Affektives Lernen und Konditionierung
Affektives Lernen beschreibt Prozesse, in denen ursprünglich neutrale Reize durch ihre Kopplung mit aversiven (z. B. furchtauslösenden oder ekelerregenden) oder appetitiven Ereignissen emotionale Bedeutung erhalten. Solche Konditionierungsprozesse spielen vermutlich eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen, etwa bei Angststörungen, Zwangssymptomatik oder Suchterkrankungen. Unsere Abteilung untersucht, wie emotionale Reize gelernt, generalisiert, gelöscht und unter veränderten Bedingungen erneut aktiviert werden. Im Zentrum steht dabei die Frage, über welche psychophysiologischen, kognitiven und neuronalen Mechanismen affektives Lernen abläuft und welche individuellen Unterschiede diese Prozesse beeinflussen.
Psychophysiologische Marker affektiven Lernens
Konditionierte Reaktionen bilden sich nicht nur in subjektiven Bewertungen ab, sondern auch z.B. in Reaktionen des autonomen Nervensystems. Ein besonderer Schwerpunkt unserer Abteilung liegt daher auf der Erfassung konditionierter Reaktionen mit objektiven psychophysiologischen Maßen. Unsere Forschung untersucht dabei insbesondere:
• Methodische und konzeptuelle Stärken psychophysiologischer Maße (z. B. Pupillometrie) bei der Erfassung konditionierter Reaktionen
• Unterschiede zwischen subjektiven, autonomen und behavioralen Indikatoren affektiven Lernens
• Zeitliche Dynamik konditionierter Reaktionen (Erwerb, Extinktion, Wiederauftreten)
• Rolle von Kontingenzbewusstheit für Lernprozesse
Appetitive Konditionierung und Belohnungsverarbeitung
Affektives Lernen umfasst nicht nur aversive Prozesse, sondern auch appetitive Formen der Reizkopplung, bei denen Hinweisreize mit positiven Konsequenzen assoziiert werden. Ein besonderer Fokus liegt hier auf der Rolle unterschiedlicher Belohnungsformen, etwa durch monetäre oder sexuelle Reize. Gerade sexuelle Reize stellen in diesem Zusammenhang einen wichtigen appetitiven Verstärkertyp dar, da sie eine hohe motivationale Salienz besitzen und im Falle einer Dysregulation klinisch besonders relevant sind.
Ekelkonditionierung als translational relevantes Modell
Ein wachsender Schwerpunkt unserer Forschung liegt auf der Ekelkonditionierung. Ekel ist für viele psychische Störungsbilder von hoher Relevanz, insbesondere für kontaminationsbezogene Zwangssymptomatik, gesundheitsbezogene Ängste u.a. Innerhalb dieses Forschungsfeldes arbeitet die Abteilung auch mittels olfaktorischer Stimulationsmethoden, da Gerüche als emotional besonders wirksame ekelbezogene Verstärker gelten.