Gesundheit und Geschlecht im digitalen Zeitalter – eHealth, Algorithmen und die Frage: Für wen funktioniert digitale Medizin?
Dr. Olaf Gaus (Siegen)
Algorithmen, Apps und smarte Wearables sollen die Medizin präziser, persönlicher und zugänglicher machen. Doch für wen funktioniert digitale Medizin tatsächlich? Der Vortrag zeigt, dass Gesundheit weder biologisch noch sozial geschlechtsneutral ist – und dass sich diese Unterschiede in digitale Anwendungen einschreiben: in Diagnose-Algorithmen, die bei Frauen weniger zuverlässig erkennen, in Sensoren, die auf bestimmte Körper kalibriert sind, und in Trainingsdaten, die lange vor allem Männer abbilden.
Entlang dreier Lücken – Daten, Zugang und Politik – wird analysiert, wo eHealth bestehende Ungleichheiten verstärkt, etwa durch den digitalen Gender Gap, unterschiedliche digitale Gesundheitskompetenz oder fehlende Vorgaben im EU AI Act. Zugleich zeigt der Vortrag Beispiele, in denen geschlechtersensibles Design bereits gelingt – von der kardiovaskulären Risikobewertung über Femtech bis zu digitalen Angeboten für die psychische Gesundheit – und stellt ein Fünf-Ebenen-Modell vor, wie digitale Medizin für alle funktionieren kann.