Geschichte der Philosophie
Philosophisches Seminar
Die Professur für Geschichte der Philosophie erschließt philosophisches Denken als historisch situierte Praxis, die in Wissensordnungen eingebunden ist und sich in politischen, sozialen sowie religiösen Kontexten abspielt.
Forschungsschwerpunkte sind die Philosophie des Mittelalters und der Renaissance – mit einem besonderen Fokus auf das 15. Jahrhundert und das Denken des Nikolaus von Kues –, die Edition philosophischer Texte und Marginalien sowie die Geschichte und Theorie der Philosophiegeschichtsschreibung.
In der Lehre wird die Denkgeschichte von der Antike bis zur Neuzeit vermittelt. Aus historischer Perspektive werden zentrale Fragen der Ethik und politischen Philosophie ebenso behandelt wie Probleme der Metaphysik, Erkenntnistheorie und philosophischen Anthropologie. Die Reflexion über das Lesen als philosophische Übung prägt und verbindet unsere Lehre und Forschung.
Die Vortragsreihe „Der Büchergarten. Lektüren aus der Philosophiegeschichte“ bildet ein interdisziplinäres Forum für Praktiken der Textinterpretation, während unser Philosophiehistorisches Kolloquium als fortlaufende Werkstatt methodischer und fachlicher Diskussion dient.
Forschungsprofil
Die Professur erforscht die Philosophie des Spätmittelalters und der Renaissance als zentrale Umbruchphase der europäischen Denkgeschichte. Im Spannungsfeld der historiographisch wirkmächtigen Epochengrenzen „Mittelalter“ und „Frühe Neuzeit“ rücken sowohl die aristotelisch geprägten Denkschulen der Universitäten als auch humanistische, häufig platonisch orientierte Reformbestrebungen außerhalb der akademischen Lehrkontexte in den Blick. Der Ansatz der Professur besteht darin, Wissensmodelle und Philosophietraditionen, die traditionell mit Begriffspaaren wie „Scholastik“ und „Humanismus“ oder „Aristotelismus“ und „Platonismus“ beschrieben und gegeneinander abgegrenzt werden, in ihrer Gleichzeitigkeit, Verflechtung und gegenseitiger Umformung zu untersuchen. Gängige historiographische Einteilungen, die sie strikt trennen oder sogar unterschiedlichen Zeitaltern zuordnen, werden historisiert und kritisch reflektiert.
Methodisch versteht die Professur philosophiehistorische Forschung nicht allein als Texthermeneutik und Problemdiskussion, sondern auch als eine interdisziplinäre Schnittstelle. Ebenfalls zu ihr gehören die philologische Erschließung der Quellen und ihre kritische Edition, die Untersuchung materieller Formen der Wissensvermittlung – Handschriften, Bibliotheken, Kopist:innen etc. – sowie die Analyse sozialer, religiöser und institutioneller Kontexte, in denen Philosophie als konkrete intellektuelle Praxis stattfindet. Zugleich ist unsere Arbeit von einer ausgeprägten disziplinären Selbstreflexivität geleitet: Philosophiegeschichte wird auf ihre eigene Entstehung und Entwicklung als moderne Disziplin bezogen und in ihrem Zusammenhang mit der transnationalen Wissens- und Politikgeschichte betrachtet.
Profilbildend sind zwei zentrale, langfristig angelegte Initiativen: die von der DFG geförderte kritische Edition sämtlicher Marginalien des Nikolaus von Kues (1401–1464), einschließlich der Untersuchung seiner Bibliothek und Textpraktiken im Kontext einer Philosophiegeschichte des Lesens (Marginalia Nicolai de Cusa); sowie die Herausgeberschaft einer Buchreihe zur Philosophischen Historiographie (Brill’s Series in Philosophical Historiographies), die als Plattform für die Diskussion von Theorien, Methoden und der Geschichte unserer Disziplin dient und deren Ziel es ist, die Philosophiegeschichte als Ort der Aushandlung moderner Rationalitätsformen sichtbar zu machen.
Forschungsschwerpunkte
- Philosophie des Mittelalters und der Renaissance
- Geschichte und Theorie der Philosophiegeschichtsschreibung
- Marginalienforschung und Philosophiegeschichte des Lesens
- Platonismus und Aristotelismus
- Nikolaus von Kues (1401–1464)
Neueste Publikationen
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