Romseminar
Insofern sich die Sätze der Mathematik auf die Wirklichkeit beziehen, sind sie nicht sicher;
und insofern sie sicher sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit.
Albert Einstein (1879-1955)
Begründet 1993 von dem Tübinger Mathematikprofessor Rainer Nagel werden die Romseminare seit dem Jahr 2006 gemeinsam von Prof. Markus Haase (Universität Kiel), Prof. Markus Wacker (HTW Dresden), Prof. Gregor Nickel (Universität Siegen) und Prof. Rainer Nagel (Universität Tübingen) veranstaltet.
Die Romseminare finden sich auch auf der Website der Universität Tübingen.
Das Romseminar 2027
Wöchentlicher Termin: Donnerstag, 16:00 Uhr s.t. (Raum ENC B-222)
Einfach falsch? Fehler und Irrtum aus der Sicht von Mathematik und Informatik
Exkursion 28. Februar - 07. März 2027
Fehler begleiten uns auf Schritt und Tritt. Die Fehler, die wir selbst machen oder gemacht haben, aber noch viel mehr diejenigen, die wir machen könnten; und natürlich die Fehler der anderen (der Eltern, der Lehrpersonen, der Verwaltung, der Polizei, der Politik, der KI ...) und die berüchtigten „Fehler im System“. Es gibt die Fehler aus Unachtsamkeit und mangelnder Sorgfalt (Tippfehler, Messfehler), aber auch echte Denkfehler und eklatante Fehleinschätzungen (Irrtümer), die schlimme oder sogar katastrophale Folgen haben können. Oft treten uns Fehler als etwas Negatives entgegen. Viel wird dafür getan, dass Fehler gar nicht erst passieren oder dass aus ihnen ein möglichst geringer Schaden entsteht. Demgegenüber wird man aber (angeblich) aus Fehlern klug, und es ist neuerdings verstärkt von produktiven Irrtümern, Fehlertoleranz und einer positiven Fehlerkultur die Rede. Vielleicht verhält es sich also mit dem „Falschen“ gar nicht so „einfach“, wie es auf den ersten Blick erscheint?
Im diesjährigen Romseminar wollen wir das Thema „Fehler“ aus vielen verschiedenen Perspektiven beleuchten, und dabei insbesondere diejenigen in den Blick nehmen, die einen engen Bezug zu Mathematik und Informatik aufweisen.
Nähere Informationen hier.
Konzept
Bei den Romseminaren handelt es sich um das immer wieder überraschende Experiment einer fachübergreifenden, freien Seminarform, in der sich Mathematikstudierende intensiv mit der Verbindung von Mathematik und unterschiedlichsten Wissenschaften bzw. Bereichen der Gesellschaft (etwa den Künsten) befassen.
Das in mehrjähriger Arbeit entwickelte und erprobte didaktische Konzept zeichnet sich vor allem durch die ungewöhnliche Art aus, in der es die Studierenden zur selbständigen inhaltlichen und methodischen Reflexion ermutigt - im Kontrast zu üblichen Seminaren mit vorgegebenen Themen keine Selbstverständlichkeit. In einer einsemestrigen, intensiven Vorbereitungsphase wird das jeweilige Oberthema zunächst mit Vortrags- und Diskussionssitzungen entfaltet, wobei sich die Teilnehmer - je nach eigenem Interesse - einzelne Aspekte herausgreifen und Einzelthemen selbständig definieren. Diese Themen werden dann - ggf. nach Konsultation von fakultäts- oder universitätsexternen Experten - vorbereitet und schließlich in einer einwöchigen Kompaktphase in Rom präsentiert. Seit vielen Jahren findet das Seminar in der renommierten wissenschaftlichen Accademia dei Lincei statt.
Außerdem ermöglichen die vielfältigen Kontakte in Rom ein jeweils neues, außergewöhnliches Besichtigungs- und Begegnungsprogramm. Zu erwähnen wären hier etwa: Die päpstliche Akademie der Wissenschaften, die Universitäten Gregoriana und S. Anselmo, die Deutsche Kunstakademie Villa Massimo, das Deutsche Archäologische Institut (DAI), das MPI für Kunstgeschichte Bibliotheca Hertziana, die Casa di Goethe, die Deutsche Botschaft beim Vatikan. Das selbstorganisierte, kulturelle Programm reicht von Lesungen über (kunst)geschichtliche Führungen und Konzerte bis zu Theateraufführungen.
Mit den Romseminaren wird Universität - wie sonst kaum im Fachstudium - als universitas erfahrbar. (↗Poster zum Tag der Lehre 2018 in Siegen)