Zeit neu denken anhand von Bildtexten
Im Mittelpunkt dieser Konferenz stehen Fragen der Zeitkonstruktion und -wahrnehmung in Comics und insbesondere die Frage, wie dominante bzw. alternative Zeitlichkeiten Bildtexte prägen. Unser besonderes Interesse gilt der Art und Weise, wie Zeit bzw. Zeitlichkeiten in einem breiteren Spektrum von Bildtexten konstruiert werden, darunter illustrierte Prosa, Collagen, visuelle Poesie, Zines, Assemblagen aus Filmstills, Sammelalben und experimentelle Mixed-Media-Arbeiten.
Über die Konferenz
Hauptredner: Prof. Dr. Kai Mikkonen, Universität Helsinki, Finnland
Diese Konferenz bringt Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen zusammen, um die Schnittstellen zwischen Bildtexten und vorherrschenden sowie alternativen/gegenläufigen Zeitlichkeiten zu untersuchen.
Das Thema Zeit hat in der Comicforschung schon immer große Beachtung gefunden. Zu den frühen Beispielen zählen Scott McClouds Untersuchung von Zwischenräumen und Sequenzialität (1994) sowie Thierry Groensteens fortgeschrittene Theoretisierung räumlich-thematischer Netzwerke (1999), einschließlich neuerer Analysen des Themas, wie beispielsweise Kai Mikkonens Untersuchung der Zeit in„The Narratology of Comic Art“(2017) Jan Baetens’ zahlreiche Beiträge zu diesem Thema (z. B. „Gap or Gag“ (2020)) sowie Groensteens„La Bande dessinée et le temps“(2022). Da „Comics in der Zeit existieren“ (Baetens, 2022), scheint sich ihre zeitliche Existenz über rein räumliche Beziehungen hinaus zu erstrecken und vielfältige Variablen einzubeziehen, die unsere Wahrnehmung von Zeit prägen; diese bilden den wachsenden Forschungsbestand zur Zeit in Comics, der oft der bergsonischen Kritik an der Räumlichkeit folgt (Conard & Lambeen, 2012). Besonders faszinierend ist in diesem Zusammenhang die Art und Weise, wie zeitliche Beziehungen in Bildtexten mit unseren gesellschaftspolitischen Realitäten in Resonanz treten, in denen historische Metanarrative durch spezifische Regime des Lesens, des Betrachtens und, im weiteren Sinne, „Erleben“ von Zeit verinnerlicht werden und in der Erzählzeit und Diskurszeit zudem von der Zeit „da draußen“ als unserer historischen Zeit geprägt werden.
Als Fortsetzung dieses kritischen Polylogs möchte diese Konferenz eine Plattform bieten, um die Diskussion über Zeitkonstruktion und -wahrnehmung in Comics voranzutreiben und gleichzeitig den Untersuchungsgegenstand auf breitere Konstellationen von Bildtexten auszuweiten: statische gedruckte und digitale Medien, in denen Bild und Text auf kreative Weise aufeinandertreffen, verschmelzen oder kollidieren, darunter illustrierte Prosa, Collagen, visuelle Poesie, Zines, Assemblagen aus Filmstills, Sammelalben und experimentelle Mixed-Media-Arbeiten.
Konferenzprogramm –
Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Svitlana Stupak (svitlana.stupak@uni-siegen.de) und Silvia Vari (
silviaericavari@gmail.com).