innen: Jun.-Prof. Mario Meliadò, Dr. Cecilia Muratori
Beschreibung: Dieser Workshop versteht die Philosophiegeschichtsschreibung – ebenso wie historiographische Praktiken im Allgemeinen – als ein Instrument intellektueller Dissidenz. Im Mittelpunkt steht insbesondere die Konstruktion philosophischer Genealogien des frühneuzeitlichen Europa, die im Rahmen einer ethischen und politischen Agenda dominante historiographische Narrative und Voraussetzungen in Frage stellten. Ziel ist es, eine Reihe von Fallstudien zur Geschichte der Renaissanceforschung vom späten 17. bis zum 20. Jahrhundert zu diskutieren. Untersucht werden soll, wie in Zeiten kultureller und politischer Krisen die gelehrte Wiederentdeckung ansonsten marginalisierter Denker oder intellektueller Traditionen häufig der Entwicklung oder Legitimation eines Ideals sozialer, religiöser oder moralischer Reform diente. Die einflussreichsten philosophischen Deutungen des Aufstiegs der Moderne als Zeitalter der Vernunft – insbesondere jene von Johann Jakob Brucker, Wilhelm Gottlieb Tennemann und Georg Wilhelm Friedrich Hegel in Deutschland sowie von Victor Cousin in Frankreich – schrieben dem Begriff der Renaissance keine theoretische Eigenständigkeit zu. Dieser Ansatz führte zu dem, was Charles Schmitt im 20. Jahrhundert als das „Verschwinden der Renaissance“ aus den Philosophiegeschichten bezeichnete. Der Workshop zielt darauf ab, dieses Verdikt zu differenzieren, indem er vernachlässigte historiographische Wege untersucht und die Motive für deren kritische Haltung gegenüber den dominanten Narrativen ergründet. Es geht nicht nur darum zu verstehen, warum die Renaissance – wie Schmitt formulierte – „verloren“ ging, sondern auch darum zu erforschen, warum und wie sie in einer Reihe vergleichsweise marginaler oder peripherer Rezeptionsgeschichten wieder auftauchte.
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Titel: L’institution philosophique française et la Renaissance : l’époque de Victor Cousin
Datum: 21. Juni 2019
Ort: Bibliothèque Interuniversitaire de la Sorbonne, 17, rue de la Sorbonne, 75005, Paris
Organisator:innen: Prof. Dr. Marie Dominique Couzinet, Jun.-Prof. Mario Meliadò
Beschreibung: Die Studientagung widmete sich den institutionellen und politischen Rahmenbedingungen der Philosophiegeschichtsschreibung in Frankreich zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert, mit besonderem Fokus auf die Renaissance. Ausgangspunkt war die zunächst randständige Institutionalisierung der Lehre zur Renaissancephilosophie 1841/42 in Strasbourg durch Giuseppe Ferrari. Diese Initiative stand im deutlichen Gegensatz zur dominierenden Lehre von Victor Cousin an der Sorbonne, der der Renaissance weder philosophische Eigenständigkeit noch systematische Bedeutung zuschrieb und sie als bloße Übergangsphase zwischen Scholastik und Descartes deutete. Ferraris Vorlesungen, die unter Atheismusverdacht eingestellt wurden, verstanden die Renaissance hingegen als eigenständigen und potenziell dissidenten Gegenstand – auch im Kontext der historischen Arbeiten von Jules Michelet. Die Tagung untersuchte, inwiefern diese konflikthafte Entstehungssituation langfristig die begrifflichen, ideologischen und polemischen Muster der Renaissance-Historiographie geprägt hat. Im Zentrum stehen drei Aspekte: die Debatte um den Status der Renaissance als „philosophische Epoche“, ihre politische und kulturelle Instrumentalisierung im 19. Jahrhundert sowie die unterschiedlichen Positionen innerhalb der cousinistischen Schule und deren Rezeption. Begleitend wurde eine Ausstellung zum Nachlass Victor Cousins an der Sorbonne gezeigt.
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