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Forschungsschwerpunkt experimentelle Psychopathologie

Die „experimentellen Psychopathologie“ beschäftigt sich mit impliziten Informationsverarbeitungsprozessen (sog. „cognitive biases“), die zur Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen beitragen können. Zu impliziten Informationsverarbeitungsprozessen zählen z. B. Aufmerksamkeitstendenzen („attentional bias“), implizite Assoziationen („association bias“) sowie automatische Annäherungs- und Vermeidungstendenzen („approach-avoidance bias“).

Der Fokus unserer Projekte liegt sowohl in der Erhebung als auch gezielten Modifikation dieser Prozesse (im Sinne von Cognitive Bias Assessment and Modification).

Dabei verfolgen wir grundlagen- und anwendungsorientierte Forschungsschwerpunkte, wie zum Beispiel:

  • Die Untersuchung der psychometrischen Güte häufig verwendeter Paradigmen zur Messung von cognitive biases (z. B. Avoidance Task, Dot-Probe Task, Implicit-Association Task, Visual Search Task). Dabei erforschen wie, welchen Einfluss Kontextfaktoren und die Erhebungsmethode (z.B. Messung am PC, Tablet, Smartphone, in der Virtuellen Realität) auf die Messgenauigkeit haben.
  • Die Wirksamkeit von Cognitive Bias Modification-Trainings zur gezielten Veränderung störungsrelevanter Informationsverarbeitungsprozesse. Im Fokus steht dabei das Approach Bias Modification (ApBM) Training, dessen Wirksamkeit aktuell zur Reduktion des Rauchverhaltens sowie riskanten Alkoholkonsums untersucht wird.
  • Die Rolle adaptiver Informationsverarbeitungsprozessen (z. B. „positive cognitive biases“) für psychische Gesundheit und Resilienz.

Ziel unserer Forschung ist es, kognitive und emotionale Mechanismen psychischer Störungen besser zu verstehen und auf dieser Grundlage evidenzbasierte, digitale Trainingsverfahren zu entwickeln, die traditionelle psychotherapeutische Interventionen sinnvoll ergänzen und Therapieergebnisse verbessern können.

 

Infrastruktur und Versorgungsbezug

Für unsere Projekte stehen moderne ausgestattete VR/MR-Labore zur Verfügung, die experimentelle und klinische Studien unter kontrollierten Bedingungen ermöglichen.

Unsere Projekte leisten einen Beitrag zur Weiterentwicklung niedrigschwelliger, skalierbarer Interventionsformate mit Relevanz für Prävention (Public Health) und Psychotherapieversorgung. Die enge Kooperation mit der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz der Universität Siegen erlaubt es, experimentelle Befunde zu kognitiv-emotionalen Mechanismen in klinische Anwendungskontexte zu überragen und sie hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, Praktikabilität und Implementierbarkeit zu überprüfen.