Gender in der Gesundheitspolitik: Randaspekt oder hohe Relevanz?
Prof. Dr. Christoph Strünck (Siegen)
Gendersensible Medizin bekommt mehr Bedeutung: Unterschiedliche Risikofaktoren, unterschiedliche Krankheitsbilder, aber auch unterschiedliches Gesundheitsverhalten von Männern und Frauen erfordern, dass sich Forschung und Versorgung besser auf solche Differenzen einstellen. Doch wie sieht es in den Institutionen aus? Die Medizin ist (in ihren Leitungsfunktionen) männlich dominiert, die Pflege hingegen weiblich. Dass wir in Deutschland nach wie vor eher eine „Krankenversorgungspolitik“ (Christian von Ferber) als eine „Gesundheitspolitik“ haben, mag auch mit einem männlich geprägten Blick auf Hochleistungsmedizin zusammenhängen. Andererseits hat die Feminisierung der Medizin dafür gesorgt, dass neue Versorgungskonzepte wie Medizinische Versorgungszentren immer populärer werden. Welche Relevanz besitzen Genderfragen daher für gesundheitspolitische Entscheidungen? Was lernen wir aus der randständigen Rolle von Prävention und Gesundheitsförderung, aber auch der unterschiedlichen Stellung der Gesundheitsberufe über Geschlechterverhältnisse? Der Vortrag versucht sich thesenhaft diesen Fragen zu nähern und empirische Einschätzungen zur Diskussion zu stellen.