Digitale Innovationen für die Gesundheitsversorgung von morgen
Im Zentrum stand das innovative Versorgungsmodell DIHVA (Digitale hausärztliche Versorgungsassistenz), das digitale Technologien, Künstliche Intelligenz und neue Formen der Arbeitsteilung im Gesundheitswesen kombiniert. Ziel des Ansatzes ist es, hausärztliche Praxen zu entlasten und gleichzeitig eine wohnortnahe, effiziente Versorgung sicherzustellen.
Studentisches Forschen an realen Herausforderungen
Die Studierenden Pia Gräbener, Kimberly Hasel, Sophie Ortlepp und Milla Semibratova entwickelten im Rahmen ihrer Seminararbeit ein wissenschaftlich fundiertes Wirkmodell zur Analyse der DIHVA-Intervention.
Dabei kombinierten sie:
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eine umfangreiche Literaturrecherche
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theoretische Modelle aus der Versorgungsforschung
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sowie qualitative Interviews mit den Projektverantwortlichen Alex Baasner und Stefan Spieren
Ziel war es, die potenziellen Effekte des Modells systematisch abzubilden und auf verschiedenen Ebenen zu analysieren – von individuellen Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten bis hin zu gesamtgesellschaftlichen Effekten.
Wissenschaftlicher Mehrwert: Ein Wirkmodell für komplexe Versorgung
Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist die Entwicklung eines mehrdimensionalen Wirkmodells, das ökonomische, soziale und ökologische Effekte integriert. Dieses Modell dient als Grundlage für zukünftige Evaluationen und zeigt auf, welche Faktoren für den Erfolg solcher Versorgungsinnovationen entscheidend sind.
Die zentralen Ergebnisse im Überblick:
1. Entlastung hausärztlicher Praxen
Durch die Delegation standardisierter diagnostischer Tätigkeiten an speziell geschulte Versorgungsassistenzen können Ärztinnen und Ärzte stärker entlastet werden und sich auf komplexe medizinische Entscheidungen konzentrieren.
2. Verbesserter Zugang zur Versorgung
Insbesondere in ländlichen und unterversorgten Regionen kann das Modell die Erreichbarkeit medizinischer Leistungen deutlich verbessern und Wartezeiten reduzieren.
3. Effizientere Versorgungsprozesse
Die strukturierte digitale Erfassung und Übermittlung von Patientendaten ermöglicht eine bessere Koordination der Behandlung und kann Doppeluntersuchungen vermeiden.
4. Stärkung von Gesundheitskompetenz und Teilhabe
Digitale Kommunikations- und Informationsprozesse fördern die aktive Einbindung von Patientinnen und Patienten in ihre Behandlung und können gesundheitliche Ungleichheiten reduzieren.
5. Ökologische Effekte
Telemedizinische Elemente und wohnortnahe Versorgung tragen dazu bei, Fahrtwege zu reduzieren und damit potenziell Emissionen im Gesundheitswesen zu senken.
Die Seminararbeit zeigt deutlich: Digitale und KI-gestützte Versorgungsmodelle wie DIHVA besitzen ein erhebliches Potenzial, die Primärversorgung nachhaltig zu verändern. Für eine belastbare Bewertung sind weitere empirische Studien notwendig – insbesondere zu langfristigen Effekten, Kosten-Nutzen-Aspekten und der Integration in die Regelversorgung.
Lernen durch Forschen: Ein Gewinn für Studium und Praxis
Das Seminar ist ein Beispiel für forschungsorientierte Lehre, bei der Studierende eigenständig an realen Herausforderungen des Gesundheitssystems arbeiten. Durch die enge Zusammenarbeit mit Praxispartnern erhalten die Studierenden direkte Einblicke in innovative Versorgungsmodelle und entwickeln gleichzeitig wissenschaftlich fundierte Analysen mit hoher Praxisrelevanz. Solche didaktischen Formate zeigen, wie Studium, Forschung und Praxis sinnvoll miteinander verknüpft werden können – und wie Studierende aktiv zur Weiterentwicklung des Gesundheitssystems beitragen.