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Infos für Lehrer*innen

Was möchte Talentscouting erreichen?

Das NRW-Talentscouting möchte vorgezeichnete Biografien durch individuelle und kontinuierliche Förderung überwinden. Es konkretisiert Träume, Wünsche und Neigungen gemeinsam mit den Jugendlichen und begleitet und unterstützt die Verwirklichung über einen langen Zeitraum und über Systemgrenzen hinweg. Die Talentscouts machen den Talenten Mut, entwickeln gemeinsam mit ihnen Visionen für die Zukunft, zeigen Wege auf, schaffen hilfreiche Netzwerke und eröffnen Zugänge zu existierenden Förderinstrumenten des Bildungssystems.

Wer ist ein Talent?

Viele denken beim Talentscouting an die Förderung Hochbegabter. NRW-Talentscouting setzt jedoch gezielt an einer Gruppe von Schüler*innen an, die trotz zum Teil herausfordernder Rahmenbedingungen erstaunliche Leistungen erbringen. Die Talentförderung verwendet dabei eine Suchlogik, die neben den schulischen auch solche Leistungsbereiche in den Blick nimmt, die nicht oder nur unzureichend über Schulnoten abbildbar sind. Hierunter fallen u. a. besondere Sprachkenntnisse, gesellschaftliches Engagement und organisatorische oder unternehmerische Fähigkeiten. Gleichzeitig bezieht die Talentförderung leistungsmindernde Effekte (temporäre Leistungsabsorber: Pflege, Trennung der Eltern, Krankheit, Umzug, etc.) wie auch soziale und ökonomische Umfeldbedingungen mit ein, um die „reale Leistungsfähigkeit“ von Talenten einschätzen zu können.

Talentscouting Leistung im Kontext

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Wie wird Talentscouting umgesetzt?

Das Talentscouting findet vor Ort in Schulen statt und ist freiwillig. Das Programm wird zu Beginn der gymnasialen Oberstufe an Gesamtschulen, Berufskollegs und Gymnasien angeboten und die Begleitung kann bis über die Schulzeit hinaus andauern.

a) Beratung
Aus einem Erstgespräch, bei dem es vor allem um Zukunftswünsche, Interessen und Problemlagen bei der nachschulischen Bildungswahl geht, kann sich eine jahrelange Begleitung entwickeln. Die Beratung ist ergebnisoffen; ob für die Talente ein klassisches Hochschulstudium, ein duales Studium oder eine Berufsausbildung das Richtige ist, entscheiden die Jugendlichen selbst. Der weitere Programmverlauf wird individuell an den Bedürfnissen, Fragen und Unsicherheiten der Schüler*innen ausgerichtet.

Talentscouting Grafik Aufsuchend

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b) Vernetzung
Die Talentscouts helfen Hürden ab- und Brücken zu Kooperationspartner*innen und Hochschulen aufzubauen. Hierzu werden Vernetzungstreffen, Besuche an Hochschulen sowie Interessenstests genutzt. Talentscouts bieten zudem Informationen zu Stipendien, anderen Beratungsstellen, Auslandsaufenthalten, Feriencamps, Talentkollegs und Akademien. Das NRW-Talentscouting bleibt auf Wunsch nach dem Schulabschluss an der Seite der jungen Erwachsenen und bietet Austausch- und Unterstützungsmöglichkeiten an.

c) Stipendien/Vorschlagsrecht bei Begabtenförderungswerken
Für die Kooperationsschulen kann – über das eigene Vorschlagsrecht der Schulen hinaus – pro Talentscout und pro Kalenderjahr ein Talent für die Förderung durch die Studienstiftung des deutschen Volkes nominiert werden. Das Evangelische Studienwerk Villigst ermöglicht Talenten aus dem NRW-Talentscouting einen direkten Zugang zur zweiten Bewerbungsrunde. Auch bei der Hans-Böckler-Stiftung findet das NRW-Talentscouting besondere Berücksichtigung. Diese enge Kooperation ist ein wirkungsvolles Instrument, um die finanzielle Situation im Studium zu verbessern und zugleich durch ideelle Förderung die Persönlichkeitsentwicklung sowie die Perspektiven für einen erfolgreichen Einstieg in den Beruf zu fördern.

Welche Rolle haben Lehrer*innen beim Talentscouting?

Eine individuelle Förderung im Bereich der Studien- und Berufsorientierung können Lehrer*innen auf Grund der zahlreichen Aufgaben und Verpflichtungen im Schulalltag nicht immer leisten. NRW-Talentscouts arbeiten daher eng mit Lehrer*innen zusammen, die die Schüler*innen kennen. Sie sprechen Schüler*innen an, in die Erstberatung eines Talentscouts zu gehen. Schüler*innen können aber auch eigenständig zum Talentscout an ihrer Schule gehen, wenn sie das möchten.

Wie werden Schulen, die am Talentscouting teilnehmen, ausgezeichnet?

Als Zeichen der aktiven Förderung ihrer Schüler*innen, erhalten die Schulen, an denen regelmäßig Talentscouts beraten, die Plakette „Schule im NRW-Talentscouting“. Die Schulen und die Hochschulen besiegeln damit die bestehenden Kooperationen im NRW-Talentscouting.

Wie hat sich Talentscouting entwickelt?

Das Talentscouting ist an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen entstanden. Als bundesweit erster Talentscout ging Suat Yilmaz an weiterführende Schulen, um dort in Zusammenarbeit mit Lehrer*innen motivierte Jugendliche zu finden, zu begleiten und zu unterstützen, die aufgrund ihres Lebenskontextes nicht die Möglichkeit hatten, ihre Potenziale voll auszuschöpfen. Was mit einer Hochschule und einem Talentscout begann, hat sich seit 2015 mit Unterstützung des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums auf ganz NRW ausgeweitet. Mittlerweile begleiten mehr als 100 Talentscouts von 23 Partnerhochschulen 30 000 junge Talente in ihrer individuellen Bildungsbiografie.

Welche Ergebnisse hat die Evaluation von Talentscouting hervorgebracht?

NRW-Talentscouting ist ein auf Wirkung für Chancengerechtigkeit unabhängig evaluiertes Programm. Durch eine 2017 begonnene Begleitstudie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) mit über 1 400 Schüler*innen aus 31 Schulen in NRW wurden 2022 erstmals die Auswirkungen des NRW-Talentscouting belegt. Die Ergebnisse zeigen, dass leistungsstärkere Jugendliche ohne akademischen Familienhintergrund in der Begleitung eines Talentscouts nach dem (Fach-)Abitur häufiger ein Studium und gleichzeitig leistungsschwächere Schüler*innen, deren Eltern studiert haben, häufiger eine duale Ausbildung aufnehmen. Beide Effekte zusammengenommen verringern die Chancenungleichheit beim Hochschulzugang um über 70 Prozent. Weiterhin zeigen die Ergebnisse, dass sich der Anteil an Studierenden verdoppelt, die in Begleitung eines Talentscouts einen geschlechtsatypischen Studiengang gewählt haben. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass mit einem intensiven und längeren Beratungsprogramm wie dem NRW-Talentscouting soziale Ungleichheiten beim Übergang zum Studium und in Ausbildung reduziert werden können. Das Programm unterscheidet sich von bisher untersuchten kurzen Interventionen dadurch, dass es eine größere Gruppe von Schüler*innen zum Nachdenken und Nachjustieren bringt – und nicht nur bei bereits studierwilligen.

Bildungsungleicheit

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