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Sozialpolitik

Seminar für Sozialwissenschaften

 

Artikel 20, Absatz 1, Grundgesetz:

„Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“.

Mit der Bismarckschen Sozialgesetzgebung von 1881 zählt Deutschland zu den Vorreitern moderner Wohlfahrtsstaaten. Die Sozialausgaben machen inzwischen den größten Teil am Bundeshaushalt aus. Soziale Sicherheit zählt zu den wichtigsten politischen Themen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Staaten. Aber wie gut sind Menschen gegen soziale Risiken wie Arbeitslosigkeit, Armut oder Krankheit abgesichert? Und welche Konflikte um die Ziele und Finanzierung der Sozialpolitik gibt es? Solche Fragen werden aus politikwissenschaftlicher Perspektive an der Professur erforscht und in der Lehre mit den Studierenden diskutiert.

Foto Team Sozialpolitik
Campus Unteres Schloss Hörsaalzentrum. Außenaufnahme der Fassade.
Öffentlichkeit

Mittwochs-Vortragsreihe Rethinking Medicine: Gesundheit und Geschlecht

Eine Kooperation vom Zentrum für interdisziplinäre Gesundheitsforschung Siegen (ZiGS) und Gender Studies Siegen (Gestu_S)

Veranstaltungsort: Raum US-C 102 im Hörsaalzentrum Unteres Schloss | Unteres Schloss 3 | 57072 Siegen 

 

 

Mi, 28.10.2026, Dr. Olaf Gaus: Gesundheit und Geschlecht im digitalen Zeitalter – eHealth, Algorithmen und die Frage: Für wen funktioniert digitale Medizin? (Siegen)

Mi, 25.11.2026, Prof. Dr. Christoph Strünck: Gender in der Gesundheitspolitik: Randaspekt oder hohe Relevanz? (Siegen)

Mi, 16.12.2026, Dr.‘ Sarah Eitze: Geschlechtersensible Medizin: Was wir wissen und wie wir darüber sprechen. (Erfurt)

Mi, 27.01.2027, Dr.‘ Marcella Fassio: Wenn Geburt zur Krise wird: Literarische Darstellungen von Wochenbett & psychischer Gesundheit. (Halle)

 

 

Olaf Gaus, Gesundheit und Geschlecht im digitalen Zeitalter – eHealth, Algorithmen und die Frage: Für wen funktioniert digitale Medizin?

Algorithmen, Apps und smarte Wearables sollen die Medizin präziser, persönlicher und zugänglicher machen. Doch für wen funktioniert digitale Medizin tatsächlich? Der Vortrag zeigt, dass Gesundheit weder biologisch noch sozial geschlechtsneutral ist – und dass sich diese Unterschiede in digitale Anwendungen einschreiben: in Diagnose-Algorithmen, die bei Frauen weniger zuverlässig erkennen, in Sensoren, die auf bestimmte Körper kalibriert sind, und in Trainingsdaten, die lange vor allem Männer abbilden.

 

Entlang dreier Lücken – Daten, Zugang und Politik – wird analysiert, wo eHealth bestehende Ungleichheiten verstärkt, etwa durch den digitalen Gender Gap, unterschiedliche digitale Gesundheitskompetenz oder fehlende Vorgaben im EU AI Act. Zugleich zeigt der Vortrag Beispiele, in denen geschlechtersensibles Design bereits gelingt – von der kardiovaskulären Risikobewertung über Femtech bis zu digitalen Angeboten für die psychische Gesundheit – und stellt ein Fünf-Ebenen-Modell vor, wie digitale Medizin für alle funktionieren kann.

 

 

Christoph Strünck, Gender in der Gesundheitspolitik: Randaspekt oder hohe Relevanz?

Gendersensible Medizin bekommt mehr Bedeutung: Unterschiedliche Risikofaktoren, unterschiedliche Krankheitsbilder, aber auch unterschiedliches Gesundheitsverhalten von Männern und Frauen erfordern, dass sich Forschung und Versorgung besser auf solche Differenzen einstellen. Doch wie sieht es in den Institutionen aus? Die Medizin ist (in ihren Leitungsfunktionen) männlich dominiert, die Pflege hingegen weiblich. Dass wir in Deutschland nach wie vor eher eine „Krankenversorgungspolitik“ (Christian von Ferber) als eine „Gesundheitspolitik“ haben, mag auch mit einem männlich geprägten Blick auf Hochleistungsmedizin zusammenhängen. Andererseits hat die Feminisierung der Medizin dafür gesorgt, dass neue Versorgungskonzepte wie Medizinische Versorgungszentren immer populärer werden. Welche Relevanz besitzen Genderfragen daher für gesundheitspolitische Entscheidungen? Was lernen wir aus der randständigen Rolle von Prävention und Gesundheitsförderung, aber auch der unterschiedlichen Stellung der Gesundheitsberufe über Geschlechterverhältnisse? Der Vortrag versucht sich thesenhaft diesen Fragen zu nähern und empirische Einschätzungen zur Diskussion zu stellen.

 

 

Sarah Eitze, Geschlechtersensible Medizin: Was wir wissen und wie wir drüber sprechen.

Warum erkranken Frauen oder Männer an manchen Krankheiten unterschiedlich? Warum werden bestimmte Symptome bei Frauen später erkannt – und weshalb sind Medikamente und medizinische Leitlinien nicht immer für alle Geschlechter gleichermaßen erforscht? Geschlecht spielt in der Medizin an vielen Stellen eine Rolle: von biologischen Mechanismen über Symptome, Diagnostik und Therapie bis hin zu Risikowahrnehmung und Gesundheitsverhalten. Gleichzeitig ist „Geschlecht“ längst nicht nur eine wissenschaftliche Kategorie, sondern auch Gegenstand gesellschaftlicher und politischer Debatten.

 

Der Vortrag nimmt die Entwicklung der geschlechtersensiblen Medizin in den Blick, zeigt anhand verschiedener medizinischer Fachbereiche allgemeinverständlich, was die Forschung heute über geschlechtsspezifische Unterschiede weiß – und wo die Evidenz noch Lücken aufweist. Als Gesundheitspsychologin richte ich dabei einen besonderen Blick auf die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse über Geschlecht verständlich und differenziert vermittelt werden können.

 

 

Marcella Fassio, Wenn Geburt zur Krise wird: Literarische Darstellungen von Wochenbett & psychischer Gesundheit.

Die Geburt eines Kindes wird gesellschaftlich häufig als Moment des Glücks gerahmt. Doch was, wenn die Zeit danach von mentaler Erschöpfung, Angst und Entfremdung geprägt ist? Der Vortrag geht der Frage nach, wie Literatur das oft tabuisierte Erleben des Wochenbetts und seiner psychischen Krisen zur Sprache bringt. Im Mittelpunkt stehen hierbei drei Romane, die mehr als ein Jahrhundert trennt: Helene Böhlaus Halbtier! (1899), Gabriele Reuters Ellen von der Weiden (1900) und Olga Ravns Meine Arbeit (dän. Mit arbejde, 2020). Böhlau und Reuter schreiben um 1900 gegen ein bürgerliches Frauenbild an, das Frauen auf ihren Körper, ihre Funktion als Ehefrau und selbstlose Mutterschaft festlegt. Ravn erkundet in einer fragmentarischen, autobiografischen Form, wie sich Mutterschaft, Schreiben und seelische Krise ineinander verschränken. Wie erzählen die Texte von Überforderung und Identitätsverlust? Welche Sprache finden sie für ein Leiden, das lange als unsagbar gilt? Und was verrät der Vergleich über den Wandel und die Beharrlichkeit gesellschaftlicher Mutterbilder?

 

Grafik Akademie-Gebäude
Forschung

Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft in Tutzing

Institutionen unter Druck
Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (03.-04.07.2026) in Tutzing am Starnberger See

Christoph Strünck
Forschung

Prof. Dr. Christoph Strünck ist neuer Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft

Auf der diesjährigen Jahrestagung der DGfP in Freiburg wurde Christoph Strünck zum neuen Vorsitzenden gewählt. 

Forschungsprofil

Die Professur beschäftigt sich mit unterschiedlichen Feldern der Sozialpolitik, insbesondere mit den Bereichen Gesundheit, Verbraucherschutz, Arbeitsmarkt und kommunaler Sozialpolitik. Zwei Fragen stehen dabei im Vordergrund: Welche Rolle spielen Parteien, Interessengruppen und Interessen-Koalitionen, wenn es um Status quo oder Wandel in der Sozialpolitik geht? Wie und mit welchem Erfolg werden sozialpolitische Programme umgesetzt und implementiert? Die Professur fühlt sich den internationalen Theorien und Methoden der Policy-Analyse verpflichtet, hat aber auch Berührungspunkte zu Ansätzen aus Wirtschaftswissenschaften, Sozialer Arbeit oder Public Health.

Forschungsschwerpunkte

  • Public Health Policies und Präventionspolitik
  • Interessengruppen und Lobbyismus
  • Verbraucherinteressen und Verbraucherpolitik
  • Dritter Sektor und Wohlfahrtsverbände
  • Fachkräftesicherung und Arbeitsmarktpolitik
  • Lokale Sozialpolitik
Christoph Strünck

Lobbyismus durch Verbraucherverbände

Christoph Strünck, Hans-Werner Wahl, Hans Förstl, Ines Himmelsbach, Elisabeth Wacker

Wo wollen wir alt werden?

Sven Rader, Holger Bonin, Werner Eichhorst, Wolfgang Schroeder, Margard Ody, Ulf Rinne

Bestimmung des soziokulturellen Existenzminimums von Kindern

Aktuelle Projekte

Älterer Mensch mit Tablet
Gesundheitsversorgung und Alternsforschung
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FUSION Transformation des ländlich-industrialisierten Raumes als Handlungsfeld der Universität Siegen - Teilvorhaben 4 "Gesundheit und Altern"

Fusion: Transformation des ländlich-industrialisierten Raumes als Handlungsfeld der Universität Siegen - Teilvorhaben 4: Gesundheit und Altern

Teilvorhaben 4 ‚Gesundheit & Altern‘ strebt die Entwicklung praxisorientierter und digital unterstützter Transferlösungen zur Sicherung gesundheits- und pflegebezogener Versorgungsqualität in ländlichen Regionen an. Durch einen partizipativen Ansatz sollen gemeinsam mit Bürgern, Experten und Forschern aus der Region neue präventive Konzepte entwickelt und erprobt werden. Vor allem sollen Fragen zur Gesundheits-prävention und des aktiven, gesunden Alterns mit neuen Möglichkeiten der Digitalisierung, insbesondere im Hinblick auf assistive (Tele-)Technologien aus Sicht sorgender Gemeinschaften beantwortet werden. Drei wesentliche Bereiche stehen dafür im Fokus:

  1. Prävention, zur Förderung der Bewegung und Begegnung in Gemeinden
  2. Primärversorgung, mit Unterstützung von intersektoralen Kooperationen und „Real World“-Daten
  3. Spezielle Versorgungsaspekte mit Blick auf die Kommunikation und Arbeitsprozesse

Nähere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Weitere Informationen

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