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Geschichte und Philosophie der Mathematik

Raffael - Athener Schule

Les mathématiciens ont autant besoin d'être philosophes que les philosophes d'être mathématiciens.

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716)

Auch wenn das Vorgehen von Mathematik und Philosophie aus guten Gründen strikte voneinander unterschieden werden sollte, so gibt es dennoch ebenso gute Gründe, Mathematik und Philosophie – frei nach der Leibnizschen Forderung – immer wieder aufeinander zu beziehen. In der Arbeitsgruppe geht es vor diesem Hintergrund um neue Ansätze und Perspektiven einer Kultur-Philosophie der Mathematik, bei der historische und systematische Zugänge einander wechselseitig erhellen.

Die Lehre der Arbeitsgruppe widmet sich der Integration dieser Reflexionsdiziplinen in alle Studiengänge der Mathematik. Besondere Lehrformate sind die jährlichen Romseminare und die mit dem Philosophischen Seminar veranstaltete Reihe Der Büchergarten.

Aktuelles

Paderborn Stadtansicht

29. RheWeSe

Rheinisch-Westfälisches Seminar zur Geschichte und Philosophie der Mathematik

  • Fr., 10. Juli 2026 

  • ab 10:00 Uhr

  • Universität Paderborn

Lehrpreis Prof. Dr. Gregor Nickel

Lehrpreis für Prof. Dr. Gregor Nickel

Prof. Dr. Gregor Nickel hat am 19.06.2026 im Rahmen der Jahresfeier einen  Lehrpreis  der Fakultät IV überreicht bekommen.

Cusanus an Lesepult

Exkursion: Nikolaus von Kues im Dialog mit dem antiken Wissen – Bücher und Disziplinen

Organisation: Mario Meliadò & Gregor Nickel

Mini-Tagung Philosophie & Geschichte der Mathematik am 05.12.2025

Plakat der Tagung mit Programm

 

Vorträge

Daniel Koenig (Wuppertal)

Aus meinen Studien zur Bedeutung der Mathematik in Cassirers symboltheoretischem Ansatz hat sich gezeigt, dass dieser einerseits für die theoretische Deutung der Mathematik überaus fruchtbar ist, andererseits aber aus systematischen Gründen Leerstellen lässt. So ist die Frage nach der konkreten Arbeit des Mathematikers wenig behandelt, wie auch die Frage nach dem konkreten Erlernen mathematischer Inhalte bspw. von Schülern. Im Sinne einer wechselseitigen Ergänzung möchte ich im Vortrag eine Spurensuche unternehmen und ausloten, ob sich die Ansätze Poincarés, Deweys und Cassirers sinnvoll aufeinander beziehen lassen. Abschließend möchte ich eine erste Skizze für ein mögliches Forschungsprojekt vorstellen und diskutieren.

 

Rudolf Meer (Bochum)

Wissenschaftliche Philosophie ist ein Begriff, der sowohl eine bestimmte philosophische Haltung als auch eine konkrete philosophische Bewegung charakterisiert. Während Letztere ihren Höhepunkt Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte, hat die philosophische Haltung selbst Wurzeln, die weit ins 18. und 19. Jahrhundert zurückreichen. Nachdem das Forschungsprogramm einer wissenschaftlichen Philosophie in der Mitte des 20. Jahrhunderts stark an Glaubwürdigkeit verloren hatte, erlebte es zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine bemerkenswerte Renaissance. Im Vortrag greife ich all diese Dimensionen wissenschaftlicher Philosophie auf und frage nach ihrem Selbstverständnis im Spannungsfeld zwischen Philosophie und Wissenschaft.

 

Helmut Pulte (Bochum)

Kant wird durch Newtons Opticks, in der erstmals – in Analogie zu algebraischen Reihen – negative Kräfte in die Naturphilosophie eingeführt werden, zur Entwicklung einer Theorie der Negativität angeregt, die er der logischen Negation entgegensetzt und die er über die Naturphilosophie hinaus auch für andere Bereiche der Philosophie (wie etwa die Ethik) fruchtbar zu machen sucht. Der Arbeitsbericht stellt einige wichtige Grundgedanken dieser neuen Theorie der 'Realnegation' vor und wirft einen Blick auf die Spuren, die diese vorkritische Konzeption Kants in seiner späteren Transzendentalphilosophie hinterlassen hat.

Unser Forschungsprofil

Historische Perspektive

Mathematik ist ein kulturelles Unternehmen der Menschheit von kaum zu überschätzender Bedeutung. Dieses zieht sich durch wenigstens drei Jahrtausende der (westlichen) Geistes- und Kulturgeschichte und markiert bzw. begleitet immer wieder entscheidende Entwicklungen. Insbesondere ist die Philosophie eines Platon oder Aristoteles oder die des oben zitierten Leibniz, aber auch die (natur)wissenschaftliche Revolution, die sich mit den Namen Galilei und Newton verbindet, und damit ein fundamentaler Wandel im Blick der Menschheit auf die Natur ohne Beschäftigung mit der entsprechenden Mathematik nicht angemessen zu verstehen. 

Neben einer ideen- und kulturgeschichtlichen Perspektive auf solche Entwicklungen sind insbesondere die folgenden Autoren im Fokus der Arbeitsgruppe:

  • Ernst Cassirer (1874-1945)
  • Immanuel Kant (1724-1804)
  • Nikolaus von Kues (1401-1464)
Nickel, Koenig: Die Theoretische Philosophie Ernst Cassirers

 

Daniel Koenig, Gregor Nickel (Hg.) 

Ernst Cassirers theoretische Philosophie. Perspektiven aus Mathematik- und Kulturphilosophie. 

Cassirer-Forschungen 25

2025

 

Zum Band 

Nickel, Schönecker, Ufert - Kant zur Philosophie der Mathematik (Cover)

 

Gregor Nickel, Dieter Schönecker, Wilko Ufert (Hg.) 

Kant zur Philosophie der Mathematik. Eine Auswahl aus seinen Schriften.

2018

 

Zum Buch

Systematische Perspektive

Eine Aufgabe der Ästhetik der Mathematik besteht in der systematischen Beschreibung und Erforschung der der Mathematik immer wieder zugeschriebenen Schönheit und ihres Kunstcharakters. Über die in der Öffentlichkeit vorherrschende statische Produktsicht hinaus, können mithilfe der mathematikästhetischen Perspektive selten beachtete Facetten von Mathematik und mathematischem Schaffen herausgestellt werden. Die Annahme der Kunstähnlichkeit liefert dabei eine Sprache zur Beschreibung. Auf diese Weise trägt die mathematikästhetische Perspektive zu einem umfassenden Bild von Mathematik bei.

Sieb Cover Spies

 

Susanne Spies

Ästhetische Erfahrung Mathematik: Über das Phänomen schöner Beweise und den Mathematiker als Künstler 

SieB - Siegener Beiträge zur Philosophie und Geschichte der Mathematik (Hg. Ralf Krömer, Gregor Nickel)

Bd. 2 (2013) 

 

Zum Band

In der aktuellen fachdidaktischen Landschaft mag das Thema Mathematik und Bildung ein wenig unzeitgemäß wirken. Ist doch die Aufmerksamkeit der meisten am Lehren und Lernen von Mathematik Interessierten noch immer nachhaltig geprägt durch den Einfluss großformatiger quantitativ-empirischer Tests und rankings sowie durch die Diskussion (mehr oder weniger überzeugender) Anwendungen der Mathematik. Gerade deswegen ist es an der Zeit, einen Kontrapunkt zu setzen, die schlichte Frage: „Was ist das eigentlich – Mathematik, und was trägt sie zur (Allgemein)bildung bei?“ zu stellen und Antwortversuche zu diskutieren. Wer eine Disziplin verantwortlich unterrichten will, darf sich solchen Fragen jedenfalls nicht grundsätzlich verschließen, die nicht nur für eine reichhaltige und angemessene Präsentation des Faches unverzichtbar sind, sondern auch für die Frage nach der Berechtigung, eine solche Disziplin überhaupt und in den jeweils ausgewählten Gegenständen zu unterrichten.

Mathematik Neu Denken

 

Albrecht Beutelspacher, Rainer Danckwerts, Gregor Nickel, Susanne Spies, Gabriele Wickel (Hg.) 

Mathematik Neu Denken. Impulse für die Gymnasiallehrerbildung an Universitäten

2012

 

Zum Buch

Während mittlerweile eine etablierte und differenzierte Ethik in den Wissenschaften den Diskurs über die und mit den Natur- und Ingenieurwissenschaften führt, erreicht dieser im Bereich der Formalwissenschaften allenfalls noch die Informatik. Dabei liegt der Versuch einer gegenseitigen Bezugnahme von Ethik und Mathematik bereits insofern nahe, als sowohl Moral – und damit auch deren Reflexion in der Ethik – als auch Mathematik in hohem Maße universelle Beobachtungsmittel sind. Dieser Universalität entsprechen zwei Blickrichtungen: Einerseits können Mathematik und Mathematische Forschung aus ethischer Perspektive beurteilt werden; hier ergeben sich die typischen Fragen einer Verschränkung von Wissenschaft und Anwendung; dabei kommt der Disziplin Mathematik mit ihrer für die wissenschaftlich-technische Kultur zentralen Rolle ein entsprechendes Maß an Verantwortung zu. In der umgekehrten Richtung kann die orientierende Rolle der Mathematik für die ethische Theoriebildung analysiert werden, wobei der Streit darum, inwieweit sich der ethische Diskurs am Vorgehen der Mathematik(er) zu orientieren habe, die gesamte westliche Geistesgeschichte begleitet und prägt.

Heft Mathematikunterricht 12/15

Gregor Nickel (Hg.)

MU | Der Mathematik-Unterricht. Beiträge zu seiner fachlichen und fachdidaktischen Gestaltung. 

Schwerpunkt: Philosophie der Mathematik 

Jahrgang 61, Heft 6 (2015)

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Team

Prof. Dr. Gregor Nickel - Lehrpreisverleihung 2026

Univ.-Prof. Dr. Gregor Nickel

Professor*in
Susanne Spies

Dr. Susanne Spies

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Personal profile photo

Dr. phil. Julia Franke-Reddig

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Kontakt zur Arbeitsgruppe

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