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Stress und Biomarker

Psychosozialer Stress - akut wie chronisch - beeinflusst maßgeblich psychische und körperliche Funktionen. Aufgrund seiner vermuteten zentralen Rolle für Prozesse der Krankheitsentstehung, sowohl im Rahmen der Psychosomatik als auch der Vulnerabilität für psychische Störungen, kommt dem Stresskonzept daher eine hohe gesellschaftliche Relevanz zu.

Unsere Abteilung erforscht, wie Stress körperliche Funktionen (z. B. Hormonausschüttung) verändert und wie solche biologischen Prozesse wiederum auf die Psyche zurückwirken, einschließlich ihrer Effekte auf körperliche und mentale Gesundheit. Im Mittelpunkt stehen daher auch biologische Marker, die helfen können, individuelle Stressbelastung besser zu verstehen, gesundheitliche Risiken einzuschätzen und klinische Interventionen wissenschaftlich zu begleiten.

 

Haarcortisol als Langzeitmarker chronischer Belastung

Chronischer Stress verändert langfristig die Ausschüttung des Hormons Cortisol und kann so zu einem erhöhten Krankheitsrisiko beitragen. Die endokrine Haaranalytik ist ein modernes Verfahren, das eine zuverlässige rückblickende Erfassung langfristiger Cortisolbelastung über mehrere Monate ermöglicht.

Unsere Forschung untersucht dabei insbesondere:

  • Methodische Einflussfaktoren der Haarcortisolmessung
  • Bedeutung individueller Unterschiede in der Stressreaktivität für das Haarcortisol
  • Einfluss früher Belastungserfahrungen auf Haarcortisol und spätere Psychopathologie

 

Die Cortisol-Aufwachreaktion (CAR): Anpassung an tägliche Anforderungen

Neben langfristigen Veränderungen spielt auch die kurzfristige Stressregulation eine wichtige Rolle. Die Cortisol-Aufwachreaktion (CAR) beschreibt den natürlichen Anstieg des Cortisols nach dem morgendlichen Erwachen. Sie wird von Erwartungsprozessen beeinflusst und trägt zur optimalen Vorbereitung auf die Anforderungen des Tages bei.Zentrale Forschungsthemen sind:

  • Einfluss von Erwartungen und antizipierten Belastungen auf die CAR
  • Rolle der CAR bei täglichen Anpassungen der Immunaktivität
  • Auswirkungen auf exekutive Funktionen und Emotionsregulation

 

Einfluss von akutem Stress auf kognitive Prozesse

Akuter Stress moduliert kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis über verschiedene endokrine und neuronale Routen. Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Kontext der vielschichtigen Wirkung des Stresshormons Cortisol auf Gedächtnissysteme zu.

Aktuelle Projekte der Abteilung erforschen u. a. die zeitliche Dynamik von Cortisol-Effekten auf Prozesse des emotionalen Lernens, insbes. im Rahmen der Belohnungsverarbeitung (anhand von Interventionen wie Kaltwasserexposition bzw. pharmakologischer Verabreichung von Cortisol).