Neuere und Neueste Geschichte
Historisches Seminar
Die Professur für Neuere und Neuesten Geschichte an der Universität Siegen fokussiert auf die europäische Geschichte und deren koloniale Wurzeln, insbesondere in Nordamerika. Ein zentraler Aspekt ist die transnationale Forschung zu britisch-deutschen Beziehungen von der Industrialisierung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Angela Schwarz werden kultur-, sozial- und mentalitätsgeschichtliche Fragestellungen sowie Medienstrategien zur Popularisierung von Geschichte untersucht. Besonders werden dabei traditionelle und digitale Medien betrachtet, deren Bedeutung in den letzten vier Jahrzehnten stark gewachsen ist.
Forschungsprofil
Allgemeines
Der Schwerpunkt der Neueren und Neuesten Geschichte an der Universität Siegen liegt in der europäischen Geschichte einschließlich der Geschichte der früheren europäischen Kolonien in Nordamerika, deren Gesellschaft und Kultur starke europäische Wurzeln haben. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Erforschung transnationaler Verflechtungen in den britisch-deutschen Beziehungen vom Aufkommen der Industrialisierung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Den neueren Forschungstendenzen der Geschichtswissenschaft folgend, liegt der zentrale Fokus von Univ.-Prof. Dr. Angela Schwarz und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf kultur-, sozial- und mentalitätsgeschichtlichen Fragestellungen. Zugleich ist die Erforschung von Wirkungsweisen und Strategien in Medien der Popularisierung von Geschichte ein wichtiges Anliegen. Dabei werden neben traditionellen Medien in historischen Kontexten vor allem die digitalen Medien der Gegenwart in den Blick genommen, deren Popularität in den letzten gut vier Jahrzehnten eine immense Steigerung erfahren hat.
Die einzelnen Forschungsarbeiten und -projekte sind inhaltlich oft untereinander vernetzt, so dass sie mehreren Forschungsfeldern zugeordnet werden können. Darüber hinaus sind die Thematiken stets interdisziplinär angelegt und somit offen für eine Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern aus den benachbarten Disziplinen so etwa den Sozialwissenschaften, den Literaturwissenschaften, der Medienwissenschaft oder auch den Naturwissenschaften.
Zielsetzung
Die Arbeiten an der Professur richten sich generell auf die Erforschung von alltagsgeschichtlichen Phänomenen, die Frage nach der Wahrnehmung bestimmter zeitgenössischer Ereignisse oder historischer Entwicklungen (etwa Urbanisierung, Industrialisierung, Technisierung) und der Entstehung und Entwicklung von Wissenskulturen. Die Erschließung neuer Forschungsbereiche (z.B. populärhistorische Konstruktionen in Computerspielen) spiegelt das Anliegen der Professur, aktuelle gesellschaftliche geschichtskulturelle Entwicklungen aufzugreifen und sich in ihre Diskussion einzubringen. In der Weise wird das Profil der Professur weiter geschärft.
Kooperation
In enger Abstimmung mit den Siegener Professuren für Geschichte der Gegenwart, Wissens- und Kommunikationsgeschichte der Moderne und Didaktik der Geschichte werden die Erforschung und die Vermittlung von Geschichte als Kulturgut im Rahmen der Forschungsstelle transnationale Kulturgeschichte konzentriert. Hier finden viele der Projekte des Lehrstuhlteams als Teil einer weitgefassten Kulturgeschichte ihren zentralen Ankerpunkt. Im Bereich der regionalgeschichtlichen Forschungen erfolgt eine Kooperation mit verschiedenen lokalen Partnerorganisation in ganz konkreten Projekten. Eine lange und erfolgreiche Zusammenarbeit gab es mit der Graduiertenschule 'Locating Media/Situierte Medien', aus der zwei von Univ.-Prof. Dr. Angela Schwarz betreute Dissertationen hervorgegangen sind. In den Jahren seit 2015 verstärkte der Lehrstuhl sein Engagement in interdisziplinären Kooperationen zur Erforschung des Populären und seiner Wandlungen im Laufe der Zeit. Die intensive Mitarbeit in der fakultätsübergreifenden Forschungsstelle Populären Kulturen an der Universität Siegen und die Beteiligung am im Januar 2021 angelaufenen Sonderforschungsbereich 1472 Transformationen des Populären tragen weiter dazu bei, die Kooperationen in den Kernforschungsfeldern des Lehrstuhls zu erweitern.
Forschungsfelder
Die Forschungen des Teams lassen sich in sieben größere Forschungsfelder einordnen:
- Mediale Inszenierung und Popularisierung von Geschichte
- Vermittlung und Popularisierung von Naturwissenschaften und Technik
- Praktiken, Diskurse und Wissensbestände des Sinnlichen
- Nationalsozialismus in seiner Zeit und in Nachkriegsgesellschaften
- (Geschichts-)Tourismus als kulturhistorisches Phänomen
- Geschichte der Stadt und der Vorstellungen urbanen Lebens seit dem Beginn der Industrialisierung
- Regionen in der Geschichte: Konzepte und Realitäten in Nordrhein-Westfalen
Forschungsschwerpunkt Popularisierung
Die drei großen Schwerpunktbereiche, in denen das Team seine Forschungen zu diesem Komplex ansiedelt sind:
Neueste Publikationen
Angela Schwarz/Heiner Stahl: Kontaktzone Bonn. Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung und die Staatliche Öffentlichkeitsarbeit 1949-1969, Göttingen 2023
Kontinuitätslinien staatlicher Kommunikationspolitik und der Arbeit mit der Presse in der frühen Bundesrepublik.
Im Bundeskanzleramt und im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung agierten in der Nachkriegszeit Männer, die auf vielfältige Erfahrungswerte in der staatlichen Presse- und Informationsarbeit aus der Zeit des Deutschen Reiches zurückgreifen konnten - vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zum Ende des nationalsozialistischen Regimes. Insbesondere die Erfahrungen aus den zwölf Jahren der Diktatur und ihrer staatlichen Medienlenkung flossen als Wissensbestände und erprobte Praktiken in die Aufbauarbeit ab 1949 mit ein. So entstand in der jungen Bundesrepublik keineswegs sofort eine Arbeit mit der Presse und der Öffentlichkeit, die den Gepflogenheiten eines liberalen und demokratischen Rechtsstaates sowie den Informationsbedürfnissen einer offenen und kritischen Mediengesellschaft Rechnung getragen hätte. Vielmehr wirkten bestehende Strukturen sowie Akteurinnen und Akteure der dreißiger und frühen vierziger Jahre fort. In ihrer Betrachtung des Bundeskanzleramtes und des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung verknüpfen Angela Schwarz und Heiner Stahl kultur- und medienhistorische Zugänge mit einer Mentalitätsgeschichte staatlicher Öffentlichkeitsarbeit.
Link zur Verlagsseite: https://www.wallstein-verlag.de/9783835353732-kontaktzone-bonn.html