Problemstellung
Krankenhäuser haben landauf, landab mit Personalmangel zu kämpfen – von Pflegekräften bis hin zu Ärztinnen und Ärzten. Das deutsche Gesundheitswesen steht vor der Herausforderung, die pflegerische und medizinische Versorgung auch zukünftig zu sichern.
Obwohl immer mehr junge Menschen in die Pflegeausbildung starten, steigt der Mangel an Pflegekräften. Ursachen sind der zunehmende Bedarf an pflegerischer und medizinischer Versorgung, aber auch die kurze Berufsverweildauer und die hoheTeilzeitquote in der Pflege. Hinzu kommen hohe psychische und physische Arbeitsbelastungen, eine schlechte Vereinbarkeit mit Care-Tätigkeiten und ein Mangel an gesellschaftlicher und institutioneller Anerkennung. Um die Versorgung zukünftig sicherzustellen, gilt es daher, Arbeitsbelastungen spürbar zu reduzieren und den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten.
Vorgehensweise
Das interdisziplinäre Forschungsteam der Universität Siegen und der TU Dortmund arbeitet gemeinsam mit zwei Krankenhäusern zusammen, die unterschiedliche Strukturen und Anforderungen aufweisen. Durch diese Kombination können Lösungen für unterschiedliche Ausgangsbedingungen entwickelt werden, die später auf viele Kliniken übertragbar sind.
- Umfassende Ist-Analyse: Beobachtungen im Klinikalltag, Interviews, Workshops und Befragungen
- Identifikation von Prozessoptimierungen und Effizienzsteigerungen unter Einbeziehung digitaler Technologien
- Maßnahmen zur Verbesserung von Zusammenarbeit und Abläufen
- Fokus auf den „Zeitfressern“ des Alltags, wie Dokumentation oder Kommunikationsstrukturen
- Erprobung von Maßnahmen und kontinuierliche Evaluation und Anpassung der Methoden
- Ziel ist es, Einsparpotenziale aufzuzeigen und die Auswirkungen auf Arbeitszufriedenheit und Gesundheit zu messen.
Der Fokus unseres Lehrstuhls liegt dabei auf der Servicequalität aus der Patienten- und Angehörigenperspektive. Aus Sicht der Dienstleistungsentwicklung begleiten wir Prozessumstrukturierungen und Workshops.
Zielsetzung
Das Projekt „Vier-Tage-Woche im Krankenhaus“ (ViTaWo) verfolgt das Ziel, Pflegekräfte zu entlasten und damit langfristig dem Pflegekräftemangel entgegenzuwirken. Zentrales Vorhaben ist die Entwicklung eines Werkzeugkastens, mit dem Krankenhäuser attraktive Arbeitszeitmodelle einführen können. Ein Schwerpunkt liegt unter anderem auf der Erprobung flexibler Arbeitszeitmodelle mit Arbeitszeitreduzierung bei vollem Lohnausgleich. Dabei soll es nicht um eine Verdichtung der Arbeit gehen, sondern um echte Entlastung mithilfe moderner Technik, optimierte Prozesse, verbessertes Schnittstellenmanagement sowie einer besseren Zusammenarbeit.
Die Ergebnisse des Projekts können nach den anforderungen der jeweiligen Institution flexibel eingesetzt werden, um langfristige Vorteile zu generieren, wie Mitarbeiterbindung und -Gewinnung, effiziente Patientenversorgung und Patientenzufriedenheit sowie zufriedenstellende interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Das Projekt „Vier-Tage-Woche im Krankenhaus“ wird gefördert durch die Hans Böckler Stiftung.
Alles auf einen Blick